BANGKOK – Es war ein Bild, das um die Welt ging: Begleitet von seinem Anwalt Winyat Chatmontree schritt Thaksin Shinawatra am 9. September letzten Jahres durch die Pforten des Obersten Gerichtshofs in Bangkok. Das Urteil war unmissverständlich: Haftantritt zur Verbüßung einer einjährigen Strafe. Doch während der 76-jährige Ex-Premierminister offiziell hinter Gittern sitzt, deutet nun alles darauf hin, dass seine Zeit im staatlichen Gewahrsam schon bald ein Ende finden könnte.
Das Mai-Szenario: Freiheit nach acht Monaten
Wie Insider aus dem thailändischen Department of Corrections berichten, wird Thaksin voraussichtlich bereits im Mai dieses Jahres auf Bewährung entlassen. Die rechtliche Grundlage hierfür bietet die turnusmäßige Insassenklassifizierung, die in Thailand viermal jährlich durchgeführt wird.
Dabei werden Häftlinge nach strengen Kriterien bewertet:
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Führung im Vollzug: Wie hat sich der Insasse verhalten?
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Soziales Engagement: Teilnahme an gemeinnützigen Aktivitäten.
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Strafmaß-Relation: In Thaksins Fall – einer einjährigen Haftstrafe – sieht das Gesetz vor, dass eine Bewährung nach der Verbüßung von zwei Dritteln der Zeit, also genau acht Monaten, möglich ist.
Laut der Quelle erfüllt der ehemalige Regierungschef alle notwendigen Bedingungen für diese „allgemeine Bewährung“.
Ein umstrittener Aufenthalt
Thaksins Weg zurück in die Freiheit ist jedoch von Kontroversen begleitet. Seit seiner Rückkehr aus dem 15-jährigen Exil am 22. August 2023 glich seine Inhaftierung eher einem medizinischen Ausnahmezustand. Ursprünglich zu acht Jahren Haft wegen Amtsmissbrauchs und Interessenkonflikten verurteilt – eine Strafe, die durch königliche Milde auf ein Jahr reduziert wurde – verbrachte Thaksin kaum Zeit in einer Zelle.
Bereits 13 Stunden nach seiner Einlieferung in das Bangkok Remand Prison wurde er aufgrund gesundheitlicher Probleme in das Polizei-Generalkrankenhaus verlegt. Dort verweilte er bis weit in das Jahr 2024 hinein. Pikant dabei: Der Oberste Gerichtshof weigerte sich ausdrücklich, diesen langen Krankenhausaufenthalt als regulär verbüßte Gefängnisstrafe anzuerkennen. Dennoch läuft die Uhr für seine Bewährung offiziell seit seinem Haftantritt im September weiter.
Politische Signalwirkung
Die Rückkehr und die nun bevorstehende Entlassung des Milliardärs markieren einen Wendepunkt in der thailändischen Politik. Während seine Anhänger die baldige Freiheit feiern, kritisieren Gegner eine bevorzugte Behandlung des einflussreichen Politikers. Eines ist sicher: Wenn Thaksin im Mai das Gefängnis (oder das Krankenhaus) verlässt, wird dies die politische Landschaft Bangkoks erneut erschüttern.
STIN // AI