Ein viraler Clip deckt auf, was Badegäste in Pattaya längst befürchtet haben: Ungefiltertes Abwasser fließt direkt ins thailändische Urlaubsparadies. Während sich ein Dienstleister in Ausflüchten übt, hat der Bürgermeister nun die Reißleine gezogen.

PATTAYA. Es sind Bilder, die so gar nicht zum Postkarten-Idyll von Thailands Küsten passen wollen: Ein gelber Lastwagen parkt am helllichten Tag am Strand von Jomtien, Schläuche ragen in dunkle Teiche, und eine übelriechende Brühe bahnt sich ihren Weg direkt in die Fluten des Golfs von Thailand.

Der Franzose Hervé Dejean, der die Szene direkt vor dem markanten D Varee Jomtien Beach Hotel festhielt, platzte am Montag der Kragen. „Schon wieder so ein Fall“, kommentierte er seine Aufnahmen auf Facebook. „Es ist wirklich schade, dass sich niemand um die Umwelt kümmert.“ Sein Appell an die Netzgemeinde verbreitete sich wie ein Lauffeuer und erreichte genau das, was er beabsichtigte: maximalen Druck auf die Verantwortlichen.

Die Spur des gelben Lastwagens

In dem Video ist deutlich zu sehen, wie ein gelber Saugwagen eine dunkle Flüssigkeit ablässt, während verwirrte Touristen das Weite suchen. Niemand wagte es an diesem Nachmittag, in der Nähe der Einleitung ins Wasser zu gehen.

Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Ein Vertreter der Firma BM Jet Service meldete sich in den sozialen Medien zu Wort, nachdem das Firmenlogo auf dem Lkw identifiziert worden war. Das Unternehmen, das eigentlich auf die Entsorgung von Industrieschlamm spezialisiert ist, versuchte jedoch umgehend, die Schuld von sich zu weisen. Man habe das Fahrzeug lediglich an einen Subunternehmer vermietet, der mit Landschaftsbauarbeiten am Strand beauftragt sei. Mit der Entsorgung des Abwassers habe man „keinerlei Beteiligung“.

Behörden bestätigen Skandal: Abwasser stand „im Weg“

Die Ausreden hielten der Untersuchung durch das Ministerium für Meeres- und Küstenressourcen nicht stand. Die Beamten deckten eine erschreckende Pragmatik auf: Der Bauunternehmer, der für die Verschönerung des Strandes zuständig war, stieß bei seinen Arbeiten auf eine große Menge angestauten Abwassers im Entwässerungssystem. Anstatt eine fachgerechte Entsorgung einzuleiten, wählten die Arbeiter den kürzesten Weg – sie pumpten die Kloake einfach direkt ins Meer, um ungehindert weiterbauen zu können.

Bürgermeister erstattet Anzeige

Die Konsequenzen folgen nun auf dem Fuße. Pattayas Bürgermeister, Porramate Ngampichate, bezog auf seiner offiziellen Facebook-Seite Stellung und kündigte harte Schritte an:

  • Strafanzeige: Die Stadt Pattaya hat formelle Beschwerde gegen den Bauunternehmer eingereicht.

  • Baustopp: Alle Arbeiten am betroffenen Strandabschnitt wurden mit sofortiger Wirkung untersagt.

  • Umweltanalyse: Experten entnehmen derzeit Wasserproben, um das Ausmaß der ökologischen Schäden und die Gefahr für Badegäste zu bestimmen.

Für Hervé Dejean ist dies ein Etappensieg. Er betont, dass dies kein Einzelfall war – bereits im September habe er ähnliche Praktiken beobachtet. Nun liegt es an der Polizei von Mueang Pattaya, dafür zu sorgen, dass der Strand von Jomtien nicht länger als billige Deponie für Bauunternehmer herhalten muss.

 

 

 

 

STIN // AI

Von stin

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest

1 Kommentar
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
{title}
WP Twitter Auto Publish Powered By : XYZScripts.com