Ein verheerendes Unglück an der prestigeträchtigen Hochgeschwindigkeitstrasse überschattet die thailändisch-chinesischen Beziehungen. Doch während Botschafter Zhang Jianwei mit Millionen-Zahlungen die Wunden heilt, treibt Premierminister Anutin Charnvirakul bereits die nächste wirtschaftliche Großoffensive voran.
BANGKOK – Es war ein Treffen von hoher symbolischer Tragweite, das sich am Donnerstag im thailändischen Regierungsgebäude abspielte. In einer Geste, die weit über rein finanzielle Unterstützung hinausgeht, übergab der chinesische Botschafter Zhang Jianwei eine Summe von 20 Millionen Yuan (rund 2,8 Millionen US-Dollar) an die thailändische Regierung.
Die Hälfte der Summe floss als Soforthilfe in bar, die andere Hälfte in Form von Hilfsgütern. Es ist Pekings Antwort auf die jüngste Katastrophe in Nakhon Ratchasima, bei der ein Baukran der thailändisch-chinesischen Hochgeschwindigkeitsstrecke auf einen Personenzug stürzte – ein Vorfall, der das Vertrauen in das milliardenschwere Infrastrukturprojekt kurzzeitig erschütterte.
„Brüderliche Verbundenheit“ trotz Katastrophe
Premierminister und Innenminister Anutin Charnvirakul nahm die Gelder mit einer Rhetorik entgegen, die die tiefe Verwurzelung beider Nationen betonte. Er sprach von einer „brüderlichen Verbundenheit“, die auch durch schwere Krisen nicht ins Wanken gerate. Botschafter Zhang unterstrich dies mit einer klaren Ansage an die beteiligten Unternehmen: Peking habe die chinesischen Firmen angewiesen, „uneingeschränkt und transparent“ mit den thailändischen Ermittlungsbehörden zu kooperieren. Die Sicherheit, so Zhang, bleibe die „unabdingbare Priorität“ für das Flaggschiff-Projekt der strategischen Partnerschaft.
Druck auf dem Reismarkt: 500.000 Tonnen im Fokus
Doch das Treffen diente nicht nur der Trauerarbeit. Anutin nutzte die Gunst der Stunde, um den wirtschaftlichen Druck zu erhöhen. Mit Verweis auf direkte Vorgespräche mit Präsident Xi Jinping drängte der Premierminister darauf, den Kauf von 500.000 Tonnen thailändischem Reis massiv zu beschleunigen.
Für Thailands Agrarsektor ist dieses Geschäft von existenzieller Bedeutung. Die Antwort aus Peking fiel vielversprechend aus: Zhang signalisierte, dass China bereit sei, die Importziele noch innerhalb dieses Kalenderjahres zu realisieren. Auch der Tourismus, Thailands wichtigster Wirtschaftsmotor, stand auf der Agenda. Beide Seiten vereinbarten, die Hürden für chinesische Reisende weiter zu senken, um die Besucherzahlen wieder auf Vor-Krisen-Niveau zu heben.
Gemeinsamer Feldzug gegen die Mafia
Ein überraschend deutliches Lob fand der Botschafter zum Abschluss für Thailands Vorgehen gegen die organisierte Kriminalität. China würdigte die „konkreten und ernsthaften“ Anstrengungen bei der Zerschlagung von transnationalen Callcenter-Syndikaten und Betrügerbanden.
Diese kriminellen Netzwerke, die oft grenzüberschreitend operieren, haben auf beiden Seiten erheblichen finanziellen Schaden angerichtet. Die Zusage steht: Bangkok und Peking wollen den Informationsaustausch und die Kooperation der Strafverfolgungsbehörde