Die Angst vor Menschenhandel und Online-Betrug wiegt schwerer als das Geschäft: Nach einer beispiellosen Welle der Kritik im Netz zieht die Trip.com Group die Reißleine und setzt ihre Kooperation mit Kambodschas Tourismusbehörde aus, noch bevor sie richtig begonnen hat.
In der chinesischen Reisewelt herrscht Alarmstimmung. Was eigentlich eine lukrative Partnerschaft zur Ankurbelung des Tourismus werden sollte, entwickelte sich für den Branchenprimus Trip.com (Betreiber von Ctrip und Qunar) binnen weniger Tage zum PR-Desaster. Am Donnerstag gab das Unternehmen offiziell bekannt, dass die für 2025 geplante Zusammenarbeit mit dem kambodschanischen Tourismusministerium vorerst auf Eis liegt.
Sicherheit geht vor: Botschaft warnt vor „Fallen“
Der Grund für den drastischen Schritt ist die tiefsitzende Verunsicherung der chinesischen Öffentlichkeit. Während Kambodscha verzweifelt um Urlauber wirbt, zeichnet die Realität vor Ort ein düsteres Bild. Allein seit Anfang Dezember hat die chinesische Botschaft in Kambodscha fünf offizielle Warnungen herausgegeben. Dabei geht es nicht nur um die aufflammenden Grenzkonflikte mit Thailand, sondern vor allem um ein Phänomen, das in China für Entsetzen sorgt: Cyber-Sklaverei.
In den letzten Jahren wurden zahlreiche chinesische Staatsbürger mit falschen Jobversprechen nach Südostasien gelockt, dort von kriminellen Syndikaten festgehalten und gezwungen, in sogenannten „Betrugsfabriken“ Online-Betrug zu begehen. Die Botschaft meldete jüngst die Befreiung von 46 Landsleuten aus solchen Netzwerken – ein Erfolg, der die Gefahr jedoch erst recht ins Rampenlicht rückte.
Boykott-Drohungen und Angst um persönliche Daten
In den sozialen Medien schlug Trip.com eine Welle des Misstrauens entgegen. Nutzer drohten massenhaft mit der Deinstallation der App. Die Sorge: Könnte die Kooperation dazu führen, dass Nutzerdaten direkt in die Hände dubioser Akteure gelangen?
Trip.com bemühte sich am Donnerstag sichtlich um Schadensbegrenzung:
„Die Vereinbarung beinhaltet keinerlei Datenkooperation und führt unter keinen Umständen zur Offenlegung von Nutzerdaten“, betonte der Konzern.
Um das Vertrauen zurückzugewinnen, verwies das Unternehmen auf erfolgreich abgeschlossene Sicherheitsprüfungen durch die Behörden. Doch der Schaden war bereits angerichtet: Das Image Kambodschas ist bei der chinesischen Mittelschicht derzeit massiv beschädigt.
Kambodschas Tourismus-Offensive gerät ins Wanken
Für Kambodscha ist die Nachricht ein schwerer Schlag. Das Land setzt alles auf die Karte China:
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Visumfreie Einreise: Ein Testlauf für chinesische Staatsbürger ist für Sommer 2026 geplant.
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Wichtigster Markt: Von den 4,8 Millionen Besuchern im Jahr 2025 stellte China mit einer Million Gästen den größten Anteil (über 20 %).
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Beschwichtigung: Das Tourismusministerium betont, dass Hauptattraktionen wie Siem Reap und Phnom Penh „völlig sicher und ohne Unterbrechung“ bereisbar seien.
Doch solange die Bilder von befreiten Opfern aus Betrugszentren die Schlagzeilen in China dominieren, dürfte es selbst für einen Giganten wie Trip.com schwer werden, Kambodscha als unbeschwertes Urlaubsparadies zu verkaufen. Die geplante Offensive von September 2025 bis März 2026 findet nun offiziell nicht statt – die „Partnerschaft, die nie zustande kam“.
Redaktion STIN // CTN-Media