Bangkok/Grenzregion – Die Spannungen an der thailändisch-kambodschanischen Grenze haben heute Abend einen kritischen Höhepunkt erreicht. Thailands Premierminister Anutin Charnvirakul hat in einer knappen, aber aufrüttelnden Online-Stellungnahme einem vorgeschlagenen Waffenstillstand eine klare Absage erteilt. Die dramatische Erklärung zementiert die Position Bangkoks in einem Konflikt, der zunehmend zur Gefahr für die regionale Stabilität wird.
Der Vorschlag für eine Feuerpause ab 22:00 Uhr heute Abend war überraschend vom malaysischen Premierminister Anwar Ibrahim ins Spiel gebracht worden, der derzeit den Vorsitz der ASEAN-Staatengemeinschaft innehat. Doch Premierminister Anutin ließ keinen Zweifel an Thailands Souveränität in dieser Frage aufkommen: Ein Waffenstillstand sei nicht über den „Führer eines Drittlandes“ zu verhandeln.
„Das ist nicht möglich. Niemand kann uns vorschreiben, dass heute Abend um 22 Uhr ein Waffenstillstand gelten muss“, erklärte Anutin mit Nachdruck.
Klare Forderung an Phnom Penh
Der thailändische Regierungschef betonte, dass jeder potenzielle Waffenstillstand direkt von Kambodscha an Thailand herangetragen werden müsse. Er stellte unmissverständlich klar, dass Thailand das verteidigende Land sei, dessen nationale Souveränität bedroht werde, da es von Kambodscha angegriffen werde.
Anutin enthüllte zudem, dass die kambodschanischen Streitkräfte bereits heute Morgen das Feuer auf zivile Ziele eröffnet hätten. Sollte Kambodscha es mit einer Deeskalation ernst meinen, so seine Forderung, müssten sie eine unumstößliche Geste machen: Der Abzug aller schweren Waffen von der gemeinsamen Grenze.
Sorge um zivile Geiseln
Die jüngste Entwicklung wirft auch ein Schlaglicht auf die prekäre Lage thailändischer Zivilisten. Anutin äußerte scharfe Besorgnis über die Thailänder in der kambodschanischen Grenzstadt Poipet, denen kambodschanische Beamte Berichten zufolge die Rückkehr in ihre Heimat verweigern.
Der Premierminister appellierte eindringlich an Phnom Penh: Er hoffe, Kambodscha werde diese unschuldigen Menschen nicht als Geiseln nehmen, da sie in keiner Weise mit dem aktuellen bewaffneten Konflikt in Verbindung stünden.
Angesichts der Verwirrung und widersprüchlicher Berichte in den sozialen Medien erging Anutins klare Anweisung an die Öffentlichkeit und die Medien: Man solle sich ausschließlich auf die offiziellen Informationen verlassen, die zweimal täglich vom thailändischen Militär übermittelt werden. Die Region hält nun den Atem an, während Bangkoks ablehnende Haltung eine diplomatische Lösung auf absehbare Zeit auszuschließen scheint.
STIN // AI