Mit ernster Miene trat Natthaphong vor die Presse. Seit drei Tagen lodert der Konflikt zwischen Thailand und Kambodscha wieder auf – und die humanitäre Bilanz wächst im Schatten der Gefechte. Über 100.000 Menschen wurden bereits aus sechs Provinzen vertrieben. Schulen stehen leer, Krankenhäuser mussten schließen. Mindestens drei thailändische Soldaten kamen ums Leben. Ihren Familien sprach Natthaphong sein Beileid aus, den vielen Verwundeten sicherte er Unterstützung zu.

Er erinnerte an den hohen Blutzoll der ersten Kampfrunde im Juli, als 17 Zivilisten und 18 Soldaten starben – Verluste, die sich nach seiner Überzeugung nicht wiederholen dürfen. „Hunderttausende Menschen, darunter Kinder und ältere Menschen, dürfen nicht erneut zu Flüchtlingen im eigenen Land werden“, warnte er. Vieh, Felder, Häuser – ganze Existenzen gingen im Chaos der Evakuierungen verloren.

„Ein militärischer Sieg ist Illusion“

Natthaphong machte deutlich, dass ein ausschließlich militärischer Kurs Thailand nur tiefer in den Konflikt führen würde. Ein totaler Krieg zur Eroberung eines Nachbarstaates sei im 21. Jahrhundert weder realistisch noch legitimierbar. Er würde Thailand international als Aggressor stigmatisieren und unzählige Leben gefährden.

Stattdessen brauche es eine Lösung, die den Menschen entlang der Grenze ein Leben ohne Angst zurückgebe – und einen friedlichen Handel ermögliche.

Drei Wege zum Ausweg

Unterstützt von Generalmajor Nat Sri-in, dem stellvertretenden Kommandeur der Zweiten Armeeregion, legte Natthaphong einen dreigleisigen Ansatz vor:


1. Militärische Front – Zurückhaltung statt Eskalation

Militärische Gewalt dürfe nur als letztes Mittel dienen. Jeder Einsatz müsse strikt im Einklang mit Völkerrecht und internationalen Einsatzregeln stehen, um Thailand gegen Vorwürfe der Aggression zu schützen.

Kambodscha setze inzwischen schwere Waffen ein, doch Thailand müsse sich auf Selbstverteidigung und verhältnismäßige Reaktion beschränken. Deeskalation, begrenzte Operationen und präzise Einsatzregeln seien zwingend notwendig – flankiert von diplomatischem Druck.


2. Diplomatie- und Informationsfront – Die Rückkehr zum Verhandlungstisch

Mit scharfen Worten kritisierte Natthaphong Premierminister Anutin Charnvirakuls Haltung, weitere Friedensgespräche auszuschließen. Diese Verweigerung sei riskant: Ohne Dialog könnten internationale Beobachter Thailand schnell als Aggressor wahrnehmen – ein Vorteil für das Hun-Sen-Regime.

Ziel der militärischen Abwehr sei nicht Sieg, sondern die Erzwingung der Einhaltung der Kuala-Lumpur-Abkommen. Dafür müsse das ASEAN-Beobachterteam (AOT) endlich umfassend eingesetzt werden.

Zudem solle Thailand diplomatischen Druck über internationale Abkommen wie die Ottawa-Konvention verstärken.


3. Bekämpfung der Betrügernetzwerke – Das Herz des Konflikts

Am deutlichsten wurde Natthaphong, als er die Betrügernetzwerke ansprach, die nach seinen Worten „die wahre Ursache“ der aktuellen Krise sind.

Die jüngsten Zusammenstöße seien unmittelbar nach der Beschlagnahmung von Vermögenswerten jener Akteure erfolgt, die eng mit Hun Sen verbunden seien und ein milliardenschweres Betrugs- und Casinoimperium steuerten – darunter Ben Smith, Yim Leak, Kok An und Chen Zhi.

Natthaphong stellte die Frage, ob Hun Sen den Grenzkonflikt gezielt anheize, um von dem zunehmenden internationalen Druck abzulenken. Und ob Thailand, durch seine militärische Reaktion, unfreiwillig in diese Falle tappe.

Er forderte nicht nur internationale Kooperation zur Zerschlagung der Netzwerke, sondern auch entschlossenes Vorgehen gegen thailändische Beteiligte. Wenn Bangkok lediglich ausländische Vermögen einfriere, mache es sich international unglaubwürdig.

Die für 17. und 18. Dezember geplante Internationale Konferenz zur Bekämpfung von Betrügern müsse zu Thailands strategischem Hebel werden.


„Wir müssen das Übel an der Wurzel packen“

Natthaphong fasste zusammen, dass Thailands Zukunft in einer ausgewogenen Strategie liege: Diplomatie, gestützt von militärischem Druck – aber mit der klaren Priorität, die Betrügerstrukturen zu zerschlagen, die den Konflikt immer wieder anheizen.

Seine Worte klangen wie ein Appell, aber auch wie eine Warnung:

Schluss mit den Umwegen. Wir müssen den Kern treffen – die Betrügerbanden, die unsere Region destabilisieren. Diese Krise ist unsere Chance, die Eliten zu entmachten, die vom Leid unseres Volkes leben und Kriege als Deckmantel für ihre eigenen Verbrechen missbrauchen.

So schloss Natthaphong seine Pressekonferenz – mit einem Plan für den Frieden und der Mahnung, dass jeder weitere Tag Krieg ein Tag zu viel sei.

 

STIN // AI

Von stin

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest

1 Kommentar
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
{title}
WP Twitter Auto Publish Powered By : XYZScripts.com
1
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x