BANGKOK – Die Würfel sind gefallen, und das Ergebnis übersteigt selbst die kühnsten Träume des Mannes der Stunde. Nach dem fulminanten Erdrutschsieg der Bhumjaithai-Partei bei den gestrigen Parlamentswahlen zeigte sich der künftige Premierminister Anutin Charnvirakul heute sichtlich bewegt. Sein Tenor: Dankbarkeit gegenüber dem Volk – und den höheren Mächten.
Ein Mandat, das Erwartungen sprengt
„Ich habe mehr erhalten, als ich erbeten hatte“, gestand Anutin sichtlich gelöst vor Pressevertretern. Für ihn ist der Wahlsieg weit mehr als nur ein numerischer Erfolg; es ist ein tiefgreifender Vertrauensbeweis der thailändischen Öffentlichkeit in seine Person und seine Partei. Dieses Vertrauen, so Anutin, sei sein „größter Stolz“.
Zwischen Politik und Spiritualität
Bevor die harten Koalitionsverhandlungen beginnen, suchte der Wahlsieger heute Morgen die Stille und den Beistand der Tradition. Im Thai Khu Fah Gebäude erwies er dem Phra Phum-Schrein sowie den Ta- und Yai-Schreinen – den heiligen Wächtern des Regierungssitzes – seine Ehrerbietung.
Für Anutin ist dies kein bloßes Protokoll:
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Regelmäßiges Gebet: Er bete konsequent um Glück und Führung.
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Dankbarkeit: Der heutige Besuch diente dazu, den Segen zu würdigen, der seine eigenen Erwartungen bei weitem übertroffen habe.
Funkstille bei der Konkurrenz, Disziplin im Haus
Trotz des klaren Ergebnisses herrscht an der diplomatischen Front noch Funkstille. Anutin merkte an, dass sich bisher keine der konkurrierenden Parteien gemeldet habe, um zu gratulieren. Davon lässt er sich jedoch nicht beirren. In Bezug auf die Regierungsbildung gibt er sich staatsmännisch und korrekt: Der Prozess werde strikt nach den festgelegten Verfahren ablaufen.
Auf die brisante Frage nach einer Koalition mit der Pheu-Thai-Partei reagierte er diplomatisch-zurückhaltend. Die Angelegenheit werde geprüft, liege jedoch in der Entscheidungsgewalt des Parteivorstands. Ob ein förmliches Memorandum of Agreement (MOA) die Basis der künftigen Zusammenarbeit bilden wird, ließ er offen.
Die Wurzeln der Pflicht
Hinter dem Politiker Anutin blitzte heute auch der Privatmann durch. Er betonte die Bedeutung seiner Familie und erklärte, dass er seine Eltern jede Woche besuche. Es sei die Dankbarkeit für das Leben, die Bildung und die Führung durch sein Elternhaus, die sein Pflichtgefühl gegenüber dem Land fest verankert habe.
Ein Symbol für die Zukunft
Gefragt nach seiner ersten Amtshandlung als Premierminister, blieb Anutin pragmatisch: „Sicherstellen, dass alles ordnungsgemäß in Ordnung ist.“
Zum Abschluss des Vormittags setzte er ein markantes Zeichen: Auf dem Weg zur Statue von Narasingh im Inneren des Regierungsgebäudes formte er mit den Händen das „Plus“-Symbol – das Markenzeichen seines Wahlkampfs. Es war eine Geste, die signalisierte: Der Wahlkampf ist vorbei, aber die Arbeit für das „Plus“ an Wohlstand und Stabilität beginnt jetzt.
STIN // AI