Im Wahlkampf 2026 hat sich die Steuerpolitik zum ultimativen Zünglein an der Waage entwickelt. Während die Inflation an den Geldbeuteln frisst, buhlen die Demokratische Partei und die Volkspartei mit radikal unterschiedlichen Konzepten um die Gunst der Wähler. Es ist ein Duell der Visionen: Während die einen die Kaufkraft der Mittelschicht durch drastische Freibeträge retten wollen, setzt die Konkurrenz auf eine totale Digitalisierung und eine „Beleg-Lotterie“.
Demokratische Partei: 7.500 Baht mehr für die „kleinen Leute“
Korn Chatikavanij, das wirtschaftspolitische Schwergewicht der Demokraten, geht mit einer klaren Mission ins Rennen: Geld zurück in die Taschen der Arbeiter. Sein Argument: Das Steuerrecht ist veraltet und ignoriert die explodierenden Lebenshaltungskosten.
Die „40.000-Baht-Grenze“
Das Herzstück des Plans ist die Anhebung des jährlichen Steuerfreibetrags von 150.000 auf 300.000 Baht.
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Der Effekt: Wer bis zu 40.000 Baht im Monat verdient, würde auf den ersten Teil seines Einkommens faktisch keine Steuern mehr zahlen.
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Das Plus: Rund 7.500 Baht pro Jahr mehr Netto für den Durchschnittsverdiener.
Korn räumt zwar ein, dass dies das Staatsbudget initial etwa 30 Milliarden Baht kosten wird, sieht darin aber eine notwendige Korrektur. Er kritisiert scharf die Ära der Körperschaftsteuersenkungen: „Die Senkung von 30 % auf 20 % hat keine Investitionen gebracht – sie hat nur die Dividenden für ausländische Großaktionäre aufgebläht.“ Sein Fokus liegt nun auf den „kleinen Leuten“ statt auf den Konzernen.
Volkspartei: Mit der „Beleg-Lotterie“ gegen die Bürokratie
Die Volkspartei unter Sirikanya Tansakul schlägt einen technisch versierteren Weg ein. Ihr Ziel: Die riesige Schattenwirtschaft ans Licht holen – nicht durch Zwang, sondern durch attraktive Anreize für Kleinunternehmer (KMU).
Das 3-Stufen-Paket für KMU
Um die Angst vor dem Finanzamt zu nehmen, plant die Volkspartei eine revolutionäre Vereinfachung:
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Höhere Schwellen: Die Umsatzgrenze für die Mehrwertsteuer-Pflicht soll sich auf 3,6 Millionen Baht verdoppeln.
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Pauschaler Abzug: Statt mühsamer Einzelbelege sollen Einzelpersonen 90 % ihrer Einnahmen pauschal als Kosten absetzen können.
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Die 2,1 %-Option: Wer über der Grenze liegt, kann einen pauschalen Steuersatz von 2,1 % pro Quartal wählen – Schluss mit dem „Beleg-Wahnsinn“.
Besonders kreativ: Die Beleg-Lotterie. Kunden sollen durch Gewinnchancen motiviert werden, Quittungen zu verlangen, was wiederum die Betriebe zur Registrierung drängt. Als „Willkommensgeschenk“ winken Rückerstattungsgutscheine von bis zu 100.000 Baht.
Die radikale Transparenz: Jeder Bürger zählt
Während die Demokraten die Steuerbasis beibehalten wollen (indem jeder symbolisch 100 Baht zahlt, um im System zu bleiben), geht die Volkspartei weiter. Sie fordert, dass 100 % der Erwerbstätigen innerhalb eines Jahres eine Steuererklärung abgeben müssen.
Kampf den Immobilienschlupflöchern
Auch bei der Grundsteuer will die Volkspartei aufräumen. Die bisher großzügigen Freibeträge von 50 Millionen Baht für Wohnraum sollen auf 5 Millionen Baht zusammengestrichen werden. Damit sollen künstliche Landnutzungen (wie „Alibi-Plantagen“ auf Luxusgrundstücken) unterbunden und die lokale Selbstverwaltung gestärkt werden.
Fazit: Zwei Wege, ein Ziel
Beide Parteien sind sich einig: Das aktuelle System ist ungerecht. Doch während Korn Chatikavanij auf klassische Entlastung und eine Umverteilung von Großkonzernen hin zur Mittelschicht setzt, will Sirikanya Tansakul den Staat digital transformieren und die Steuerbasis durch massive Vereinfachungen verbreitern.
Für die Wähler bedeutet das eine Richtungsentscheidung: Wollen sie die sofortige Ersparnis auf dem Lohnzettel oder ein langfristig moderneres, aber auch transparenteres System?
Redaktion STIN // CTN-Media