Die Gewalt zwischen Thailand und Kambodscha hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Nach eigenen Angaben setzte das thailändische Militär am Montag erstmals Kampfflugzeuge gegen Ziele entlang der umstrittenen Grenze ein. Dabei kam mindestens ein thailändischer Soldat ums Leben, sieben weitere wurden verletzt.

Parallel läuft eine massive Evakuierungsaktion: Mehr als 385.000 Zivilisten sollen aus vier Grenzbezirken in Sicherheit gebracht werden. Über 35.000 Menschen fanden bereits Zuflucht in Notunterkünften. Die Kämpfe weiteten sich im Laufe des Tages stetig aus.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Thailand wirft Kambodscha vor, mit BM-21-Raketen zivile Gebiete beschossen zu haben. In der Provinz Ubon Ratchathani seien thailändische Truppen unter Feuer geraten. Kambodscha hingegen spricht von Angriffen des thailändischen Militärs im Morgengrauen und verweist auf „tagelange Provokationen“. Eigene Truppen hätten nicht zurückgeschossen, betont Phnom Penh.

Internationale Mahnungen

Der malaysische Ministerpräsident Anwar Ibrahim, derzeit Vorsitzender des ASEAN-Staatenbundes, appellierte eindringlich an beide Seiten, „maximale Zurückhaltung“ zu üben. Auch Hun Sen, langjähriger Ex-Premier Kambodschas, rief die eigenen Streitkräfte zur Besonnenheit auf – warnte jedoch zugleich, dass eine „rote Linie“ für eine Reaktion bereits überschritten sei.

Bröckelnde Waffenruhe

Die Fronten verhärten sich seit Wochen. Eine im Oktober vereinbarte Waffenruhe, vermittelt von US-Präsident Donald Trump und Anwar Ibrahim, wurde von Thailand Mitte November ausgesetzt – nachdem ein Soldat durch eine Landmine verletzt worden war. Schon im Juli hatte der Streit zu einem fünftägigen Grenzkrieg geführt, bei dem mindestens 48 Menschen starben und rund 300.000 vertrieben wurden.

Historischer Konflikt

Der Grenzstreit zieht sich seit über einem Jahrhundert. Die 817 Kilometer lange Linie wurde 1907 von Frankreich festgelegt, als Kambodscha Kolonie war. Immer wieder kam es zu Gefechten – zuletzt 2011 zu einem wochenlangen Artilleriebeschuss. Nun droht die fragile Region erneut in einen umfassenden Krieg zu stürzen.

 

STIN // AI

Von stin

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