Nach den ersten Hochrechnungen zur thailändischen Parlamentswahl herrscht im Lager der Bhumjaithai-Partei Siegesstimmung. Parteichef Anutin Charnvirakul tritt bereits als Architekt der künftigen Regierung auf – hält sich bei der Partnerwahl jedoch alle Optionen offen.
BANGKOK – Die Würfel in Thailand scheinen gefallen, zumindest wenn es nach Anutin Charnvirakul geht. In einer feierlichen Erklärung dankte der Chef der Bhumjaithai-Partei den Wählern im ganzen Land und reklamierte den Wahlsieg für seine Fraktion. Zwar steht die offizielle Bestätigung der Mandatsverteilung durch die Wahlkommission noch aus, doch Anutin stützte sich auf parteieigene Daten aus den Regionen: Alles deute darauf hin, dass Bhumjaithai als stärkste Kraft aus dem Urnengang am Sonntag hervorgehe.

Ein Mandat für den Wandel
Für Anutin ist das Ergebnis mehr als nur eine statistische Mehrheit. Er stilisierte den Vorsprung zu einem klaren Auftrag der Bevölkerung hoch. Die Wähler hätten Bhumjaithai zur „Anlaufstelle für langjährige Probleme“ gemacht und die Partei ganz bewusst an der Spitze der künftigen Regierung positioniert.
In seiner Rede schlug er staatstragende Töne an:
„Wir akzeptieren die Erwartungen der Wähler mit Demut. Unsere Priorität liegt auf einer integeren Regierungsführung und der Wahrung der Demokratie mit dem König als Staatsoberhaupt.“
Gleichzeitig bewies er politische Etikette und gratulierte den gewählten Abgeordneten aller Lager, die sich das Vertrauen der Öffentlichkeit sichern konnten.
Pokerspiel um die Koalition
Trotz der Euphorie bleibt die entscheidende Frage nach der künftigen Machtkonstellation unbeantwortet. Wer wird mit wem? Auf die drängenden Fragen der Journalisten nach potenziellen Koalitionspartnern reagierte Anutin mit taktischer Gelassenheit.
Noch sei es zu früh für verbindliche Zusagen. Man müsse zunächst die endgültige Stabilisierung der Zahlen abwarten. Der nächste strategische Schritt: Eine interne Sitzung des Parteivorstands, in der die Leitplanken für die kommenden Verhandlungen festgezurrt werden sollen. In Bangkok beginnt damit das große politische Pokerspiel – und Anutin sitzt vorerst am längeren Hebel.
STIN // AI