BANGKOK – Die Geduld der thailändischen Regierung ist am Ende. Nach einer verheerenden Serie von Baustellenunfällen mit über 30 Todesopfern greift Premierminister Anutin Charnvirakul hart durch: Er ordnete die sofortige Kündigung zweier Großaufträge mit dem Branchenriesen Italian-Thai Development Plc (ITD) an. Ein Beben, das die thailändische Baubranche in ihren Grundfesten erschüttert.
Es war ein Auftritt mit Symbolkraft, als der Premier im Regierungssitz vor die Presse trat. Seine Botschaft war unmissverständlich: Sicherheit ist in Thailand nicht länger verhandelbar. Charnvirakul, der zugleich die Bhumjaithai-Partei führt, reagierte damit auf ein „alarmierendes Muster“ von Fahrlässigkeit, das die Nation in den letzten Wochen in Atem hielt.
Blutige Bilanz: Wenn Kräne zum Todesurteil werden
Auslöser für das radikale Vorgehen waren Katastrophen, die an Horrorfilme erinnern. Besonders schwer wog das Unglück in Sikhio, als ein tonnenschwerer Baukran auf einen fahrenden Zug stürzte. Die Bilanz: 32 Tote und 64 Verletzte. Nur wenig später folgte ein weiterer tödlicher Zwischenfall in Samut Sakhon.
„Der Staat hat die heilige Pflicht, für die Sicherheit seiner Bürger zu sorgen“, betonte Charnvirakul. Es gehe nicht mehr nur um Entschädigungen, sondern um eine fundamentale Neuausrichtung der Sicherheitsstandards. Das Verkehrsministerium wurde angewiesen, die Verträge mit ITD nicht nur zu zerreißen, sondern gleichzeitig strafrechtliche Schritte gegen das Unternehmen einzuleiten.
Ein Konzern im Visier der Justiz
Für ITD, eines der mächtigsten Bauunternehmen des Landes, wird die Luft dünn. Der Premier erinnerte explizit an frühere Skandale, darunter der spektakuläre Einsturz des Gebäudes des Staatlichen Rechnungshofs. Dass nun auch das Prestigeprojekt der Hochgeschwindigkeitsbahn in der Provinz Nakhon Ratchasima betroffen ist – ein Bauwerk, das kurz vor der Vollendung stand –, unterstreicht die Härte des Urteils.
Signal an die Weltmärkte
Hinter dem entschlossenen Handeln steckt auch wirtschaftliches Kalkül. Thailand kämpft darum, das Vertrauen ausländischer Investoren nicht zu verspielen. Ein Land, in dem Infrastrukturprojekte zur tödlichen Falle werden, ist kein sicherer Hafen für Kapital.
Nach Informationen der Bangkok Post wird nun unter Hochdruck nach einem neuen Auftragnehmer gesucht. Dieser soll das Hochgeschwindigkeitsprojekt zu Ende führen – unter strengsten Auflagen. Für Anutin Charnvirakul ist der Fall klar: Wer die Sicherheit der Menschen für den Profit opfert, hat in Thailand keinen Platz mehr am Verhandlungstisch.
STIN // AI
Kluge Entscheidung, vor allem – vor einer Wahl.
Jetzt nur nicht die Sino-Thai auswählen 🙂