Die politische Temperatur in Thailand steigt – nicht nur an der Grenze zu Kambodscha, wo alte Konflikte wieder aufflammen, sondern auch im Inneren, wo eine neue Parlamentswahl gefährlich nahe rückt. Parteien versuchen fieberhaft, ihr angeschlagenes Image aufzupolieren und den Gegnern das Druckmittel zu entreißen.
Im Zentrum der Krise steht die populistische Pheu Thai Party, einstige Regierungspartei unter Paetongtarn Shinawatra, die 2023 wegen einer Ethikverletzung stürzte. Trotz der finanziellen Rückendeckung der Shinawatra-Familie wirkt die Partei heute entleert: ohne inspirierende Führung, ohne große politische Versprechen.
Die einstige Erfolgsformel – einfache, aber transformative Sozialprogramme wie die allgemeine Krankenversicherung – greift nicht mehr. Stattdessen stolperte Pheu Thai über fragwürdige Konjunkturpakete wie das „digitale Wallet“ oder den 20-Baht-Nahverkehr. Noch schwerer wiegt der sicherheitspolitische Fehltritt: Paetongtarns kompromittierender Draht zu Hun Sen, der ihre Amtszeit abrupt beendete.
Die Folgen sind sichtbar: zwei krachende Nachwahlniederlagen in Sisaket und Kanchanaburi, einst Hochburgen der Partei, nun erobert vom Rivalen Bhumjaithai, der sich mit harter Rhetorik und militärischer Sicherheitsagenda als neue Kraft inszeniert.
Währenddessen bleibt Pheu Thai gefangen zwischen zwei Fronten:
- Außenpolitisch: Der Grenzstreit mit Kambodscha zwingt Thailand zu höheren Verteidigungsausgaben, während die Vorwürfe gegen Thaksin Shinawatra das Image der Partei weiter beschädigen.
- Innenpolitisch: Die Partei ringt mit ihrer Identität – Reformversprechen wie die Stabilisierung des Gesundheitssystems wären dringend nötig, doch die kurze Lebensdauer ziviler Regierungen und die Dominanz der Shinawatra-Familie bremsen jede echte Erneuerung.
Die Konkurrenz nutzt die Lücke:
- Bhumjaithai punktet mit handlungsorientierter Besetzung von Schlüsselministerien.
- Die Volkspartei setzt auf den Kampf gegen „graues Geld“ und trifft damit den Nerv von Reformern und Nationalisten.
Pheu Thai dagegen wirkt wie „alter Wein in neuen Flaschen“. Der neue Parteichef Julapun Amornvivat, Architekt des gescheiterten Wallet-Programms, bleibt ein Shinawatra-Loyalist. Weitere mögliche Premierministerkandidaten stammen ebenfalls aus dem Familienkreis.
Die kommende Wahl wird damit zum Lackmustest: Hält die Loyalität zur Marke Shinawatra – oder kippt sie endgültig? Beobachter sind gespalten: Manche sehen in Thaksins Haftantritt ein Signal der Standhaftigkeit, andere in seinen milliardenschweren Rechtsstreitigkeiten nur Ablenkung.
Eines scheint klar: Pheu Thai steht vor einer Weggabelung – Stagnation oder Niedergang. Ein Wahlsieg unter den aktuellen Umständen wäre nichts anderes als Wunschdenken.