Harter Wettbewerb, schmutzige Tricks? Thailands Wahlkommission rüstet auf. Nachdem Wirtschaftsverbände vor Rekordbeträgen für den Stimmenkauf gewarnt haben, schickt die Behörde nun Spezialeinheiten in die umkämpften Provinzen. Das Ziel: Eine Wahl, die nicht am Geldbeutel, sondern an der Wahlurne entschieden wird.
BANGKOK – Es ist eine Zahl, die aufhorchen lässt: Bis zu 7.500 Baht pro Kopf sollen im aktuellen Wahlkampf fließen, um Wählerstimmen zu sichern. Diese Behauptung des Gemeinsamen Ständigen Ausschusses für Handel, Industrie und Bankwesen (JSCCIB) sorgt derzeit für politischen Zündstoff. Nun hat Sawang Boonmee, Generalsekretär der Wahlkommission (EC), offiziell Stellung bezogen.
Zwischen Schätzung und Realität
Sawang reagierte gelassen, aber bestimmt auf die Umfrageergebnisse des Privatsektors. Zwar kenne die interne Nachrichtenabteilung der EC die Berichte, doch die genannte Summe von 7.500 Baht stufte er eher als „Schätzung oder wissenschaftlich fundierte Meinung“ ein. Die genauen Beträge seien der Kommission nicht bekannt, doch die Höhe sei zweitrangig – das Prinzip stehe im Vordergrund.
„Geschichten sind das eine – manchmal geht es dabei um Lokalpolitik oder Machtspiele –, aber unsere Arbeit ist operativer Natur“, betonte Sawang. Ungeachtet der Validität der Zahlen dürfe Stimmenkauf schlichtweg nicht vorkommen. Es sei die Kernpflicht der Kommission, sicherzustellen, dass Geldflüsse niemals das Wahlergebnis oder den Sieger bestimmen.
„Schnelle Eingreiftruppen“ gegen Wahlbetrug
Um die Integrität der Wahl zu wahren, setzt die EC auf eine Strategie der Prävention und Abschreckung. Statt die Forscher der Wirtschaftsverbände nachträglich zu befragen, verlässt sich Sawang auf sein eigenes Netz:
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Geheimdienstliche Aufklärung: Enge Zusammenarbeit mit zivilen Behörden, um Informationsflüsse zu überwachen.
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Schnelleinsatzteams: Mobile Einheiten werden in Hochrisiko-Wahlkreise entsandt.
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Zonen-System: Gebiete werden intern nach Gefährdungslage in „Rot“, „Gelb“ oder „Weiß“ kategorisiert.
Interessanterweise lässt sich das Problem nicht geografisch eingrenzen. „Rote Gebiete“, in denen der Wettbewerb besonders heftig und die Gefahr von Manipulationen groß ist, gebe es in jeder Region des Landes. Dabei bedeute „Intensität“ laut Sawang nicht zwangsläufig Gewalt, sondern einen extrem harten Kampf um jede Stimme.
Die Vision einer „sauberen“ Wahl
In einer internen Botschaft an seine Mitarbeiter, die über die Messaging-App Line bekannt wurde, appellierte Sawang leidenschaftlich für eine „positive Atmosphäre“. Sein Ziel ist eine Wahl, deren Ergebnis von der Öffentlichkeit ohne Zweifel akzeptiert wird.
„Jeder kann Straftaten begehen – Kandidaten selbst, Bürger oder sogar Wahlhelfer. Wir wollen das nicht, denn es würde das Wahlergebnis inakzeptabel machen.“ — Sawang Boonmee, Generalsekretär der Wahlkommission
Fokus auf Inhalte statt Bargeld
Die Wahlkommission setzt für den Wahltag auf zwei entscheidende Faktoren:
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Hohe Wahlbeteiligung: Man rechnet fest mit einer Beteiligung von über 75 %, ähnlich wie bei den vergangenen Wahlen.
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Inhaltliche Wahlentscheidung: Die Bürger sollen auf Basis politischer Programme entscheiden, nicht aufgrund von kurzfristigen finanziellen Zuwendungen.
Nur durch eine Wahl, die auf „sauberen Stimmen“ basiert, könne das Land sein volles Potenzial entfalten und eine stabile Grundlage für die Zukunft schaffen. Ob die Präsenz der Schnelleinsatzteams ausreicht, um die angeblichen 7.500-Baht-Angebote auszustechen, wird sich am Wahltag zeigen.
STIN // AI
Vielleicht wird es ja doch eine saubere Wahl, wenn die Parteien sich gegenseitig mit
Armeen von Schnüfflern beobachten – was besseres gibt es eigentlich nicht.
Wird man sehen, wie viele Anzeigen die EC zu verarbeiten hat.