Der australische Journalist und langjährige Malaysia-Kommentator Murray Hunter sieht sich mit einer internationalen Verleumdungsklage konfrontiert, die weit über die Grenzen Malaysias hinaus für Kritik sorgt. Am 29. September wurde Hunter auf einem Flughafen in Thailand festgenommen und über Nacht festgehalten. Die thailändischen Behörden erhoben Anklage wegen angeblich diffamierender Aussagen über die Malaysian Communication and Multimedia Commission (MCMC) und die politische Lage in Malaysia.

Hunter selbst bezeichnet die Vorwürfe als Teil einer gezielten Einschüchterungskampagne gegen kritische Stimmen. „Ich glaube, das alles ist Teil von Mobbing, Einschüchterung und ein Versuch, Andersdenkende in Malaysia zum Schweigen zu bringen“, erklärte er gegenüber Prachatai. Die thailändische Zivilgesellschaft kritisierte den Vorgang als Missbrauch nationaler Gesetze für sogenannte SLAPP-Klagen – strategische Klagen gegen öffentliche Beteiligung.

Der 68-jährige Australier war über vier Jahrzehnte in Wirtschaft, Wissenschaft und Regierungsberatung im asiatisch-pazifischen Raum tätig und arbeitete eng mit malaysischen Institutionen zusammen. Seit 2021 betreibt er einen Substack-Blog, auf dem er politische Entwicklungen kommentiert. 2022 berichtete er über mutmaßliche Unregelmäßigkeiten bei einem Sportkomplexprojekt, bei dem der damalige MCMC-Vorsitzende als Hauptaktionär eines beteiligten Bauunternehmens genannt wurde.

Die Reaktionen auf Hunters Enthüllungen waren drastisch: Seine Website wurde in Malaysia gesperrt, Medien kündigten seine Kolumnenverträge, und sein Name durfte in einigen Fällen nicht mehr erwähnt werden – außer in staatlich verfassten Artikeln. Auch seine frühere Universität, die Universiti Malaysia Perlis, distanzierte sich öffentlich von ihm und forderte die Löschung seiner akademischen Verbindungen aus sozialen Medien.

Im März 2024 leitete die malaysische Polizei eine Untersuchung gegen Hunter wegen angeblicher Verstöße gegen die sogenannten „3R“-Tabus (Religion, Rasse, Stellung der Herrscher) ein. Menschenrechtsorganisationen wie Lawyers for Liberty kritisierten das Vorgehen als überzogen und unangemessen für eine öffentliche Einrichtung.

Zusätzlich wurde laut Hunter eine Interpol-Red Notice gegen ihn beantragt, die ihn international als Flüchtling darstellen soll. Ein Bauunternehmen reichte zudem eine SLAPP-Klage gegen ihn und einen Aktivisten vor einem Gericht in Shah Alam ein.

Im Zentrum der Vorwürfe stehen Artikel, in denen Hunter das MCMC und dessen damaligen Vorsitzenden Salim Fateh Din kritisierte. Salim, heute Interimsvorsitzender und Vorsitzender des Anti-Corruption Advisory Board der MACC, gilt laut Asia Sentinel als zentrale Figur in Hunters Recherchen.

Hunter betont, seine Texte seien keine Diffamierung, sondern ein Warnsignal für andere Journalisten und Aktivisten. „Sie sind eine Warnung für andere, was ihnen passieren könnte“, schrieb er. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die zunehmende transnationale Dimension staatlicher Repression gegen kritische Stimmen in Südostasien.

 

STIN // AI

Von stin

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest

0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
{title}
WP Twitter Auto Publish Powered By : XYZScripts.com
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x