Eigentlich sollte es der Geniestreich des thailändischen Tourismusverbandes (TAT) werden: Weltstar Lisa von BLACKPINK als Gesicht vor der traumhaften Kulisse des „Roten Lotusmeeres“. Doch was als High-End-Kampagne geplant war, erntete zunächst heftigen Spott – nur um jetzt in einen viralen Trend umzuschlagen, der sogar die höchsten Kreise der Politik erfasst.
Vom Photoshop-Fail zum viralen Hit
Die Tourismusbehörde hatte sich viel vorgenommen. Unter dem Slogan „Feel All the Feelings“ sollte Lisa, Thailands international erfolgreichster Export, die Provinz Udon Thani in den Fokus rücken. Doch statt Begeisterung löste das erste Werbematerial eine Welle der Fassungslosigkeit aus. Der Vorwurf: Die TAT habe den Weltstar lieblos per Künstlicher Intelligenz in die Landschaft montiert, statt sie tatsächlich vor Ort in Szene zu setzen. Kritiker sprachen von einer „mangelhaften Präsentation“, die den Wert der Künstlerin schmälere.
Doch das Netz reagierte auf seine ganz eigene Weise: mit Humor und einer Prise Trotz. Anstatt die Kampagne zu ignorieren, begannen Fans und Internetnutzer, Lisa aus den Booten zu retuschieren und sich selbst in die künstlichen Szenerien einzufügen.
Die Gouverneurin macht den Spaß mit
Was als Protest gegen die KI-Ästhetik begann, ist mittlerweile zu einer charmanten Selbstironie geworden. Selbst Thapanee Kiatphaibool, die Gouverneurin der TAT, sprang auf den Zug auf. Auf ihrer Facebook-Seite teilte sie ein offensichtlich bearbeitetes Bild, das sie selbst in dem besagten Boot zeigt.
„Ich bin glücklich, an Lisas Bootsfahrt ‚teilnehmen‘ zu können“, schrieb sie mit einem Augenzwinkern und dankte gleichzeitig allen Touristen, die den Weg nach Udon Thani finden – ob nun real oder digital.
Ein Trend mit realen Folgen
Der digitale Spott hat handfeste Auswirkungen auf den Tourismus. Unter dem Motto „Auf Lisas Spuren“ fluten derzeit echte Schnappschüsse und Videoclips vom Roten Lotusmeer die sozialen Netzwerke. Viele Thailänder setzen ein Zeichen gegen die KI-Abhängigkeit der Behörden, indem sie echte Fotos von sich (oder echte, nicht KI-generierte Bilder von Lisa) vor der natürlichen Pracht der Lotosblüten posten.
Sogar Institutionen wie die Government Savings Bank beteiligen sich am Hype und montierten kurzerhand ihr Maskottchen in die Kulisse. Die Kampagne mag handwerklich umstritten sein, doch das Ziel der TAT wurde auf unerwartetem Weg erreicht: Ganz Thailand spricht über das Rote Lotusmeer – und Lisa bleibt, ob echt oder generiert, die unangefochtene Königin des thailändischen Tourismus.
STIN // AI