BANGKOK – Es ist das finale Kapitel eines jahrelangen Justizkrimis, der seine Wurzeln in den blutigen Straßenunruhen von 2010 hat. Mit der Bestätigung der Haftstrafen gegen prominente Köpfe der „Rothemden“ durch den Obersten Gerichtshof Thailands endet eine Ära der Ungewissheit – und das unter dramatischen Umständen.

Im Saal 609 des Strafgerichts an der Ratchadaphisek Road herrschte am Dienstag eine fast greifbare Spannung. Im Zentrum des Geschehens: Yoswaris Chuklom, in Thailand besser bekannt unter seinem Künstlernamen „Jeng Dokjig“. Der politische Aktivist, einst eine lautstarke Stimme der „Vereinigten Front für Demokratie gegen Diktatur“ (UDD), wurde in einem Rollstuhl in den Gerichtssaal geschoben. Gezeichnet von einem Hirninfarkt, versuchte er bis zuletzt, das Unausweichliche hinauszuzögern – doch die Richter blieben unnachgiebig.

Ein Urteil ohne Milde

Der Oberste Gerichtshof ließ keinen Zweifel an seiner Linie: Die Berufungen wurden abgeschmettert. Für Yoswaris bedeutet dies eine Haftstrafe von fünf Jahren und vier Monaten, nachdem das Gericht die ursprüngliche Strafe von acht Jahren aufgrund seiner Kooperation um ein Drittel reduzierte. Eine Bewährung wurde strikt ausgeschlossen.

Noch härter traf es den zwölften Angeklagten, Suksek Poltue. Für ihn bestätigten die Richter das Urteil des Berufungsgerichts in voller Härte: lebenslange Haft.

Terrorismus und Tränengas: Der Hintergrund

Der Fall blickt zurück auf die dunklen Monate zwischen Februar und Mai 2010. Damals versank Bangkok im Chaos, als die UDD-Protestler die Regierung von Abhisit Vejjajiva massiv unter Druck setzten. Was als politischer Protest für Neuwahlen begann, endete in bürgerkriegsähnlichen Zuständen an der Phan Fa Lilat Brücke und der Ratchaprasong-Kreuzung.

Die Anklageliste der Staatsanwaltschaft der Sonderabteilung 1 liest sich wie ein Drehbuch für einen Polit-Thriller:

  • Terrorismus und Anstiftung zur Gewalt.

  • Waffenbesitz in militärischem Ausmaß.

  • Gezielte Angriffe auf Sicherheitskräfte und Privateigentum.

Während Schwergewichte der Bewegung wie Jatuporn Prompan und Nattawut Saikua letztlich freigesprochen wurden, sahen es die Richter bei Yoswaris und Suksek als erwiesen an, dass ihre Taten über den legitimen Protest hinausgingen. Das Gericht betonte in seiner Begründung, dass die gezielte Nötigung unter Beteiligung von Gruppen sowie die Absicht, Militärangehörige anzugreifen, separate und schwerwiegende Straftatbestände darstellten.

Letzte Ausflüchte scheitern

Der Weg zu diesem Urteil war von Verzögerungen geprägt. Eigentlich hätte die Entscheidung bereits im Dezember 2025 verkündet werden sollen, doch Yoswaris’ Anwälte führten gesundheitliche Gründe an. Ein verstopftes Hirngefäß machte den Aktivisten behandlungsbedürftig.

Doch am Dienstag war die Geduld der Justiz am Ende. Ein erneuter Antrag auf Vertagung wurde abgelehnt. Die Drohung stand im Raum: Sofortiger Haftbefehl und eine empfindliche Geldstrafe für die Bürgen, sollte der Angeklagte nicht erscheinen. So kam es zu dem Bild, das nun die thailändischen Medien dominiert – ein einstiger Volkstribun, der im Rollstuhl seinem Schicksal entgegenblickt.

Abtransport ins Ungewisse

Unmittelbar nach der Verlesung wurden die Haftbefehle vollstreckt. Beamte überführten Yoswaris Chuklom und Suksek Poltue direkt in das Bangkok Remand Prison. Während die Justiz den Fall damit zu den Akten legt, bleibt die politische Spaltung des Landes ein Erbe, das noch lange nachwirken wird. Die Urteile markieren einen Schlusspunkt unter die juristische Aufarbeitung der Unruhen von 2010, setzen aber gleichzeitig ein unmissverständliches Zeichen der staatlichen Härte.

 

STIN // AI

Von stin

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