BURI RAM – Es war ein Auftritt mit Symbolkraft: Mitten in der politischen Festung der Bhumjaithai-Partei, auf dem geschäftigen Frischmarkt von Nang Rong, markierte Thanathorn Juangroongruangkit eine klare Trennlinie im thailändischen Machtkampf. Der Vorsitzende der Progressiven Bewegung und prominente Wahlkampfhelfer der Volkspartei (PP) räumte am Mittwoch mit einem Gerücht auf, das die politische Gerüchteküche Thailands seit Tagen in Atem hielt.

„Hören Sie gut zu“: Keine Stimme für Anutin

Inmitten von jubelnden Anhängern und Blitzlichtgewitter stellte Thanathorn unmissverständlich klar: Es wird keine Wiederholung der Geschichte geben. Die Volkspartei wird nach den Parlamentswahlen am 8. Februar unter keinen Umständen für eine erneute Amtszeit von Anutin Charnvirakul als Premierminister stimmen.

„Glauben Sie den Falschmeldungen nicht“, rief Thanathorn der Menge zu. „Eine Stimme für die Volkspartei ist eine Stimme für Natthaphong Ruengpanyawut. Er ist unser Kandidat für das Amt des Premierministers.“

Die Brisanz dieser Aussage liegt in der jüngsten Vergangenheit: Erst am 5. September letzten Jahres hatte das Parlament – inklusive der Stimmen der PP – Anutin zum 32. Premierminister gewählt, nachdem Paetongtarn Shinawatra durch das Verfassungsgericht ihres Amtes enthoben worden war. Ein Schritt, den viele als pragmatisches Zugeständnis an die Realpolitik sahen, der aber an der Basis der Reformer für tiefe Skepsis gesorgt hatte.

Eine Wahl gegen die Bitterkeit

Begleitet von Khampong Thepakham und Thaweesak Thaksin – Schwergewichten der im August 2024 aufgelösten Move Forward Party (MFP) – schlug Thanathorn emotionale Töne an. Er sprach die „bittere Enttäuschung“ an, die viele Wähler verspürten, als Pita Limjaroenrat trotz eines Wahlsiegs der Weg an die Spitze versperrt blieb.

„Dies ist die erste Wahl seit 15 Jahren, bei der die Stimmen des Volkes tatsächlich entscheiden können, wer das Land führt – wie zuletzt im Jahr 2011“, betonte er. Er erinnerte daran, dass die MFP einst als bedeutungslose „Alternative“ verspottet wurde, bevor sie 2023 zur stärksten Kraft aufstieg. Nun müsse die PP diesen Weg zu Ende gehen.

Mediale Verwirrung und strategische Klarheit

Hinter den Kulissen tobt derweil eine Schlacht um die Deutungshoheit. Auf Facebook sah sich Thanathorn gezwungen, Berichte zu korrigieren, wonach er Koalitionen mit Pheu Thai oder Bhumjaithai kategorisch ausgeschlossen habe. Seine Klarstellung war präzise: Während er als Wahlkampfhelfer für maximale Sitze und einen Ministerpräsidenten Natthaphong kämpft, liegt die endgültige Entscheidung über Koalitionen beim Parteivorstand. Er forderte die Medien mit Nachdruck auf, ungenaue Berichte umgehend richtigzustellen.

Die Zerreißprobe: Ideale vs. Macht

Der streitbare Ex-Politiker Chuvit Kamolvisit goss unterdessen Öl ins Feuer. Er warnte die Öffentlichkeit, dass die Volkspartei vor einer existentiellen Zerreißprobe stehe: Entweder sie opfere ihre Ideale, um sich dem „alten System“ anzupassen und mitzuregieren, oder sie bleibe ihren Prinzipien treu – und riskiere den Verbleib in der Opposition.

In Buri Ram, dem Herzland von Anutins Machtbereich, schien die PP diesen Kampf am Mittwoch bereits angenommen zu haben. Ob der Zuspruch auf dem Markt von Nang Rong ausreicht, um die politische Landkarte Thailands im Februar endgültig neu zu zeichnen, bleibt die spannendste Frage des kommenden Urnengangs.

 

STIN // AI

Von stin

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