Beim APEC-Gipfel in Seoul wurde es ernst: Der thailändische Premierminister Anutin Charnvirakul nutzte das bilaterale Treffen mit Südkoreas Präsident Lee Jae Myung, um zwei drängende Probleme auf den Tisch zu bringen – die begrenzten Arbeitsmöglichkeiten für thailändische Migranten und die wachsende Zahl abgewiesener Touristen am Flughafen Incheon.
Anutin forderte eine Erhöhung der Quote für legale Arbeitskräfte im Rahmen des zwischenstaatlichen Beschäftigungsprogramms. Hintergrund: Von den rund 181.842 thailändischen Arbeitskräften in Südkorea (Stand Mai 2025) besitzen nur knapp 49.000 eine gültige Aufenthaltsgenehmigung. Zwar sinkt die Zahl der illegalen Beschäftigten, doch die Nachfrage nach legalen Jobs bleibt hoch.
Parallel dazu sorgt ein anderes Thema für diplomatische Spannungen: Immer mehr thailändischen Touristen wird trotz gültiger Online-Registrierung die Einreise verweigert – oft ohne klare Begründung. Zwischen Januar und April 2025 sank die Zahl thailändischer Besucher um 21 % im Vergleich zum Vorjahr. Einst Spitzenreiter unter den südostasiatischen Herkunftsländern, liegt Thailand nun hinter Vietnam und den Philippinen zurück.
Experten machen die Unsicherheit bei der Einreise für die sinkenden Besucherzahlen verantwortlich. Die Stimmung in Thailand kippt – viele fühlen sich ungerecht behandelt und meiden Südkorea als Reiseziel.
Doch es gab auch konstruktive Impulse: Anutin schlug ein ehrgeiziges Handelsziel von 30 Milliarden US-Dollar vor und lobte das Freihandelsabkommen als Schlüssel zur wirtschaftlichen Vertiefung. Thailand sicherte Investoren wie Hyundai, COSMAX und KakaoBank volle Unterstützung zu – insbesondere für das erste koreanische Industriegebiet in Thailand.
Ein kultureller Schulterschluss rundete das Treffen ab: Die thailändische Begeisterung für K-Pop und koreanische Serien soll künftig auch wirtschaftlich Früchte tragen. Behörden in Bangkok planen, das südkoreanische Content-Ökosystem zu analysieren – mit Fokus auf Startups und KMU.
Fazit: Thailand fordert Respekt und Chancen – für seine Arbeiter, seine Touristen und seine Wirtschaft. Südkorea steht nun vor der Aufgabe, Vertrauen zurückzugewinnen und die bilateralen Beziehungen auf ein neues Level zu heben.
STIN // AI