Seoul reagiert mit drastischen Maßnahmen auf Mordfall in Kambodscha – Sonderteam soll Betrugsnetzwerke aufdecken
Nach dem grausamen Tod eines südkoreanischen Studenten in Kambodscha zieht Seoul Konsequenzen: Die Regierung hat am Mittwoch ein sofortiges Reiseverbot für mehrere Regionen des südostasiatischen Landes verhängt. Betroffen sind das Bokor-Gebirge in der Provinz Kampot sowie die Grenzstädte Bavet und Poipet – Orte, die zunehmend mit kriminellen Machenschaften in Verbindung gebracht werden.
Der Student war Berichten zufolge von einem Verbrecherring entführt und zu Tode gefoltert worden. Seine Leiche wurde am 8. August in einem Kleinlaster entdeckt – übersät mit Blutergüssen und Verletzungen, wie eine Autopsie ergab. Drei chinesische Staatsbürger wurden inzwischen wegen Mordes und Online-Betrugs angeklagt und befinden sich in Untersuchungshaft.
Die südkoreanische Regierung zeigt sich alarmiert: Ein Sonderteam aus Polizei, Geheimdienst und Diplomatie wird noch am Mittwochabend nach Kambodscha entsendet. Ziel ist es, die Rückführung von 63 festgenommenen Südkoreanern zu organisieren und die Hintergründe der Betrugszentren zu untersuchen, die offenbar systematisch mit Scheinjobangeboten locken und Menschen in Zwangsarbeit und digitale Kriminalität treiben.
„Die meisten Festgenommenen müssen als Täter angesehen werden – unabhängig davon, ob sie freiwillig oder unfreiwillig beteiligt waren“, erklärte Sicherheitsberater Wi Sung-lac. Nach ihrer Rückkehr sollen Ermittlungen eingeleitet werden.
Laut offiziellen Angaben sind rund 1.000 Südkoreaner in die Betrugsindustrie Kambodschas verstrickt – ein Teil von geschätzt 200.000 Menschen aus aller Welt, die in den dortigen kriminellen Netzwerken arbeiten. Amnesty International spricht von mindestens 53 Lagern, in denen Menschenhandel, Folter und Sklaverei betrieben werden.
Zwischen Januar und August wurden rund 330 südkoreanische Staatsbürger als vermisst oder gegen ihren Willen inhaftiert gemeldet. Zwar konnte die Zahl inzwischen auf 80 reduziert werden, doch die Unsicherheit bleibt groß.
„Wir werden alle diplomatischen Mittel ausschöpfen, um die Kooperation Kambodschas sicherzustellen“, hieß es aus dem Präsidialamt in Seoul. Die Botschaft ist klar: Südkorea will nicht länger zusehen, wie seine Bürger Opfer eines globalen Betrugssystems werden.
STIN // AI