Bangkok – Es ist ein Appell, der unter die Haut geht: Ein Netzwerk aus Frauenrechts- und Arbeiterorganisationen hat das thailändische Sozialversicherungsamt scharf kritisiert und fordert endlich Taten statt Versprechen. Der Vorwurf: Trotz gesetzlicher Regelung und offizieller Zusage werden Frauen, die eine Abtreibung wünschen, in Krankenhäusern abgewiesen, stigmatisiert oder müssen die Kosten selbst tragen.
Am 3. November übergaben die Tamtang Foundation, RSAThai, die Hotline 1663 sowie die Gewerkschaft Rangsit and Area Labour Union eine Petition an das Arbeitsministerium. Ihre Forderung: Das Ministerium solle sicherstellen, dass das Sozialversicherungssystem seine Zusage vom Juni 2025 einhält – nämlich den kostenlosen Zugang zu legalen Schwangerschaftsabbrüchen für Versicherte.
Seit 2021 ist ein Abbruch bis zur 12. Woche legal, mit Beratung sogar bis zur 20. Woche. Doch die Realität sieht anders aus. Laut Chonthita Kraisrikul, Leiterin der Tamtang Foundation, berichten Betroffene von monatelangen Wartezeiten, verweigerten Eingriffen und moralischer Verurteilung durch medizinisches Personal. Einige Krankenhäuser lehnten Abbrüche grundsätzlich ab, andere versuchten, Frauen zur Fortsetzung der Schwangerschaft zu überreden.
„Manche mussten die Kosten selbst tragen, weil Klinikpersonal die Richtlinien falsch verstand“, so Kraisrikul. „Andere wurden beschämt, weil sie sich für einen Abbruch entschieden hatten.“
Die Aktivistinnen fordern nun klare Leitlinien für medizinisches Personal, ein landesweites Kontrollsystem und eine transparente Umsetzung der Richtlinie. Besonders bitter: Der Versuch, die Petition persönlich an Ministerin Trinuch Thienthong zu übergeben, scheiterte zunächst. Beamte verweigerten die Annahme – angeblich aus Unkenntnis. Erst nach Protesten erschienen Vertreter des Ministeriums und versprachen, die Angelegenheit zu prüfen.
Doch das Vertrauen ist erschüttert. „Ich habe nicht den Eindruck, dass das Ministerium wirklich interessiert ist“, sagte Supecha Baotip, Koordinatorin der Tamtang-Stiftung. Eine weitere Petition ist bereits geplant – diesmal direkt an den Sozialversicherungsausschuss und den medizinischen Gutachterausschuss.
Die Aktivistinnen geben nicht auf. Sie hoffen, dass Ministerin Trinuch Thienthong als Frau die Dringlichkeit erkennt: „Eine ungeplante Schwangerschaft kann Angst, Verzweiflung und existenzielle Not auslösen“, so Kraisrikul. „Und viele Betroffene sind berufstätig – sie fallen direkt in die Zuständigkeit des Ministeriums.“
Die Frage bleibt: Wann wird aus Versprechen endlich Realität?
STIN // AI