Nach scharfer Kritik am Umgang mit dem Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha sieht sich Senatorin Angkhana Neelapaijit einer Welle von Morddrohungen und digitaler Hetze ausgesetzt. Die Menschenrechtsaktivistin beantragte nun offiziellen Polizeischutz – aus Angst um ihr Leben.
Die Drohungen folgten auf Angkhanas öffentliche Stellungnahme gegen eine provokative Aktion eines nationalistischen Influencers, der mit Lautsprechern Kampfjet-Geräusche nahe kambodschanischer Flüchtlingslager simulierte. Gemeinsam mit dem renommierten Human Rights Watch-Forscher Sunai Phasuk kritisierte sie die Inszenierung als gefährlich und diplomatisch kontraproduktiv. Die Reaktion: eine Flut von Online-Angriffen, Beleidigungen und Anspielungen auf das gewaltsame Verschwinden ihres Ehemanns Somchai Neelapaijit im Jahr 2004 – ein bis heute ungeklärter Fall.
„Ich habe lediglich mein Recht wahrgenommen, Regierungspolitik zu hinterfragen“, erklärte Angkhana. „Doch nun werde ich als unpatriotisch diffamiert. Die Bedrohungen gehen weit über Meinungsfreiheit hinaus – ich fürchte um meine Sicherheit.“
Auch Sunai Phasuk meldete ähnliche Einschüchterungsversuche. Seine Kritik an Regierungsmaßnahmen sei faktenbasiert, nicht emotional, betonte er. Gemeinsam wandten sich die beiden am Samstag in einem offenen Brief an Polizeichef General Kittharath Punpetch und forderten Schutz für Menschenrechtsverteidiger und deren Familien.
Die Polizei reagierte prompt: Uniformierte und zivile Beamte wurden zum Schutz von Angkhanas Wohnung abgestellt. Gleichzeitig forderte die Senatorin die Regierung auf, die Bevölkerung über die Bedeutung von Menschenrechten und Meinungsfreiheit aufzuklären – nicht zuletzt im Interesse des internationalen Ansehens Thailands.
Insgesamt 19 Menschenrechtsorganisationen unterstützen die Forderung nach Schutzmaßnahmen und warnen vor einem Klima der Angst, das kritische Stimmen mundtot machen könnte.
STIN // AI