Ein Skandal um durchgesickerte Chat-Protokolle erschüttert die thailändische Medienlandschaft. Während das Land auf die Wahlen am 8. Februar zusteuert, steht der Vorwurf im Raum, eine politische Partei habe sich Berichterstattung ohne offizielle Belege erkauft – ein klarer Verstoß gegen das Wahlrecht.
In den Tiefen des Messenger-Dienstes „Line“ verbargen sich offenbar brisante Abmachungen, die nun das Fundament der thailändischen Demokratie ins Wanken bringen. Die Wahlkommission (EC) hat offizielle Ermittlungen eingeleitet, nachdem Screenshots einer parteinahen Chatgruppe den Verdacht auf illegale Wahlkampffinanzierung erhärteten.
„Keine Quittung“: Die Preisliste der Manipulation
Den Stein ins Rollen brachte die bekannte Sozialkritikerin Sarinee Achavanuntakul. Sie veröffentlichte am 8. Januar einen Screenshot, der wie eine Speisekarte für politische PR anmutet:
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Einzelpreis: 2.000 Baht pro Nachrichtenbeitrag.
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Mengenrabatt: 30 Beiträge im Monat für 55.000 statt 60.000 Baht.
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Besonderes Extra: Die ausdrückliche Zusicherung, dass „keine Quittung“ ausgestellt werde.
Insgesamt 19 Medienunternehmen wurden in der Liste aufgeführt, die angeblich bereitstünden, redaktionelle Inhalte gegen Pauschalgebühren zu verkaufen. „Das ist heute in den thailändischen Medien leider ‚normal‘ geworden“, kommentierte Sarinee trocken und warnte vor dem totalen Kollaps der ethischen Grenze zwischen Journalismus und Kommerz.
Wahlkommission droht mit harten Konsequenzen
Sawaeng Boonmee, Generalsekretär der Wahlkommission, fand deutliche Worte. Das thailändische Gesetz verpflichtet Parteien und Kandidaten dazu, jeden Cent ihrer Wahlkampfausgaben lückenlos und rechtmäßig zu belegen.
„Wenn Ausgaben nicht gemeldet werden, gilt dies als Falschangabe. Die Folge kann der Entzug des Wahlrechts sein“, warnte Boonmee. Er betonte, dass die Nutzung von Medienfläche ohne entsprechende Belege schlichtweg illegal sei. Die Kommission prüfe nun die Faktenlage mit Hochdruck, bevor formale Konsequenzen gezogen werden.
Ein Journalist im Kreuzfeuer
Besonders brisant: Der Nationale Presserat bestätigte, dass die Spur zu einem politischen Journalisten einer seiner Mitgliedsorganisationen führt. Sein Arbeitgeber, die renommierte Manager Group, hat bereits eine interne Untersuchung eingeleitet. Der betroffene Reporter behauptet indes, es handele sich um ein Missverständnis – die Nachrichten seien privater Natur gewesen und versehentlich in der falschen Gruppe gelandet.
Während viele der genannten Medienhäuser jegliche Verwicklungen empört von sich weisen, steht das Vertrauen in die Unabhängigkeit der Presse auf dem Prüfstand. Der Presserat gab an, er gehe davon aus, dass die betroffenen Medienhäuser als Institutionen keine Kenntnis von den Machenschaften Einzelner hatten. Dennoch wurde der Arbeitgeber des Reporters angewiesen, innerhalb von 30 Tagen einen Bericht vorzulegen.
In einem Wahlkampf, in dem jedes Wort zählt, könnte dieser Skandal um „Schatten-PR“ nicht nur für die beteiligten Journalisten, sondern auch für die hinter den Kulissen agierende Partei das vorzeitige politische Aus bedeuten.
STIN // AI