In der heißen Endphase des thailändischen Wahlkampfs gibt sich Anutin Charnvirakul, Chef der Bhumjaithai-Partei, gewohnt strategisch und angriffslustig. Im Exklusiv-Interview mit der Sendung Kammakorn Khao Nok Jo zeichnete der amtierende Innenminister das Bild einer Partei, die bereit ist, die politische Landkarte Thailands neu zu ordnen. Mit einer Zielmarke von 130 bis 200 Sitzen positioniert Anutin seine „blaue“ Fraktion als unumgängliches Machtzentrum – und stellt potenziellen Partnern von „Orange“ bis „Rot“ bereits klare Ultimaten.

Das Gesetz der Serie: Zwischen Bauchgefühl und harten Zahlen

Anutin ist kein Freund vager Versprechungen. Er verweist stolz auf seine Treffsicherheit als politischer „Prognostiker“: 2019 sagte er 52 Sitze voraus und holte 51; 2023 prophezeite er 73 und landete bei 71. Für die kommende Wahl setzt er die Messlatte nun deutlich höher.

„Mein Management-Instinkt sagt mir, dass wir die 100er-Marke locker überspringen werden“, so Anutin. Seine Zuversicht stützt sich auf ein präzises System: In über 160 Wahlkreisen schickt er erfahrene Abgeordnete ins Rennen, in weiteren 70 stehen Kandidaten bereit, die beim letzten Mal nur hauchdünn unterlegen waren. Die Strategie ist „organisch“: Seit 2023 wurden alle Kandidaten angewiesen, sich in ihren Provinzen so zu verhalten, als hätten sie das Mandat bereits inne – eine Dauerpräsenz, die nun Früchte tragen soll.

Expertise als Köder: Ein Kabinett der Schwergewichte

Um die Wähler von der Regierungsfähigkeit zu überzeugen, spielt Anutin bereits frühzeitig mit Namen. Mit Ekniti Nitithanprapas (Finanzen), Suphajee Suthumpun (Handel) und dem erfahrenen Diplomaten Sihasak Phuangketkeow (Außen) präsentiert er ein Team aus Technokraten und Wirtschaftsexperten. Ziel ist es, die „orange Welle“ der Volkspartei nicht nur mit Emotionen, sondern mit messbarer Kompetenz zu kontern. Insbesondere bei den Parteilisten-Mandaten hofft Anutin auf einen Sprung von drei auf bis zu 15 Sitze.

Koalitions-Poker: „Orange“ und „Rot“ unter Vorbehalt

Die spannendste Frage des Interviews betraf die künftigen Bündnisse. Anutin gab sich pragmatisch: Er schließt niemanden kategorisch aus – nicht einmal die als Erzrivalen geltende Volkspartei (Orange) oder das rote Lager. Doch wer mit dem blauen Riesen regieren will, muss Anutins „rote Linien“ akzeptieren.

Die Bedingungen sind unmissverständlich:

  • Schutz der Monarchie: Keine Rütteln an den Kapiteln 1 und 2 der Verfassung.

  • Paragraph 112: Eine Änderung des Majestätsbeleidigungsparagraphen ist mit Bhumjaithai nicht zu machen.

  • Integrität: Keine Zusammenarbeit mit Personen, die eine „zweifelhafte Vergangenheit“ haben oder unlautere Geschäfte betreiben.

Auf die Spitzelei von Natthaphong Ruengpanyawut (Volkspartei), der erklärte, Anutin niemals zum Premier zu wählen, reagierte dieser gelassen: „Er hat nicht gesagt, dass er eine Zusammenarbeit mit uns ablehnt.“

Der Anspruch: Platz eins oder nichts

Anutin erinnerte an das Credo seines Vaters: Im Wettbewerb zählt nur der Sieg. „Der Zweite wird schnell vergessen“, betonte er. Selbst wenn Bhumjaithai landesweit nicht die stärkste Kraft würde, müsse sie innerhalb ihres Bündnisses die Führung übernehmen.

Angriffe der Konkurrenz, etwa bezüglich der umstrittenen Landfragen in Khao Kradong, wischt er als „Falschinformationen“ beiseite. Er habe keinen Quadratzentimeter unrechtmäßigen Bodens und sei bereit, mit Transparenz zu punkten.

Am 8. Februar wird sich zeigen, ob Anutins mathematisches Bauchgefühl ihn erneut zum Königsmacher – oder gar zum König – Thailands macht. Die Botschaft an die Konkurrenz ist jedoch schon jetzt klar: Der Weg zur Macht führt nur über das blaue Lager, und die Bedingungen dafür stehen fest.

 

STIN // AI

Von stin

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berndgrimm
berndgrimm
1 Monat zuvor
Antwort auf  stin

Deja Vu : Bei Prayuth war STIN stolz darauf daß seine letzte Militärpartei überhaupt ein paar Sitze gewinnen (kaufen?) konnte.
Jetzt hat er bis auf Thaksins Pheua Thai auf jede Partei gesetzt um unbedingt zu den Siegern zu gehören.
xxxxxx
STIN und Anutin gehören zu den Leuten die noch nie in ihrem Leben Sport nach allgemeingültigen Regeln betrieben haben.
Nur die Nummer 1 zählt , Alles andere sind Verlierer.
Da starten am Donnerstag in Milano und Cortina also tausende Verlierer ?
xxxxxx
Was zählt ist zunächst einmal die eigene sportliiche Leistung!
Für viele ist es ein großartiger Erfolg sich für Olympia qualifiziert zu haben.
Viele die beim Weltcup immer um Platz 20-30 kämpfen wären begeistert wenn sie in den Top 10 landen würden.
Leute die so einen Quatsch wie Anutin oder STIN reden oder schreiben sind unfähig unter gleichen Bedingungen ohne Doping und ohne Bestechung und ohne Betrug gegen Andere zu kämpfen.Weil dann wären sie ja Verlierer…..
Ich habe in meinem Leben Schwimmen, Wasserball,Feldhockey, Eishockey und Motorsport betrieben.In keiner Sportart war ich Meister. Genau wie 99% meiner Gegner. Hätten wir lieber zu Hause bleiben sollen ? Nein denn das 1% Gewinner wurde in jeder Saison neu ermittelt und es kam meist aus den 99% Losern der Vorsaison.Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Und Sport ist gesund , nicht nur für den Körper sondern auch für den Geist
auch wenn man hinterherläuft oder fährt oder spielt.
Er ist wirklich Persönlichkeitsbildend.
Wozu gebe es sonst Behindertensport?

berndgrimm
berndgrimm
1 Monat zuvor

Na ja die aufgedunsene Fresse ist hauptsächlich Botox und Heiße Luft obwohl das Wetter hier so schön kühl ist.
Nein BJT ist nicht Nummer 2 sondern höchstens Nummer 3 und es wäre ein Erfolg wenn sie Nummer 2 werden würden.
Botox hat zwar Anutins Hackfresse geglättet aber verleiht ihm weder Persönlichkeit noch irgendeine Kompetenz.Na ja ,vielleicht doch im Wahlbetrug.Wir werden sehen.

berndgrimm
berndgrimm
1 Monat zuvor
Antwort auf  stin

Kurzer Blick in die Realität:
Anutin ist Übergangs PM bis zu der Wahl am Sonntag.
Vielleicht macht er dann als Diktator weiter, als gewählter PM wohl eher nicht.

xxxxxxx

Selbst der größtmögliche Wahlbetrug wird nicht zu einer Mehrheit der BJT
Aber sie wird wohl auf jeden Fall mitregieren weil nicht nur die Volkspartei braucht sie sondern auch die Ewiggestrigen wenn sie gewinnen wollen.
Jeder der noch alle Tassen im Schrank hat fragt sich zu Recht wo um Buddhas Willen die Stimmen für die BJT herkommen sollen.
Von der Volkspartei und der Pheua Thai wohl eher nicht und das andere ewiggestrige Gesocks hat garnicht genug Wähler.
Außerdem geben die ihre Randparteien wohl nicht auf.

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