Zwei Tage vor dem Urnengang verwandelt die Demokratische Partei das One Bangkok Forum in einen Hexenkessel. Während die Schlange der Anhänger bereits Stunden vor Beginn bis auf die Straße reicht, zielt Spitzenkandidat Abhisit Vejjajiva direkt auf das Herz seines größten Rivalen: Er wirft Premierminister Anutin vor, sich der demokratischen Prüfung zu entziehen.

BANGKOK – Die Luft im One Bangkok Forum ist elektrisiert. Es ist der 6. Februar 2026, 15:00 Uhr, und die thailändische Hauptstadt hält den Atem an. In weniger als 48 Stunden entscheiden die Bürger über die Zukunft des Landes. Unter dem programmatischen Banner „Sicherer Weg nach vorn, vertraut Abhisit“ bläst die traditionsreiche Demokratische Partei zur finalen Attacke.

Als Abhisit Vejjajiva um 16:30 Uhr gemeinsam mit seinen Schwergewichten Korn Chatikavanij und Kandee Leowphairoj das Podium betritt, schlägt ihm eine Welle der Euphorie entgegen. Doch hinter dem Lächeln des Oxford-Absolventen verbirgt sich eine messerscharfe Analyse der aktuellen politischen Lage.

„Wahlen sind kein Zeremoniell“

In einem Exklusiv-Interview am Rande der Veranstaltung gibt sich Abhisit kämpferisch. Trotz eines späten Starts im Wahlkampf sieht er seine Partei auf einer massiven Aufholjagd. Doch sein eigentliches Ziel an diesem Abend ist die Integrität des demokratischen Prozesses.

Mit Blick auf die hitzige Debatte vom Vortag lässt er kein gutes Haar an der Weigerung von Amtsinhaber Anutin Charnvirakul (Bhumjaithai-Partei), in den direkten Dialog zu treten. „Wer Premierminister werden will, muss sich einer kritischen Prüfung unterziehen“, fordert Abhisit mit Nachdruck. Eine Wahl sei kein ritueller Akt, sondern ein globaler Standard des Ideenaustauschs.

Der Vorwurf: Intransparenz und „Politik der Hintertür“

Besonders brisant: Abhisit greift die Wahlkampf-Taktik der Konkurrenz scharf an. Er wirft die Frage auf, warum Parteien der Wahlkommission nur Bruchstücke ihrer Pläne vorlegen, während sie auf den Straßen mit vollmundigen Versprechen werben, die in keinem offiziellen Dokument auftauchen.

„Sind das tatsächlich Parteiprogramme oder bloße Schattenboxerei?“ fragt Abhisit rhetorisch in die Menge.

Die Absage Anutins an ein direktes Gespräch kommentiert der Oppositionsführer mit einer Mischung aus Spott und demokratischem Ernst: „Er spricht nicht mit mir – er spricht mit der Öffentlichkeit. Der Premierminister glaubt vielleicht, es reiche aus, seine Macht und die Medien zu nutzen, um uns aus der Ferne zu kritisieren. Aber jeder mit einem echten demokratischen Herzen muss bereit sein für den offenen Wettbewerb.“

Der Kampf um Bangkok

Auch Sakoltee Phattiyakul, der stellvertretende Parteivorsitzende, nutzt die Bühne für einen emotionalen Appell an die Hauptstädter. Er warnt vor den Unkenrufen in den sozialen Medien, die das Ende der Demokraten in Bangkok heraufbeschwören.

„Wir brauchen jeden Sitz, um die Regierungsbildung entscheidend zu beeinflussen“, so Sakoltee. Er erinnerte die Wähler daran, dass jene Stimmen, die die Demokraten bereits totgesagt hatten, in der Vergangenheit selbst an der Härte der Bangkoker Wähler gescheitert seien.

Der Abend im One Bangkok Forum macht eines deutlich: Die Demokratische Partei geht nicht als Statist in den Wahltag am 8. Februar. Sie geht als moralisches Gewissen in ein Rennen, das knapper kaum sein könnte.

 

STIN // AI

Von stin

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berndgrimm
berndgrimm
1 Monat zuvor
Antwort auf  stin

moralisches Gewissen

xxxx

Abhisit war der einzige PM in TH seit den ersten beiden Thaksin Jahren der auch etwas fürs Volk geleistet hat.Trotz Thaksins und Prayuth’s Volksrevolutionsfestival.
Aber dies ist lange her.Inzwischen hat er sich von Jurin die DePen Partei wegnehmen lassen und bei den Thai ist er nicht populärer geworden.
Er wäre der ideale PM für die Expats weil er nicht Englisch plappert sondern auch versteht.

berndgrimm
berndgrimm
1 Monat zuvor
Antwort auf  stin

Na ja , heute will Abhisit mit seinen 20 oder so Abgeordneten direkt in die Opposition und Chuan hatte sich leider schon von Prayuth kaufen lassen und den Demokratie Kaspar gespielt.
Anutins „Englischkenntnisse“ zeigt die Stephff Karikatur unten.

Noch etwas zu seiner Erklärung über die Dusch-Angewohnheiten der Farangs.

Hätte er so nicht sagen dürfen, auch meine Ansicht.
Aber wenn man bei der Immigration vorbei geht, oder dort in der
Schlange steht, dann versteht man Anutin´s Erklärung.

Da stehen Farangs, die würde man in DE als Penner bezeichnen.
Rip-Shirt, Bermudas und wirklich vermutlich tagelang nicht geduscht.
Frau eines Kunden beschwerte sich auch mal bei meiner Frau über ihren Farang-Mann.
10 Tage oder so – einmal duschen. Fürcherlich…… – aber vermutlich juckte halt das
Geld. 🙂

Also, so unrecht hatte Anutin nicht, vielleicht hatte er mal das Pech, in der Nähe eines solchen
„Farangs“ zu stehen und Thais, riechen verdammt gut –> kurze, kleine Nase 🙂

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