BANGKOK – Die Mauern des Klong-Prem-Zentralgefängnisses könnten sich für Thailands umstrittensten Ex-Premierminister bald dauerhaft öffnen. Wie die Strafvollzugsbehörde heute offiziell bestätigte, rückt für Thaksin Shinawatra der entscheidende Stichtag im Mai 2026 in greifbare Nähe: Dann hat er zwei Drittel seiner einjährigen Haftstrafe verbüßt und ist damit rechtlich befugt, einen Antrag auf Bewährung zu stellen.

Die Behörde bemühte sich in ihrer Erklärung sichtlich um politische Neutralität. Man betonte mit Nachdruck, dass es sich bei der möglichen vorzeitigen Entlassung nicht um ein exklusives „Privileg“ für den Milliarden-Tycoon handele. Vielmehr stehe dieser Weg jedem Häftling offen, der die gesetzlichen Kriterien erfüllt.


Die Hürde der Bürokratie

Doch der Weg in die Freiheit ist kein Selbstläufer. Über Thaksins Schicksal wird ein hochkarätig besetzter Unterausschuss entscheiden. Unter dem Vorsitz des Staatssekretärs im Justizministerium prüfen Vertreter verschiedenster Instanzen den Fall – von der Bewährungshilfe über die Abteilung für Sonderermittlungen (DSI) bis hin zum Generalstaatsanwalt und dem Gesundheitsministerium.

Ein Jahr voller Wendungen

Thaksins Weg hinter Gittern gleicht einem Polit-Thriller:

  • Die Rückkehr: Ende 2024 beendete er sein über zehnjähriges Exil und kehrte nach Thailand zurück.

  • Das Urteil: Ursprünglich zu acht Jahren Haft wegen Korruption verurteilt, wurde seine Strafe durch eine königliche Begnadigung auf ein Jahr reduziert.

  • Das Krankenhaus-Drama: Unmittelbar nach seiner Inhaftierung im September letzten Jahres wurde Thaksin aufgrund gesundheitlicher Beschwerden in das Polizeikrankenhaus verlegt. Kritiker sprachen von einer Inszenierung, um dem harten Gefängnisalltag zu entgehen.

  • Der Rückschlag: Nach sechs Monaten im Krankenhaus entschied der Oberste Gerichtshof im September 2025 hart: Die Zeit im Krankenbett wird nicht auf die Haftstrafe angerechnet. Thaksin musste zurück in die Zelle.

Das letzte Kapitel?

Seit dem 9. September 2025 sitzt der ehemalige Regierungschef nun offiziell seine Strafe im Klong-Prem-Gefängnis ab. Wenn der Kalender den Mai erreicht, wird sich zeigen, ob die thailändische Justiz das Kapitel seiner Inhaftierung vorzeitig schließt oder ob der einflussreiche Politiker seine Zeit bis zum letzten Tag absitzen muss.

 

STIN // AI

Von stin

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