Im Nordosten Thailands, dem traditionell wahlentscheidenden Isan, verschieben sich die tektonischen Platten der Macht. Während die etablierte Pheu Thai und die oppositionelle Volkspartei Federn lassen, feiert die Bhumjaithai-Partei einen beispiellosen Siegeszug. Eine neue Umfrage der Khon Kaen Universität zeigt: Die Wähler sehnen sich nach stabilen Koalitionen – und sind gegenüber „Wahlgeschenken“ erstaunlich pragmatisch.
KHON KAEN – Lange Zeit galt der thailändische Nordosten als uneinnehmbare Festung der Pheu Thai. Doch der Wind hat sich gedreht. Laut dem neuesten „E-san Poll“ der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Khon Kaen Universität erlebt die Region einen politischen Paradigmenwechsel, der die kommenden Wahlen entscheiden könnte.
Der rasante Aufstieg der „Blauen“
Die Zahlen sind eindeutig: Die Bhumjaithai-Partei hat ihre Popularität im Isan förmlich explodieren lassen. Von ehemals marginalen 4,1 % schoss die Partei auf beeindruckende 27,2 % in der Wählergunst empor.
Ganz anders das Bild bei den bisherigen Dominatoren:
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Pheu Thai: Erlebte einen massiven Absturz von 43,1 % auf nur noch 30,1 %.
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Volkspartei (People’s Party): Musste ebenfalls Verluste hinnehmen und sank von 33,2 % auf 30,3 %.
Obwohl die Volkspartei damit hauchdünn an der Spitze bleibt, ist ihr Vorsprung auf ein statistisches Rauschen zusammengeschrumpft. Die Region ist nun ein echtes Dreiergespann.
Wunschbündnis: Stabilität vor Ideologie
Interessanterweise spiegelt die Gunst für die Parteien nicht zwingend den Wunsch für die Regierungsbildung wider. Wenn es um die Macht im Staat geht, setzen die Menschen im Isan auf Realpolitik.
Die meistgewünschte Koalition ist ein Bündnis aus Pheu Thai und Bhumjaithai (35,3 %). Eine Zusammenarbeit zwischen der Volkspartei und Pheu Thai folgt mit 30,6 % auf Platz zwei. Dies ist besonders brisant, da die Volkspartei bereits klargestellt hat, den Bhumjaithai-Chef Anutin Charnvirakul unter keinen Umständen als Premierminister zu unterstützen.
Geld, Wirtschaft und die „moralische Flexibilität“
Die Umfrage, an der 1.090 Personen in 20 Provinzen teilnahmen, lieferte auch tiefere Einblicke in die Psychologie der Wähler. Für fast die Hälfte (45,2 %) ist die Wirtschaft das alles entscheidende Thema bei der Listenwahl.
Doch auch das Thema Korruption und Stimmenkauf bleibt präsent. Die Ergebnisse zeigen eine bemerkenswerte Ehrlichkeit:
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45,5 % lehnen Geldgeschenke strikt ab.
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Fast ebenso viele (44,7 %) geben an: Sie würden das Geld zwar nehmen, am Wahltag aber trotzdem für ihren eigentlichen Favoriten stimmen.
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Nur 7 % geben offen zu, dass sie ihre Stimme direkt gegen Bezahlung verkaufen würden.
Was erwarten die Bürger?
Abseits der großen Bühne wünschen sich die Menschen im Nordosten Volksvertreter, die anpacken. Ganz oben auf der Wunschliste stehen direkte Hilfe bei Problemen (21,4 %) und die Sicherung lokaler Budgets (21,1 %). Der Abgeordnete wird hier noch immer primär als lokaler Kümmerer und Brücke zur Bürokratie gesehen.
Auch der Ruf nach Veränderung wird lauter: 46,7 % der Befragten sprachen sich für eine komplett neue Verfassung aus – ein deutliches Signal an die politischen Akteure in Bangkok, dass das aktuelle Regelwerk in der Fläche an Rückhalt verliert.
STIN // AI
Ja, ich befürchte auch, dass BJT und PT eine Koalition bilden werden, vll mit DP dazu.
Wird lustig, sind dann 3 Parteien die sich bis aufs Blut bekämpft, sich gegenseitig angezeigt haben und sich
gegenseitig vernichten wollten.
Dann hoffe ich nur, nicht mit Wongsawat als PM, sondern mit Anutin.