Das einstige Lager der Unentschlossenen schrumpft, doch die Euphorie bleibt aus. Zwischen nationalem Stolz, kambodschanischen Einmischungen und einem massiven Korruptionsskandal bei den Favoriten steuert Thailand auf eine Wahl zu, die mehr Fragen aufwirft als Antworten gibt.

In den Straßen von Bangkok und den Provinzen herrscht geschäftiges Treiben, doch unter der Oberfläche brodelt eine tiefe Resignation. Die jüngsten Umfragen vor den Parlamentswahlen bestätigen zwar einen Trend: Die Gruppe der Unentschlossenen – einst die mächtigste Kraft im Land – schrumpft stetig. Die Wähler beziehen Stellung. Doch wer einen Aufbruch erwartet hat, wird enttäuscht. Was bleibt, ist die Wahl des „Besten unter Gleichen“, getrieben von einem Pragmatismus, der fast schon wie Kapitulation wirkt.

Der Sturz der Giganten und das Erwachen der Totgeglaubten

Die politische Landkarte Thailands wird geradezu gewaltsam neu gezeichnet. Die Volkspartei (die Nachfolgerin der „Orange Party“), die lange Zeit von einem historischen Erdrutschsieg träumte, hat ihre Segel gestrichen. Das Ziel einer Alleinregierung ist in weite Ferne gerückt; man wäre nun schon mit einem knappen Sieg zufrieden.

Währenddessen kämpft die Pheu Thai Party – der strahlende Sieger von 2023 – ums nackte Überleben. Ihr umstrittener Pakt mit den Konservativen und die Nähe zu Kambodscha haben sie in der Gunst der Wähler abstürzen lassen. Die lachenden Dritten? Die Bhumjaithai-Partei, die sich zum ernsthaftesten Herausforderer der Orangen gemausert hat, und die Demokraten, die unter der Rückkehr von Abhisit Vejjajiva eine beispiellose Wiederauferstehung feiern.

Die kambodschanische Querschläger-Empfehlung

Für politisches Sperrfeuer sorgte ausgerechnet eine Stimme aus dem Ausland. Keo Remy, kambodschanischer Minister für Menschenrechte, rief die Thailänder online dazu auf, die Volkspartei oder Pheu Thai zu wählen, um den langjährigen Grenzkonflikt zu beenden.

In einem Land, in dem der Wahlkampf von glühendem Nationalismus befeuert wird, war dies ein vergiftetes Geschenk. Während die Orange- und Rot-Lager betreten schweigen, kann die Bhumjaithai-Partei ihr Glück kaum fassen. In der aktuellen Stimmung wirkt eine Wahlempfehlung aus Phnom Penh wie ein Kuss des Todes: Wer dem Nachbarn misstraut, wählt nun erst recht das Gegenteil dessen, was Remy vorschlägt.

Das „Grauzonen“-Debakel: Die moralische Bastion wankt

Doch der schwerste Schlag gegen die Volkspartei kam von innen – oder besser gesagt, aus der dunklen Seite ihrer eigenen Reihen. Vor zwei Tagen wurde der Kandidat Ratchapong Soisuwan verhaftet. Der Vorwurf: Verwicklungen in ein illegales Glücksspielnetzwerk.

Was bei anderen Parteien als „bedauerlicher Einzelfall“ abgetan würde, trifft die Volkspartei im Mark. Ihr gesamter Wahlkampf basiert auf dem Versprechen „Keine Grauzonen“. Wer Rivalen seit Monaten vorwirft, in kriminelle Machenschaften und Bestechung verstrickt zu sein, verliert jede Glaubwürdigkeit, wenn der eigene Mann in Handschellen abgeführt wird.

Besonders brisant: Es mehren sich die Gerüchte, die Parteispitze sei gewarnt worden, habe aber weggesehen. Fotos, die Ratchapong strahlend mit der Parteiführung zeigen, fluten nun die sozialen Netzwerke und machen das einstige Saubermann-Image zur Zielscheibe von Spott und Hohn.

Fazit: Ein Land im Nebel

Am 8. Februar blickt Thailand auf drei entscheidende Fragen:

  1. Kann Bhumjaithai die Volkspartei bei den Stimmenzahlen tatsächlich einholen?

  2. Ist die Dominanz der „Orangen“ in ihrer Hochburg Bangkok endgültig gebrochen?

  3. Erweist sich das Comeback der Demokraten als stabiles Fundament oder als bloßes Strohfeuer?

Die thailändische Politik ist undurchsichtiger denn je. Wo früher klare Linien zwischen Schwarz und Weiß verliefen, herrscht heute ein diffuses Grau. Der moralische Kompass ist in den Glücksspielskandalen und diplomatischen Intrigen verloren gegangen. Die Wähler werden an die Urnen gehen, doch der Optimismus, dass diese Stimmen wirklich eine neue Ära einläuten, ist so gering wie lange nicht mehr.

 

STIN // AI

Von stin

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berndgrimm
berndgrimm
24 Tage zuvor
Antwort auf  stin

Zunächst mal als Betroffener:
STIN war nie (in Neudeutsch: never) ideologisch auch nur in der Nähe der Reformbewegung.
Er hat sie nie verstanden oder verstehen wollen.
Er hat immer gegen sie propagiert.
Erst als mit Pita ein auch bei Nichtdenkern populärer Politiker Anführer der Reformbewegung wurde bekam STIN Panik und sprang hastig aufs Trittbrett des Pita Zuges auf. Leider zu spät und fiel dabei voll auf die Schnauze.
Seitdem versucht er durch alle möglichen Verrenkungen sich selber in der Reformbewegung zu verankern. So tun als ob.
Und was tut STIN am liebsten ? Andere zu reglementieren und zu verleumden.
Er ist durch und durch konservativ , nationaliistisch und rassistisch.Wie ein Edelthai.Rechthaerich hatte ich schon geschrieben.
Wenn er Macht hat , mißbraucht er sie , genau wie ein Edelthai.

Ich dagegen bin ein 68er der nicht nur auf Uschi Obermeier Parties war und auch nicht den Terrorismus der RAF unterstützte.
Ich war allerdings auch kein Masochist der sich gern von altnazigeführten Deppen verprügeln lassen wollte.
Wir wollten etwas erreichen aber haben zunächst einmal nix erreicht.
Die Polizei hat uns niedergeknüppelt und unsere Eltern haben dazu applaudiert weil wir ihre „Heile Welt“ störten.
In der Politik waren wir nur als Abschreckung vertreten.
Was hat uns im wahrsten Sinne des Wortes bei der Stange gehalten ?
Die sexuelle Revolution!
Anfang der 60er Jahre war die Anti Baby Pille entwickelt worden und wir haben Frauen und Mädchen befreit.Es wurde das Jahrzehnt des Mannes.
Womens Lib kam später und auch die Grünen.
Auch wenn es Anfangs sich nicht so anhörte und oft geprügelt wurde:
Es entstand eine Streitkultur und wir lernten auch andere Meinungen zu akzeptieren.
Nicht so Nazis und Neo Nazis.
Nazis hat es in der Bundesrepublik immer gegeben.Seit 1950 auch wieder Nazi Parteien. Zunächst die Deutsche Reichs Partei aus der 1964 die NPD entstand.Die AfD entstand ursprünglich als Partei gegen den € und wurde später von Nazis übernommen.
Nazitum ist keine deutsche Folklore sondern eine wirkliche Fehlentwicklung.
Ja , natürlich gibt es in allen Ländern nationalistische Parteien.
Aber nur die deutschen (und österreichischen) Nazis haben so gründlich gearbeitet und 7 Mio Menschen systematisch vernichtet.
Judenhaß hat es auch immer gegeben und viele der künstlich empörten Europäer waren insgeheim froh daß die Deutschen die Drecksarbeit gemacht haben.
1960 wurde der §130 STGB eingeführt , aber das Verbot der Holocaust Leugnung gab es schon während der Besatzungszeit bis ca 1955.

berndgrimm
berndgrimm
21 Tage zuvor
Antwort auf  stin

xxxxxxx

Ja , es ist durrchaus möglich daß auch die Volkspartei nur eine Luftnummer ist wie die anderen thailändischen Parteien.
Aber dies möchte ich gern sehen und dazu muß sie erstmal regieren dürfen.
Es ist für mich erstaunlich daß die Studentenbewegung in TH eine solch große Zustimmung hat.
Schließlich wird in Thai Schulen schon Volksverdummung und Gehirnwäsche betrieben.
Ich bin ja echter 68er und wir hatten damals keine Zustimmung vom Volke und meist auch nicht von unseren Eltern.
Die 68er Mythen von der Kommune 1 und den Uschi Obermeier Parties wurden erst hinterher geschaffen.
Unser Leben war nicht so glamourös , wir wurden meist von der Nazi geführten Polizei niedergeprügelt.
Aber wir standen wieder auf und machten unseren Weg durch die Institutionen.
Ja , auch ich denke daß die Volkspartei nicht an die Regierung gelassen wird sondern das die Ewiggestrigen wieder Thaksin und Abhisit engagieren werden um selber an der Macht zu bleiben.
Dessenungeachtet bin ich weiterhin für eine Regierung unter Führung der Volkspartei oder ihrer Nachfolgerin.
STIN’s politisches Springreiten ist etwas ambivalent.
Er war gegen Merkel und ist jetzt gegen Merz.
Ja watt denn nu ?
Ich war eher für Merkel weil sie sozialdemokratische Politik gemacht hat und ich bin auch noch für Merz weil er nicht Merkel als Kanzler beerbte sondern Scholz den Totengräber der Sozialdemokratie.Merz gibt zu daß er lernen muß weil er im zarten Alter von 69 Jahren zum ersten Mal Bundeskanzler ist.
Es ist für einen Politiker vielleicht ungewöhnlch wenn er zugibt daß er keine Ahnung hat und lernen muß aber keineswegs negativ.
Natürlich hätte ich auch lieber Hendrik Wüst als CDU Kanzler gehabt, aber ich hatte ja keine Wahl.
Wüst ist 20 Jahre jünger und kommt aus dem Münsterland.
Das ist eigentlich der Unterschied zu Merz.
Na ja , und eine Diamond 62 hat er auch nicht, dafür vielleicht ein Lastenfahrrad oder gar ein Liegefahrrad mit Flagge.
STIN ist Weltbürger. Ich nicht.
Ich bin zwar ohne Heimatbindung aber bin gerne Deutscher.
Ich kann in vielen Ländern leben aber suche mir doch genau aus wo ich leben und sterben möchte.
Wen ich zu irgendeinem Ort ein besonderes Heimatgefühl habe so ist dies Bochum wo ich meine Schulzeit verbracht habe.
Leider lebt keiner meiner Schulfreunde mehr dort.

Wolfgang Kempf
Wolfgang Kempf
20 Tage zuvor
Antwort auf  stin

In Davos spielt zur Zeit die Musik nicht in Thailand 😄
Merz diese Knalltüte eiert herum.
Die BoT manipuliert weiter die Devisenkurse.
STIN der Expat in Kärnten, seit Haider nicht mehr sehr angesehen!, will uns seine Weltansicht als die einzig wahre erklären 😡👎🙏

Wolfgang Kempf
Wolfgang Kempf
19 Tage zuvor
Antwort auf  Wolfgang Kempf

Kein Expat?
Hat STIN die österreichische Staatsbürgerschaft?

berndgrimm
berndgrimm
18 Tage zuvor
Antwort auf  Wolfgang Kempf

STIN ist „Weltbürger“ in seiner eigenen Welt.

berndgrimm
berndgrimm
15 Tage zuvor
Antwort auf  stin

xxxx

TH hat gute und schlechte Seiten. Den guten Seiten begegne ich jeden Tag , den schlechten nur im Umgang mit bestimmten Behörden oder mit deren Ausdünstungen.

xxxx

Kritik ist wichtig für die Fortentwicklung einer Gesellschaft.
Wohlgemerkt konstruktive Kritik, und meine Kritik ist konstruktiv und keine sinnlose Meckerei. Ich kann Alles was ich behaupte aufzeigen und auch selber machen.
Das ist eben der Unterschied.
Warum bin ich dann nicht in die Politik gegangen nachdem ich meine berufliche Karriere beendet hatte ?
Ich hatte beruflich schon oft mit Kleingeistern zu tun aber in der Wirtschaft kann man sie umgehen.
In der Politik und Beamtenschaft nicht.
Dort sitzen sie am längeren Hebel weil sie nur dort ohne persönliche Leistung soviel Geld verdienen können, und zusätzlich noch Schmiergelder.
Sie haben zwar Null Sachkompetenz , aber dieses machen sie mit Skrupellosigkeit , Lügen und Schönreden wett.
Um mit Lindnern,Södern oder Scholzen und Merzen umzugehen ist mir das Schmerzensgeld zuwenig.
Ich brauch auch keine Zweitwohnung im Studio von Lanz,Miosca.Maischberger oder Illner.
Schließlich bin ich im Gegensatz zu Lauterbach oft genug geimpft worden.Und hab auch kein BSE.

berndgrimm
berndgrimm
15 Tage zuvor
Antwort auf  stin

Ich lebe in TH und kenne Kärnten nicht so genau.
Ich war mehrmals in Villach weil meine Omas dort zur Kur waren und ich sie hingebracht und/oder abgeholt habe.
Wir waren auch mal in Mallnitz zum Skilaufen.
Slowenien hat mir besser gefallen.
Wer FPÖ oder AfD wählt ist sicher nicht intelligent aber die Mehrheit in Kärnten wählt die FPÖ nicht genau wie die Mehrheit in Thüringen ,Sachsen und -Anhalt nicht die AfD wählt.
Wenn schon in D würde ich gerne in Thüringen leben aber die Menge Neo Nazi Nachläufer stößt mich ab.
Genauso wäre es in Kärnten oder auch Österreich insgesamt.Am besten fand ich in Österreich Vorarlberg,Tirol und die Steiermark. Auch der Neusiedler See hat mir gefallen wegen des Segelns.

berndgrimm
berndgrimm
14 Tage zuvor
Antwort auf  stin

xxxxx

Die DDR war Alles außer Links im Sinne von zukunftsorientiert.
In meiner Kindheit gab es auch Zeiten in denen ich lieber kein Deutscher gewesen wäre, aber später war ich Stolz auf das neue Deutschland nach 1945. Und das bin ich Heute noch. Trotz 30% Neo Nazis und Nachläufer.
Deutsche haben offenbar den Willen , das was sie mit Hirn und Händen aufgebaut haben mit dem Ar… wieder einzureissen.
Nationalisten und Rassisten gibt es in allen Ländern , aber nirgendwo sind sie so effizient wie in D!
Sie wären offenbar gerne die Hunnen für die sie von den Nazis anderer Länder verschrien werden.
Dabei sind sie nur lächerliche Rattenfänger und deren Nachläufer die sich von den Reichen Nictstuern im Lande instrumentalisieren lassen.
Fremdenhaß ist offensichtlich in vielen Menschen tief verwurzelt.
Dabei sind gerade im heutigen D die Deutschen und nicht die Ausländer schuld am Niedergang.
Das gilt auch für die Anerkennung,Ablehnung und Abschiebung von Asylanten.
Da sind keine Links Grün versifften Beamten am Werk sondern konservative ,nationalistische und rassistische
Deutsche Beamte die ihre Ideologie durchsetzen wollen.

berndgrimm
berndgrimm
19 Tage zuvor
Antwort auf  stin

Na ja , da Deutschland sich mehrheitlich noch nicht als Nazi Opfer hinstellt brauchen wir auch keinen Kickl.
Es graust mir einen Neo Nazi als etwas besser als einen anderen hinzustellen aber wir importieren unsere Nazi Führerinnen lieber aus der Schweiz.
Aus einer Multi Kulti Regenbogen Familie.
Die armen Kinder.
Es gibt in D offensichtlich sehr viel braune Jauche aber die schaffen es noch nicht mal einen arbeitslosen Malergesellen aus der Grenzregion zu ihrem Führer zu machen.

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