BANGKOK – Es war ein Auftritt, der keine Gefangenen machte. Auf dem von der Nation Group übertragenen Visionsforum „NATION ELECTION 2026“ im Bangkoker Jugendzentrum Din Daeng präsentierte Atthawit Suwanpakdee, der zweitplatzierte Premierministerkandidat der Ruam Thai Sang Chart (RTSC), ein politisches Manifest der harten Hand. Mit sechs „Krisen-Maßnahmen“ will er Probleme lösen, die nach seiner Einschätzung bisherige Politiker aus purer Zaghaftigkeit ignoriert haben.

Bruch mit der Vergangenheit: Das Ende der MOUs

Atthawit eröffnete seine Rede mit einem Paukenschlag: Dem sofortigen Widerruf der Absichtserklärungen MOU 43 (Land) und MOU 44 (See). In der hochsensiblen thailändisch-kambodschanischen Grenzfrage kündigte er einen Kurs der kompromisslosen Souveränität an. Seine Botschaft an die Weltmächte war unmissverständlich: Weder gegenüber den USA noch gegenüber China werde er thailändisches Territorium oder die Würde des Volkes gegen Handelsvorteile oder Zölle eintauschen.

„Wer nicht stark genug ist, bis zum Äußersten zu gehen, sollte gar nicht erst anfangen – und erst recht nicht Premierminister werden“, so Atthawits Kampfansage. Im Falle eines Konflikts werde er den Streitkräften befehlen zu kämpfen, bis jede Bedrohung eliminiert sei. Waffenruhen, die Thailand in der Vergangenheit nur geschwächt hätten, erteilte er eine klare Absage.

Eine neue Moral für die Truppe

Um diese Entschlossenheit zu stützen, setzt Atthawit auf eine massive finanzielle Aufwertung des Militärdienstes:

  • Kampfeinsätze: Soldaten sollen für den ersten Einsatz 200.000 Baht und für den zweiten 400.000 Baht erhalten.

  • Wehrpflicht: Statt endloser Debatten über die Abschaffung fordert er ein Gehalt von 30.000 Baht pro Wehrpflichtigem. Bei jährlich 80.000 Rekruten belaufen sich die Kosten auf 2,4 Milliarden Baht – eine Summe, die der Staat laut Atthawit problemlos bereitstellen könne.

Krieg gegen Korruption und Energiemonopole

Ein weiterer Kernpunkt seiner Agenda ist die „Bekämpfung von Übeltätern“. Atthawit fordert die Höchststrafe für korrupte Beamte und Politiker. Auch Betrüger und Schwindler, die das Volk um sein Hab und Gut bringen, sollen künftig mit einer Härte bestraft werden, die dem verursachten Schaden tatsächlich entspricht.

An der Preisfront verspricht die RTSC eine drastische Entlastung bei den Energiekosten. Der Stromtarif soll auf 3,94 Baht gesenkt werden – eine Reduktion um insgesamt 16 %.

  • Der Hebel: Eine Beschneidung der Gewinne des Privatsektors.

  • Die Analyse: Da die staatliche EGAT nur 29 % des Stroms produziert, während 71 % von privaten Monopolen kommen, will Atthawit hier ansetzen, um Milliarden-Einsparungen direkt an die Bürger weiterzugeben.

Verfassung und Staatlichkeit

Zur Debatte um eine neue Verfassung bezog Atthawit eine differenzierte, aber klare Position. Während er Änderungen nicht grundsätzlich ablehnt, stellt er sich entschieden gegen ein „Zerreißen“ des bestehenden Grundgesetzes. Zentrale Kapitel der Verfassung dürften nur durch ein Referendum angetastet werden – ein Schutzmechanismus für die Stabilität des Staates.

Atthawits Auftritt markiert einen Wendepunkt im Wahlkampf: Weg von diplomatischen Floskeln, hin zu einer Politik der harten Kante, die sowohl die wirtschaftliche Entlastung als auch die nationale Verteidigung mit radikalen Mitteln erzwingen will.

 

STIN // AI

Von stin

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