Ein gebrauchter Luxusjet, dubiose Verbindungen ins Ausland und ein massiver Vorwurf der Steuer- oder Vermögensmanipulation: Der thailändische Polit-Aktivist Ruangkrai Leekitwattana nimmt den ehemaligen stellvertretenden Premierminister Suriya Juangroongruangkit ins Visier. Es geht um die Frage, ob bei einem 800-Millionen-Baht-Flugzeug der Rotstift zu großzügig angesetzt wurde.
Der Vorwurf: Wahlkampf über den Wolken
Der als „Whistleblower“ bekannte Ruangkrai Leekitwattana (Palang Pracharath Partei) hat bei der Wahlkommission (EC) offiziell Beschwerde eingereicht. Sein Verdacht: Suriya Juangroongruangkit, Schwergewicht der Pheu Thai Partei, soll während des Wahlkampfs einen Privatjet genutzt haben, ohne dies vorschriftsmäßig zu deklarieren. Ruangkrai fordert eine lückenlose Prüfung, ob diese Flüge gegen Abschnitt 73 des Wahlgesetzes verstoßen – ein Vergehen, das weitreichende Konsequenzen für die politische Karriere des Ex-Ministers haben könnte.
Das Rätsel um die Gulfstream G550
Im Zentrum des Skandals steht eine Gulfstream G550. Während Suriya den Wert der Maschine gegenüber der Antikorruptionsbehörde (NACC) mit lediglich 30 Millionen Baht (ca. 800.000 €) angab, schlägt Ruangkrai Alarm. Ein Flugzeug dieses Typs werde am Markt mit rund 800 Millionen Baht gehandelt.
Die Ungereimtheiten beschränken sich nicht nur auf den Preis:
-
Kaufdatum: Suriya gab an, den Jet am 17. September 2024 erworben zu haben.
-
Die Quelle: Der Jet soll über Benjamin Mauerberger (alias „Ben Smith“) vermittelt worden sein. Mauerberger gilt als Finanz-Strohmann für Yim Leak, einen einflussreichen kambodschanischen Geschäftsmann, der in Thailand wegen Geldwäschevorwürfen polizeilich gesucht wird.
Die Verteidigung: „Nur ein kleiner Anteil“
Die Pheu Thai Partei ging umgehend in die Offensive, um den Schaden zu begrenzen. Parteisprecher Kritchanon Aiyapanya versuchte, die Diskrepanz zwischen 30 und 800 Millionen Baht zu erklären: Die angegebenen 30 Millionen seien lediglich Suriyas persönlicher Anteil an dem Flugzeug, das sich im Familienbesitz befinde.
„Der Jet wurde am 13. September 2024 legal importiert. Inklusive Zöllen und Steuern belief sich der Gesamtpreis auf 862 Millionen Baht“, stellte Kritchanon klar.
Zudem betonte die Partei, dass der Jet zuletzt im November des vergangenen Jahres genutzt wurde und alle Importvorgänge rechtmäßig abgelaufen seien.
Die nächsten Schritte
Die Wahlkommission muss nun entscheiden, ob die Nutzung des Jets als unzulässiger Wahlkampfvorteil gewertet wird. Gleichzeitig steht die Antikorruptionsbehörde (NACC) unter Druck, die Eigentumsverhältnisse und die Bewertung des Flugzeugs zu klären. Sollte sich herausstellen, dass Suriya Vermögenswerte bewusst verschleiert hat, droht ihm ein juristisches Nachspiel, das die aktuelle Regierung erschüttern könnte.
STIN // AI