NAKHON RATCHASIMA – Ein katastrophaler Baunfalle an der thailändischen Hochgeschwindigkeitsstrecke hat 22 Menschenleben gefordert. Während die Rettungsarbeiten noch laufen, schlägt Premierminister Anutin Charnvirakul einen harten Ton an: Er fordert drakonische Strafen, Blacklists für Bauunternehmen und warnt die Opposition davor, das Leid der Opfer drei Wochen vor den Wahlen politisch auszuschlachten.

Das Prestigeprojekt der thailändisch-chinesischen Bahntrasse ist erneut zum Schauplatz einer Tragödie geworden. In der Provinz Nakhon Ratchasima stürzte am heutigen Tag ein gewaltiger Baukran in die Tiefe und riss 22 Arbeiter in den Tod. Es ist das schwerste Unglück in der Geschichte des Projekts und versetzt das Land kurz vor dem Urnengang in Schockstarre.

„Jemand muss bestraft werden“

Premierminister Anutin Charnvirakul ließ bei seinem Statement keinen Zweifel daran, dass die Regierung nach Sündenböcken sucht. „Wenn solche Vorfälle passieren, muss das Konsequenzen haben. Jemand muss bestraft werden, weil er das Projekt nicht ordnungsgemäß überwacht hat“, erklärte ein sichtlich konsternierter Regierungschef. Er ordnete eine lückenlose Aufklärung an: Sollte den Auftragnehmern Fahrlässigkeit nachgewiesen werden, drohen ihnen die „vollen Konsequenzen“.

Besonders brisant: Es ist nicht das erste Mal, dass auf dieser Strecke Blut vergossen wurde. Anutin erinnerte an das Tunnel-Drama von 2024, als in derselben Provinz drei Menschen – darunter ein chinesischer Ingenieur – nach einem Einsturz lebendig begraben wurden. Dass es nun erneut zu einem tödlichen Versagen kam, wirft massive Fragen zur Sicherheit und Bauaufsicht auf.

Ermittlungen im Schatten der „Schwarzen Liste“

Erste Erkenntnisse deuten darauf hin, dass die Konstruktion massiv von den genehmigten Plänen abwich. „Solche Vorfälle ereignen sich, wenn die erforderlichen Schritte nicht unternommen oder Prozesse ignoriert werden“, so Anutin. Der Premier fordert einen sofortigen Baustopp. Der betroffene Bauunternehmer müsse nun nicht nur Berichte liefern, sondern einen umfassenden Entschädigungsplan vorlegen.

Die Daumenschrauben werden angezogen: Das Verkehrsministerium und die Rechnungsprüfungsbehörde prüfen bereits rechtliche Schritte. Im Raum steht die Aufnahme der verantwortlichen Firmen auf eine „Schwarze Liste“, was das Aus für künftige Staatsaufträge bedeuten würde. Auch die staatliche Eisenbahngesellschaft SRT gerät unter Beschuss; Verkehrsminister Phiphat Ratchakitprakarn wurde persönlich an die Front beordert, um das Krisenmanagement zu übernehmen.

Kein Platz für Wahlkampfmanöver

Die Tragödie trifft Thailand in einer politisch hochexplosiven Phase – in gut drei Wochen wählt das Land ein neues Parlament. Anutin warnte die politische Konkurrenz davor, die Leichen von Nakhon Ratchasima für den Wahlkampf zu instrumentalisieren.

„Ich kann Politiker nicht daran hindern, darüber zu diskutieren, aber dies ist eine technische und keine politische Frage“, betonte er. Es sei beschämend, wenn die Katastrophe als politisches Instrument missbraucht werde, während die Familien noch um ihre Angehörigen trauern. Der Fokus müsse nun einzig auf der Hilfe für die Opfer und der Sicherung der Baustelle liegen.

 

Von stin

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