Während die geopolitischen Spannungen zwischen Washington und Peking einen neuen Siedepunkt erreichen, wächst in Thailand die Sorge. Hochkarätige Experten warnen: Die kommende Regierung steht vor einem Scherbenhaufen der Weltordnung. Zwischen der aggressiven US-Außenpolitik und Chinas militärischer Aufrüstung droht das Land zerrieben zu werden, wenn nicht sofort umgesteuert wird.

BANGKOK – Die Warnung könnte deutlicher kaum sein: Thailand steuert auf eine Ära der extremen Instabilität zu. Kobsak Pootrakool, ehemaliger Minister im Büro des Premierministers und heutiger Chefökonom der Bangkok Bank, zeichnet ein düsteres Bild der kommenden Jahre. In einer Facebook-Live-Session analysierte er eine Welt, in der „das Recht des Stärkeren“ wieder einkehrt und konventionelle Diplomatie versagt.

Die Trump-Doktrin und die Taiwan-Frage

Laut Kobsak agiert das Weiße Haus unter der Trump-Administration mit einer „gefährlich aggressiven“ Unberechenbarkeit. Ob die Interventionen in Venezuela oder die strategischen Begehrlichkeiten gegenüber Grönland – Washington signalisiere weltweit eine neue Ära der Interventionen. Doch der wahre Sturm braue sich in Asien zusammen.

Das Jahr 2027 markiert laut Analysten den kritischen Wendepunkt. Es ist das Jahr, in dem eine militärische Konfrontation zwischen den USA und China um Taiwan immer wahrscheinlicher wird. Experten für Verteidigungspolitik beobachten schon lange, wie Peking seine strategischen Hausaufgaben macht: China hat seine Bestände an US-Staatsanleihen massiv von 3 Billionen auf nur noch 680 Milliarden US-Dollar abgeschmolzen – ein klarer Schutzwall gegen drohende Sanktionen und Vermögensbeschlagnahmungen im Falle eines Krieges.

„Alles ist erlaubt“: Militarisierung bis 2028

Bis zum Ende von Trumps Amtszeit im Jahr 2028 werde die Welt eine Phase extremer Unsicherheit erleben. Kobsak warnt, dass 2026 das Jahr der Eskalation sein könnte: Eine Rückkehr drakonischer US-Zölle gepaart mit verstärkten militärischen Auseinandersetzungen. China hat bereits reagiert und seine Militärübungen, selbst während der Neujahrsfeiertage, massiv ausgeweitet. „Wir treten in eine Ära ein, in der alles erlaubt ist“, so Kobsak. Sogar ein direkter Angriff auf Taiwan sei kein Tabu mehr.

Der Öl-Faktor: Venezuelas Comeback unter US-Regie

Interessanterweise könnte die US-Intervention in Venezuela paradoxe wirtschaftliche Folgen haben. Quellen aus dem Finanzministerium zufolge dürfte der verstärkte Zugriff der USA auf die venezolanischen Ölreserven – die größten der Welt – die globale Produktion langfristig ankurbeln.

Obwohl der Markt kurzfristig durch ein Überangebot gesättigt ist, wird erwartet, dass US-Konzerne nach Entschädigungen für enteignete Vermögenswerte und neuen Investitionen die Produktion in Venezuela massiv hochfahren. Dies könnte die Ölpreise in den nächsten zwei Jahren drücken, was zwar die Inflation dämpft, aber die geopolitische Landkarte weiter destabilisiert, da Venezuela bisher vor allem China und Indien belieferte.

Thailands Überlebensstrategie: Experten statt Almosen

Für Thailand sind dies existenzielle Bedrohungen. Als vergleichsweise kleine Volkswirtschaft kann sich das Land den Schocks der globalen Märkte nicht entziehen. Kobsaks Appell an die Politik ist daher radikal:

  • Weg von Populismus: Politische Parteien müssten aufhören, Wähler mit „Geldgeschenken“ zu locken.

  • Strategische Planung: Die kommende Regierung benötigt Fachleute mit nachgewiesener Expertise in Geopolitik und Wirtschaft.

  • Notfallpläne: Thailand müsse sich auf eine polarisierte Weltordnung vorbereiten und realistische Risikobewertungen vornehmen.

„Die nächste Regierung wird mit multiplen Krisen konfrontiert sein: militärische Konflikte, volatile Energiemärkte und wirtschaftliche Verwerfungen durch den US-China-Wettbewerb“, resümiert Kobsak. Ohne eine hochprofessionelle Führung und koordinierte Notfallstrategien bleibe Thailand ein Spielball der Mächte. Die Zeit der diplomatischen Bequemlichkeit ist endgültig vorbei.

 

Von stin

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