Einst war er der unaufhaltsame „Posterboy“ der thailändischen Polizei. Heute steht General Surachate Hakparn, besser bekannt als „Big Joke“, vor den Trümmern seiner Karriere. Was als interner Machtkampf begann, hat sich zu einem beispiellosen Justiz-Thriller ausgeweitet: Es geht um Millionen-Bestechungen in Gold, schwere Misshandlungsvorwürfe ehemaliger Vertrauter und eine Polizei, die sich im Krieg gegen sich selbst befindet.

Das Ende einer Ära: Der Oberste Gerichtshof zieht den Schlussstrich

Für General Surachate Hakparn gab es am 8. Januar kein Zurück mehr. Der Oberste Gerichtshof Thailands zerschlug die letzten Hoffnungen des einstigen Superbullen auf eine Rückkehr in den Dienst. Die Richter bestätigten seine Entlassung aus dem Jahr 2024 als rechtmäßig. Grundlage waren Haftbefehle, die im Zuge von Korruptionsermittlungen gegen ihn ergangen waren. Damit ist das offizielle Kapitel seiner Polizeikarriere beendet – doch der eigentliche Krieg hat gerade erst begonnen.

Der tiefe Fall: Vom Thronanwärter zum Gejagten

Rückblick: September 2023. Surachate Hakparn steht kurz davor, der mächtigste Polizist des Landes zu werden. Doch in einer filmreifen Aktion stürmen Spezialeinheiten seine Residenz. Es ist der Startschuss für einen rasanten Abstieg. Während Surachate von einer politisch motivierten Intrige spricht, um seine Beförderung zu verhindern, ziehen die Ermittler die Schlinge enger.

Die Vorwürfe wiegen schwer: Systematische Korruption und Verwicklungen in illegale Geschäfte. Surachate konterte mit einem medialen Rundumschlag und bezeichnete die thailändische Polizei öffentlich als „größte kriminelle Vereinigung des Landes“. Eine Aussage, die ihm nicht nur Freunde einbrachte.

Das Gold-Komplott: Korruptionswächter im Dilemma

Besonders brisant ist ein neuer Strang der Ermittlungen: „Big Joke“ soll versucht haben, ein Mitglied der Nationalen Antikorruptionskommission (NACC) zu bestechen – und zwar mit Gold im Wert von bis zu 16 Millionen Baht (rund 400.000 Euro). Das Ziel: Die Einstellung der Verfahren gegen ihn.

Am vergangenen Mittwoch geriet die NACC jedoch in eine Sackgasse. Die Kommission erklärte, sie könne in diesem Fall nicht gegen sich selbst ermitteln. Da ein eigenes Mitglied involviert ist, muss laut Verfassung nun das Parlament eingreifen. Ein Fünftel der Abgeordneten ist nötig, um eine unabhängige Untersuchung einzuleiten. Der Fall liegt nun wieder bei den polizeilichen Ermittlern – ein juristisches Patt im Herzen des Machtapparats.

Neue Front: Der Vorwurf der Grausamkeit

Während die Korruptionsvorwürfe die Schlagzeilen beherrschen, ist nun eine zutiefst persönliche Front entstanden. Zwei ehemalige enge Mitarbeiter, Oberstleutnant Krit Pariyaket und Oberst Aris Kuprasitrat, brachen am 20. Januar ihr Schweigen. Ihre Schilderungen zeichnen das Bild eines Vorgesetzten, der Macht mit Gewalt gleichsetzte:

  • Der Schlag ins Ohr: Krit Pariyaket behauptet, Surachate habe ihm 2017 mit solcher Wucht gegen das Ohr geschlagen, dass sein Trommelfell riss. Die Folge: dauerhafter Hörverlust.

  • Psychoterror: Oberst Aris berichtet von jahrelangen verbalen Erniedrigungen und massiven Drohungen gegen seine Familie, die ihn in eine schwere psychische Krise stürzten.

Warum die Anzeigen erst neun Jahre später? Surachates Anwalt spricht von einer gezielten Schmutzkampagne und reichte umgehend Gegenanzeigen wegen Verleumdung ein. Er sieht darin den Versuch seiner Gegner, „Big Joke“ endgültig zu vernichten.

Das politische Beben: Phönix aus der Asche?

Trotz der erdrückenden Last der Vorwürfe ist Surachate Hakparn alles andere als am Ende. In Südthailand genießt er nach wie vor eine loyale Basis. Hinter verschlossenen Türen wird längst über seinen Wechsel in die Politik spekuliert. Gerüchte besagen, er könne in einer zukünftigen Regierung sogar als Minister zurückkehren – mit direkter Weisungsbefugnis über genau jene Behörde, die ihn nun zu Fall bringen will.

Fazit: Ein System am Abgrund

Der Fall „Big Joke“ ist mehr als das Schicksal eines einzelnen Mannes. Er ist das Symptom eines tiefen Grabenkampfes innerhalb der thailändischen Elite. Zwischen Goldbarren, psychiatrischen Gutachten und parlamentarischen Petitionen wird deutlich: Hier geht es nicht nur um Recht und Gesetz, sondern um die totale Kontrolle über den Sicherheitsapparat des Landes.

 

STIN // AI

Von stin

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Wolfgang Kempf
Wolfgang Kempf
19 Tage zuvor
Antwort auf  stin

In der Rheinischen Post Online wurde gemeldet laut Anutin wurden 88000 !👍 Drogenhändler verhaftet!
Was sagt STINdazu?

berndgrimm
berndgrimm
18 Tage zuvor
Antwort auf  stin

Als der Drogenkrieg 2002 wütete und viele „private“ Rechnungen beglichen wurden schob STIN dies Thaksin in die Schuhe.
Jetzt wo STIN’s großer Held Anutin selber einen Drogenkrieg anfängt um populär zu werden (Thaksin war nach dem Drogenkrieg populärer als zuvor) hat STIN die Drogenhändler „nicht mitgezählt“.
Wer wie ich während des Drogenkrieges schon in TH lebte der hat auch mitbekommen wer damals für den Drogenkrieg war.
Angefangen vom alten König bis zum letzten Polizisten und Soldaten eigentlich jeder Thai.
Ich habe später auch aus eigener Anschauung berichtet wie die Chalerm Prakiat Soi 14 in Nongbon zu einem großen Drogenhandelsplatz wurde.
Die Soi 14 des ChalermPrakiat liegt genau auf der Grenze zwischen dem Polizeibezirk Prawet und dem Polizeibezirk Udom Suk.
Beide Polizei Büros sind gleichweit weg.Weit weg.
So konnte man die Schuld am Nixtun immer auf die anderen schieben.Die Polizei hat überall mitkassiert.

berndgrimm
berndgrimm
18 Tage zuvor
Antwort auf  stin

Der braune Sumpf ist schon implodiert.Und Bad Joke stand mitten im Sumpf.
Ich habe nix gegen Surachate wenn er wenigstens irgendeine Polizeiarbeit gemacht hätte und sich nicht dauernd mit fremden Federn geschmückt hätte. Ja , natürlich müssen seine Gegner/Nachfolger genauso weg nur dadurch wird seine Schuld nicht geringer.
Keinen Good Cop in der Führung sondern nur Bad Cops , das heißt Kriminelle in Uniform.
Ich möchte auch keine Schuld Rangliste erstellen, ich bin nicht STIN der sich anmaßt von Kärnten aus Alles in TH bewerten zu können.
Was mich an Surachate abstieß war sein Verhalten während des Interviews durch den ARD Korrespondenten über den Mißbrauch des Jungen.
Wenn ich dieser Korrespondent gewesen wäre , ich hätte das Interview sofort abgebrochen und den Zuschauern erklärt warum.
Aber er wollte wohl seinen Job behalten und TH ist ein schönes Urlaubsland.
Aber die Kleinpimmeligen Thai Führer haben weder Persönlichkeit noch
Menschenachtung.Oder sie wissen daß sie keiner ernstnehmen kann auch wenn sie den Trump kopieren.
Und sie haben selber all das nicht was sie von Anderen erwarten, z.B. Anstand und Respekt.

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