Im Hauptquartier der Bhumjaithai-Partei herrscht Ausnahmezustand. Während draußen die Nacht über Bangkok hereinbricht, drängen sich im Inneren Gratulanten und Reportervertreter so dicht, dass kaum ein Durchkommen ist. Mittendrin: Ein sichtlich euphorischer Parteichef Anutin Charnvirakul, der den Sieg bereits vor Augen hat.
Ein komfortabler Vorsprung
Gegen 22 Uhr, nachdem etwas mehr als 20 % der Stimmen ausgezählt waren, trat Anutin vor die Presse. Die Zahlen, die zu diesem Zeitpunkt vorlagen, zeichnen ein deutliches Bild einer politischen Machtverschiebung. Sollte der aktuelle Trend anhalten, steuert Bhumjaithai auf einen historischen Erfolg zu:
-
Bhumjaithai: Prognostizierte 190 Sitze
-
Volkspartei: Knapp 100 Sitze
„Alles deutet darauf hin, dass wir als Sieger aus dieser Wahl hervorgehen werden“, erklärte Anutin selbstbewusst, mahnte jedoch gleichzeitig zur Geduld: „Auch wenn eine offizielle Bekanntgabe noch in weiter Ferne liegt, ist unser Vorsprung mehr als komfortabel.“
Die „orange“ Niederlage
Besonders brisant: Das Duell gegen das Lager der „Orangen“ scheint vorzeitig entschieden. Während Anutin von Gratulanten umringt wurde, hatte sein Kontrahent, der Vorsitzende der Volkspartei Natthaphong Ruengpanyawut, die Niederlage faktisch bereits eingeräumt – ein ungewöhnlicher Schritt zu einem so frühen Zeitpunkt der Auszählung.
Anutin führt den Erfolg unter anderem auf die Popularität von Handelsministerin Suphajee Suthumpun zurück, die im Wahlkampf als Zugpferd fungierte. Dennoch bleibt der Parteichef staatsmännisch: „Wir danken jeder einzelnen Stimme. Aber die endgültigen Ergebnisse der Wahlkommission sind entscheidend. Wir werden diese in Demut abwarten.“
Machtpoker noch unter Verschluss
Fragen zur künftigen Regierungsbildung wich Anutin geschickt aus. Trotz der Feierstimmung im Saal betonte er, dass es verfrüht sei, über Koalitionen zu sprechen, solange die Wahlkommission das letzte Wort nicht gesprochen hat. Klar ist jedoch: Mit knapp 190 Sitzen im Rücken wird an Anutin Charnvirakul bei der Formung der nächsten Regierung kein Weg vorbeiführen.
STIN // AI