PATTANI – Mit einem Hubschrauberflug ins Herz der Konfliktregion beginnt für Premierminister Anutin Charnvirakul die wohl heikelste Mission seiner Amtszeit: Frieden schaffen im tiefen Süden Thailands. Begleitet von hochrangigen Parteikollegen und Sicherheitschefs, setzt er auf einen Neustart – und auf einen Mann mit militärischer Erfahrung: General Somsak Rungsita.
Der ehemalige Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats wurde offiziell zum Leiter des Friedensdialoggremiums ernannt. Er soll die stockenden Gespräche mit der Barisan Revolusi Nasional (BRN) wiederbeleben – einer Gruppe, die seit Jahren für Unabhängigkeit kämpft und hinter zahlreichen Anschlägen vermutet wird.
„Unser Ziel ist es, Vertrauen aufzubauen und Kontinuität zu wahren“, erklärte General Somsak. Doch die Realität vor Ort ist explosiv: Nur Tage vor Anutins Besuch erschütterten acht koordinierte Bombenanschläge die Provinz Yala. In Pattani detonierte Sprengstoff nahe einer Universität, in Narathiwat wurde ein Tempel während der buddhistischen Fastenzeit Ziel eines Brandanschlags. Und in Sungai Kolok stahlen bewaffnete Männer Gold im Wert von über 35 Millionen Baht – ein Raub, der an paramilitärische Präzision erinnerte.
Anutin reagierte mit klaren Worten: „Für diesen Job gibt es keine Probezeit. Wer Verantwortung übernimmt, muss sofort liefern.“ Er forderte eine engere Zusammenarbeit zwischen Militär, Polizei und Zivilbehörden, eine stärkere Geheimdienstarbeit und eine konsequente Durchsetzung der Gesetze. Verdächtige dürften nicht länger über die porösen Grenzen in Nachbarländer entkommen – mehr Patrouillen und eine mögliche Grenzbarriere stehen zur Diskussion.
Der Premierminister betonte, dass Gewalt nicht mit Führungswechseln zusammenhänge, sondern mit strukturellen Schwächen. „Alle Behörden müssen Informationen nahtlos austauschen, um Vorfälle zu verhindern und zu stoppen, bevor sie eintreten.“
Sein Besuch in Pattani, Yala und Narathiwat war nicht nur symbolisch, sondern auch operativ: Im Sirindhorn Camp skizzierte er den Einsatzplan für 2026, sprach mit Sicherheitskräften und besuchte verwundete Soldaten im Krankenhaus von Hat Yai – ein Zeichen der Solidarität und Entschlossenheit.
Ob General Somsak die Gespräche mit der BRN erfolgreich wieder aufnehmen kann, bleibt offen. Doch eines ist klar: Die Uhr tickt, und die Region verlangt nach mehr als nur Worten.
STIN // AI