Im Schatten des eskalierenden Handelsstreits zwischen China und den USA rückt ein neuer Akteur ins Rampenlicht der geopolitischen Rohstoffpolitik: Myanmar. Das südostasiatische Land könnte eine Schlüsselrolle bei der Versorgung mit Seltenen Erden spielen – jenen kritischen Metallen, die für Windräder, Elektroautos und Hightech-Produkte unverzichtbar sind. Doch der Preis für diese strategische Partnerschaft ist hoch: Umweltzerstörung, soziale Verwerfungen und die Legitimierung eines brutalen Militärregimes.

China dominiert mit rund 90 Prozent die weltweite Verarbeitung Seltener Erden – ein Machtfaktor, den Peking gezielt einsetzt. Als das chinesische Handelsministerium vergangene Woche neue Exportbeschränkungen verhängte und damit den Zollfrieden mit den USA aufkündigte, reagierte Washington prompt mit der Drohung von Strafzöllen. Die Folge: Der Ruf nach alternativen Lieferketten wird lauter – und führt direkt nach Myanmar.

Seit dem Militärputsch 2021 hat sich das Land zu einem der wichtigsten externen Lieferanten Chinas entwickelt. Der Wert der chinesischen Importe aus Myanmar stieg von 388 Millionen Dollar im Jahr 2020 auf 1,4 Milliarden Dollar im Jahr 2023. Besonders gefragt sind schwere Seltene Erden wie Dysprosium und Terbium, die in den konfliktreichen Regionen Kachin und Shan unter prekären Bedingungen abgebaut werden. Allein im Kachin-Staat hat sich die Zahl der Minenstandorte seit 2020 fast verdreifacht.

Doch dieser Boom hat eine dunkle Kehrseite: Der Zusammenbruch staatlicher Strukturen nach dem Putsch und die Ausweitung bewaffneter Konflikte haben ein Vakuum geschaffen, das von lokalen Milizen, chinesischen Firmen und dem Militär gleichermaßen ausgebeutet wird. Die eingesetzte In-situ-Laugung mit Ammoniumsulfat verseucht Böden, Flüsse und Grundwasser – mit verheerenden Folgen für die lokale Bevölkerung, die auf Landwirtschaft und Fischerei angewiesen ist.

Zwar gibt es Widerstand: 2023 verhinderten über 1.500 Kachin-Bewohner die Ausweitung eines Bergbauprojekts in Mansi Township. Die Kachin Independence Organization (KIO), die Teile des Gebiets kontrolliert, setzte das Projekt aus – verhandelt aber weiterhin mit chinesischen Unternehmen. In anderen Regionen kommt es zu Zwangsumsiedlungen, um Platz für neue Minen zu schaffen.

Internationale Stimmen fordern daher ein Ende des Handels mit Konfliktmineralien aus Myanmar. Eine Zusammenarbeit mit dem Militärregime oder seinen wirtschaftlichen Partnern würde nicht nur bestehende Ungerechtigkeiten zementieren, sondern auch die Glaubwürdigkeit westlicher Nachhaltigkeitsversprechen untergraben.

Australien positioniert sich derweil als ethisch vertretbare Alternative. Das Land investiert in den Ausbau seiner Seltenerdproduktion – mit klaren Umweltstandards und transparenter Regulierung. Doch diese Verantwortung hat ihren Preis: Nachhaltige Lieferketten sind teurer, aber langfristig die einzige tragfähige Option.

Ein gerechter Übergang zur grünen Energiezukunft darf nicht auf dem Rücken der Schwächsten ausgetragen werden. Ohne demokratische Reformen in Myanmar und eine globale Verpflichtung zu fairen Lieferketten droht die Energiewende zur nächsten Etappe kolonialer Ausbeutung zu werden – mit glänzenden Technologien im Norden und vergifteten Landschaften im Süden.

 

STIN // AI

Von stin

0 0 Bewertungen
Article Rating
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest

0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
{title}
WP Twitter Auto Publish Powered By : XYZScripts.com
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x