Thailand verschärft den Ton im Konflikt mit Kambodscha: Außenminister Sihasak Phuangketkeow kündigte an, erstmals eine Untersuchungskommission im Rahmen des Ottawa-Übereinkommens zum Verbot von Antipersonenminen einzusetzen. Der Schritt erfolgt nach einer Serie blutiger Zwischenfälle entlang der umstrittenen Grenze – mindestens sieben thailändische Soldaten verloren seit Juli durch Explosionen Gliedmaßen.
Vom 4. bis 6. Dezember will Sihasak in Genf offiziell den Antrag nach Artikel 8 des Vertrags stellen. Ziel ist eine neutrale, unabhängige Kommission, die klären soll, ob kambodschanische Truppen tatsächlich neue Minen verlegt haben. „Wenn Phnom Penh die Verantwortung verweigert, werden wir die internationale Gemeinschaft einschalten“, erklärte der Minister gegenüber Nikkei Asia.
Der jüngste Vorfall am 10. November in der Provinz Sisaket, bei dem ein Soldat seinen Knöchel verlor, brachte das Fass zum Überlaufen. Bangkok stoppte daraufhin die Rückführung kambodschanischer Gefangener und setzte das Waffenstillstandsabkommen vom Oktober aus. Washington reagierte prompt: Die USA legten Zollverhandlungen mit Thailand auf Eis.
Während Thailand auf neue Minen verweist und von klaren Beweisen spricht, beharrt Kambodscha auf einer anderen Version: Die Explosionen seien Folge alter Sprengsätze aus vergangenen Jahrzehnten. Außenminister Prak Sokhonn warf Bangkok vor, die Vorfälle zu politisieren und die Spannungen künstlich zu verschärfen.
Die Konferenz in Genf wird damit zum Prüfstein – nicht nur für die Glaubwürdigkeit beider Länder, sondern auch für die Integrität des Ottawa-Übereinkommens selbst. Sollte die Untersuchung Kambodscha belasten, stünde Phnom Penh international unter Druck. Sollte sich hingegen herausstellen, dass es sich um alte Minen handelt, müsste Thailand seine Anschuldigungen rechtfertigen.
Nach acht Explosionen in nur drei Monaten ist klar: Der Grenzkonflikt zwischen Thailand und Kambodscha hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Ob die internationale Untersuchung Frieden bringt oder die Fronten weiter verhärtet, entscheidet sich in Genf.
STIN // AI