TRAT / PURSAT – Die thailändische Luftwaffe hat ihre Angriffe auf kambodschanisches Grenzgebiet massiv intensiviert. Im Rahmen der großangelegten Operation „Trat triumphiert über die Gegner“ nahmen F-16-Kampfjets am Samstag strategische Ziele unter Beschuss. Während Thailand von der Zerstörung militärischer Festungen spricht, klagt Kambodscha über Angriffe auf zivile Infrastruktur.

In den frühen Morgenstunden durchbrach das Brüllen von Triebwerken die Stille über der Provinz Trat. Zwei thailändische F-16-Kampfjets starteten zu einer hochriskanten, 20-minütigen Mission. Ihr Ziel: Ein Gebäudekomplex in Thmor Da, in der kambodschanischen Provinz Pursat. Sechs Bomben schlugen in das Zielobjekt ein, das laut thailändischen Geheimdienstberichten als militärischer Außenposten fungierte.

„Casinos als Festungen“: Die Taktik hinter den Luftangriffen

Die Königlich Thailändische Luftwaffe (RTAF) bezeichnete den Einsatz als vollen Erfolg. Nach Erkenntnissen der „Trat Marine Task Force“ hatte die kambodschanische Armee ehemalige Casinogebäude in schwer befestigte Kommandozentralen umgewandelt. Von dort aus sollen nicht nur Truppenbewegungen koordiniert, sondern auch schwere Waffen wie BM-21-Raketenwerfer und Drohnensysteme gegen thailändisches Territorium eingesetzt worden sein.

Die thailändischen Sicherheitsbehörden enthüllten am Freitag Details zu ihrem taktischen Vorgehen: Da die massiven Casinobauten durch reine Luftschläge kaum zu bezwingen waren, kombinierten die Streitkräfte Artilleriefeuer mit Luftangriffen.

  • Phase 1: Artilleriegeschütze durchbrachen die verstärkten Seitenwände der Gebäude.

  • Phase 2: F-16-Jets attackierten die Dächer und warfen Bomben mit Zeitzündern ab, um das Innere der Komplexe zu vernichten.

Das Ergebnis: Die Fassaden der Gebäude blieben oft stehen, während das militärische Innenleben – Logistikzentren und Waffenlager – vollständig pulverisiert wurde.

Widersprüchliche Berichte und humanitäre Sorgen

Während Bangkok die Notwendigkeit der „Abwehr einer Bedrohung“ betont, zeichnen kambodschanische Medien ein anderes Bild. Sie berichten, dass die thailändischen Angriffe auch private Geschäftsgebäude und eine Grundschule in Thmor Da getroffen hätten. Über die Zahl der Opfer schweigen bisher beide Seiten beharrlich. Das kambodschanische Innenministerium gab lediglich bekannt, dass in dieser Woche mindestens vier Casinos schwer beschädigt wurden.

Trotz der massiven Bombardierungen beruhigt sich die Lage am Boden nicht. Auch nach dem Abzug der Jets wurden aus der Grenzregion weiterhin Gefechte und Mörserbeschuss gemeldet.

Ein jahrzehntealter Konflikt flammt auf

Der aktuelle Gewaltausbruch ist Teil eines tief verwurzelten Territorialstreits. Die Wurzeln liegen in der kolonialen Grenzziehung der 800 Kilometer langen Trennlinie zwischen beiden Königreichen. Besonders der Streit um antike Tempelruinen dient immer wieder als Zündstoff für militärische Konfrontationen.

Beide Nationen bezichtigen sich gegenseitig der Aggression und der Verletzung der Souveränität. Die thailändischen Streitkräfte rechtfertigen ihr jetziges Eingreifen damit, dass kambodschanische Bauten die Grenze überschritten hätten. Eine Deeskalation scheint derzeit nicht in Sicht: Die thailändische Seite kündigte bereits an, die Überwachung lückenlos fortzusetzen und bei weiteren Provokationen sofort erneut einzugreifen.

 

STIN // AI

Von stin

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