Bangkok. Eine politische Bombe ist heute im thailändischen Parlament explodiert, deren Detonation das fragile Bündnis zwischen dem amtierenden Premierminister Anutin Charnvirakul und seinem wichtigsten Koalitionspartner, der Volkspartei, in seinen Grundfesten erschüttert hat. Premierminister Anutin selbst sah sich genötigt, vor die Öffentlichkeit zu treten und eindringlich zu beteuern, er habe weder einen Verrat an der Volkspartei begangen noch das gemeinsame Memorandum of Agreement (MoA) gebrochen. Stattdessen präsentiere er sein Handeln als kühle, protokollgemäße Reaktion auf eine direkte Herausforderung durch den Vorsitzenden der Volkspartei, Natthaphong Ruengpanyawut.
Der Kern des Konflikts liegt in der Auflösung des Parlaments – eine Forderung, die Natthaphong Ruengpanyawut dem Premierminister im Parlament direkt in den Schoß legte. Anutins Reaktion war so scharf wie seine Begründung lapidar: „Er (Natthaphong) hat mir den Weg zum Premierministeramt geebnet, und nun erklärt er, er wolle mich nicht mehr unterstützen und fordert mich auf, das Parlament aufzulösen. Das habe ich gemäß den Gepflogenheiten und dem ordentlichen Verfahren getan“, erklärte der Premierminister. Eine Aussage, die nicht nur Gehorsam impliziert, sondern auch eine zynische Bestätigung der Machtdynamik.
Das MoA und die Schatten des Senats
Tatsächlich sieht das Koalitionsabkommen eine brisante Bestimmung vor: Eine der vier Hauptbedingungen des MoA schreibt dem Premierminister vor, das Parlament innerhalb von nur vier Monaten aufzulösen, um den Weg für vorgezogene Neuwahlen freizumachen. Mit der nun erfolgten Auflösung hat Anutin formal diese Bedingung erfüllt – doch die Motive und die Umstände sind weitaus komplexer.
Der wahre Streitpunkt liegt in den gescheiterten Versuchen zur Verfassungsänderung. Die Bhumjaithai-Partei, so Anutin, habe den Entwurf in der ersten und zweiten Lesung pflichtgemäß unterstützt. Doch beim entscheidenden dritten Votum kam es zum Eklat. Die Volkspartei drängte auf eine Streichung der Klausel, die für Verfassungsänderungen in der Schlusslesung eine Mindestzustimmung von der Hälfte der Stimmen aus Senat und Repräsentantenhaus verlangt, einschließlich mindestens einem Drittel der Senatsstimmen.
Anutin verteidigt das Verhalten seiner Partei mit dem Argument, sie sei nicht in der Lage gewesen, die Senatoren – die in dieser Angelegenheit eine entscheidende, unkontrollierbare Rolle spielen – unter den von der Volkspartei gewünschten Druck zu setzen, damit diese für den Entwurf stimmen.
Seine ultimative Verteidigungslinie: Das MoA schweige über die Pflicht, den Senat zu beeinflussen. Da das Abkommen keine Bestimmung über die Rolle des Senats bei Verfassungsänderungen enthalte, habe die Bhumjaithai-Partei die Vereinbarung nicht verletzt. Ein juristischer Kniff, der die politische Kluft jedoch kaum überdecken kann.
Die Auflösung des Parlaments ist damit nicht nur ein Akt der Einhaltung einer Koalitionsbedingung, sondern ein dramatischer Höhepunkt in einem tief verwurzelten Streit um Macht, Verfassungsreformen und die undurchsichtige Rolle des Senats. Die vorgezogenen Neuwahlen scheinen nun unvermeidlich, während die Frage, wer hier wen verraten hat, die politische Landschaft Thailands weiter polarisieren wird.
Redaktion STIN // CTN-Media
Ich glaube, da hat Natthapong einen großen Fehler gemacht.
Wenn die Mehrheit des Parlaments und Senats den Vorschlag der BJT annimmt, kann nicht
Natthapong mit Misstrauensantrag drohen – während des Grenzkonflikts und den Lesungen über die
Verfassung.
Interessant auch, dass viele Abgeordnete seiner eigenen Parteien Natthapong umstimmen wollten,
er hat aber nicht nachgegeben.
Das kann der Wähler sehr negativ bewerten – aber nur meine Vermutung, man wird es bald genau wissen.
Es spielt auch keine Rolle, ob Anutin nach 3 Monaten auflöst, oder nach 4 Monaten – Nächstes Monat wäre so oder
so die Auflösung erfolgt – so ist es aber besser.
Weil nun schafft es Thaksin nicht aus dem Knast raus – um noch vor der Wahl durch das Land zu tingeln, um nicht
erfüllbare Geschenke für den Wähler zu verteilen. 🙂