In der heißen Endphase des thailändischen Wahlkampfs fliegen die Fetzen: Die Pheu-Thai-Partei wirft dem amtierenden Premierminister Anutin Charnvirakul vor, mit Kriegsängsten und nationalistischen Parolen von eigenem Regierungsversagen abzulenken. Während die Umfragewerte der „Blauen“ bröckeln, verschärft sich der Ton zwischen den politischen Lagern.

BANGKOK – Es ist ein klassisches Manöver aus dem Lehrbuch des politischen Überlebenskampfs: Wenn die Argumente für die eigene Bilanz fehlen, greift man zur Flagge. Khattiya Sawatdiphol, stellvertretende Generalsekretärin der Pheu-Thai-Partei, findet für das aktuelle Vorgehen von Bhumjaithai-Chef Anutin Charnvirakul deutliche Worte. Auf der Plattform X warf sie dem Kontrahenten vor, eine „Atmosphäre der Angst vor einem Krieg“ zu schüren, um seine schwindende Basis zu zementieren.

Alte Geister und neue Krisen

Anlass für die Kritik war eine lautstarke Kundgebung im Bangkoker Lumpini-Park. Dort inszenierte sich Anutin als unnachgiebiger Beschützer der thailändischen Souveränität und schwor seine Anhänger darauf ein, jeden Quadratmeter thailändischen Bodens gegen äußere Feinde zu verteidigen. Für Khattiya ist dies „altbackene Rhetorik“, die bereits in der Vergangenheit – etwa während der Grenzkonflikte mit Kambodscha – instrumentalisiert wurde.

„Es hat beim ersten Mal funktioniert“, räumte Khattiya ein, verwies jedoch darauf, dass die Wähler spätestens seit dem Krisenmanagement während der Überschwemmungen in Hat Yai wüssten, dass patriotische Reden kein Wasser abpumpen können. Anstatt sich in Debatten über politische Konzepte zu stellen, flüchte sich Anutin in die Rolle des Feldherrn, was seine Qualifikation für das höchste Staatsamt massiv infrage stelle.

Die „patriotische“ Trennungslinie

Die Strategie der Bhumjaithai-Partei scheint System zu haben. Der stellvertretende Parteivorsitzende Phiphat Ratchakitprakarn goss online zusätzlich Öl ins Feuer, indem er die Wahl zu einer existenziellen Entscheidung stilisierte: „Entscheidet euch für die patriotische oder die unpatriotische Seite.“

Ein Vorwurf, den Nattawut Saikuar, Wahlkampfstratege der Pheu Thai, nicht auf sich sitzen lassen will: „Niemand gründet eine Partei aus Hass auf sein Land“, konterte er trocken. Er forderte die „blaue Partei“ auf, über Konzepte statt über Anschuldigungen zu sprechen.

Ministerin im Rechtfertigungsdruck

Auch Handelsministerin Suphajee Suthumpun geriet ins Visier. Ihre Aussage, sie sei „keine Politikerin“, sondern diene lediglich der Nation, bezeichnete Khattiya als scheinheilig. Wer den Chefposten in einer Hotelkette gegen einen Ministersessel eintauscht, sei per Definition Politiker. Wenn Suphajee diesen Berufsstand verachte, solle sie hinterfragen, warum sie einer Partei voller erfahrener „Polit-Dinos“ beigetreten sei.

Der Schatten des „Schulleiters“

Besonders brisant wurde es, als die Sprache auf die persönlichen Abhängigkeiten der Spitzenkandidaten kam. Anutin hatte zuvor gespottet, er müsse als Premier weder auf einen „Onkel“ noch auf einen „Vater“ hören – eine klare Spitze gegen die Pheu-Thai-Frontfrau Paetongtarn Shinawatra und ihren Vater Thaksin.

Die Antwort von Nattawut ließ nicht lange auf sich warten. Er konterte, Anutin höre zwar vielleicht nicht auf seinen Vater, dafür aber umso mehr auf seinen „Schulleiter“ – eine unverblümte Anspielung auf Newin Chidchob, den mächtigen Strippenzieher aus Buri Ram. Nattawut legte den Finger in eine offene Wunde: Anutin residiere offiziell immer noch auf einem Anwesen in Khao Kradong, das laut Gerichtsurteilen eigentlich der staatlichen Eisenbahn gehört. Dass das von Anutin geführte Innenministerium hier bisher nicht durchgegriffen hat, verleiht dem Vorwurf der politischen Vetternwirtschaft zusätzliche Brisanz.

Das Fazit kurz vor dem 8. Februar: Während die einen mit der Angst vor dem Äußeren spielen, attackieren die anderen die moralische Integrität im Inneren. In diesem thailändischen Polit-Thriller ist das letzte Wort noch längst nicht gesprochen.

 

STIN // AI

Von stin

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gg1655
gg1655
9 Tage zuvor

Dort inszenierte sich Anutin als unnachgiebiger Beschützer der thailändischen Souveränität und schwor seine Anhänger darauf ein, jeden Quadratmeter thailändischen Bodens gegen äußere Feinde zu verteidigen.

Solche angeblichen Beschützer gibt es ja in vielen Ländern. Seltsamerweise sieht man sie nie kämpfend an der Front stehen.

berndgrimm
berndgrimm
6 Tage zuvor
Antwort auf  stin

xxxxxxxx

D überweist den Wehretat nicht in die Ukraine sondern an die Waffenindustrie meist in D.
Wo diese meist unbrauchbaren Waffen dann verschrottet werden wird sich zeigen.
Ja , ich bin auch mit STIN einer Meinung daß Vladi der Friedensengel endlich auch den FIFA Friedensnobelpreis von Infantino bekommen sollte.
Es gibt nicht nur in TH zig Millionen Nationalisten und Rassisten aber TH ist das einzige Land das ich kenne wo der Fremdenhaß von „staatlichen“ Stellen gepredigt wird.
Ich kenne auch kein Land wo der Unterschied zwischen eigenem Anspruch und der Realität so groß ist.
Wenn es keine Wahl geben würde wäre Anutin auch nicht Übergangs PM und gäbe es nicht soviel unsinnige und kontraproduktive Propaganda seitens der ungewählten Machthaber.
Man versucht hier wenigstens mit dem Maul Trumps Blödheit zu übertrumpen.
Nochetwas zur Weltlage:
Seit dem letzten großen Krieg sind 80 Jahre vergangen.
Deshalb werden die Deppen wieder übermütig und zündeln an den Lunten. Und plötzlich macht es Peng und keiner war es gewesen.
Ich bin 3 Jahre nach Kriegsende geboren und wir haben in Trümmern und mit Blindgängern oder scharfer Munition gespielt.
Damals gab es kein Plastikspielzeug und nur wenig altes Holzspielzeug.Wir hatten echte Abenteuerspielplätze wo hin und wieder auch mal ein Kind starb oder schwer verletzt wurde.
Wir hatten viel Freiraum weil unsere Eltern arbeiten mußten und die Omas auf unserer Seite waren.
Im Nachhinein gesehen hatten wir eine schöne Kindheit weil wir kein Geld hatten und kein Wirtschaftsfaktor waren.
Trotzdem hätten wir lieber wenigstens eigene Hula Hupp Reifen oder YoYo’s gehabt.Jeans und Schallplatten kamen erst viel später.

.

berndgrimm
berndgrimm
4 Tage zuvor
Antwort auf  stin

Hier ist meine Antwort von STIN sofort gelöscht worden.
Wahrscheinlich waren ihm diie XXXXX ausgangen.
Auch andere Beiträge von mir wurden kompett gelöscht.
STIN möchte heute und morgen mit sener Propaganda allein sein.
Ab Montag erkärt er warum er trotzdem Recht hatte.
Ich bin dann mal weg. BaBa.

Zuletzt bearbeitet am 4 Tage zuvor von berndgrimm
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