Trotz tausender Beschwerden und vereinzelter Pannen wertet die thailändische Wahlkommission die historischen Parlamentswahlen und das Verfassungsreferendum als vollen Erfolg. Während Premierminister Anutin Charnvirakul seine Machtbasis massiv ausbaut, wirft die Opposition einen kritischen Blick auf den Auszählungsprozess.

BANGKOK – Es war ein logistischer Kraftakt: Über 99.000 Wahllokale, 1,5 Millionen Helfer und eine Weichenstellung für die Zukunft des Landes. Am Montag erklärte die Wahlkommission (EC) die Durchführung der Parlamentswahlen sowie des Verfassungsreferendums offiziell für abgeschlossen. Das Fazit des EC-Vorsitzenden Narong Klunwarin fiel triumphal aus: Mit einer Fehlerquote von „weniger als 0,01 %“ habe man die thailändischen Standards auf internationales Niveau gehoben.

Ein Erdrutschsieg für die Bhumjaithai-Partei

Das inoffizielle Dashboard der Wahlkommission zeichnete bereits in den frühen Morgenstunden des Montags ein klares Bild. Nach Auszählung von 94 % der Stimmen steht fest:

  • Bhumjaithai-Partei: Die Partei des amtierenden Premierministers Anutin Charnvirakul dominiert mit 174 Sitzen.

  • Volkspartei: Die Opposition folgt mit deutlichem Abstand und 87 Sitzen.

  • Pheu-Thai-Partei: Das traditionsreiche Lager kommt lediglich auf 58 Sitze.

Parallel dazu stimmte das Volk über eine neue Verfassung ab. Hierbei zeigten die Bürger eine klare Tendenz: Rund 19,86 Millionen Wähler (60 %) sprachen sich für einen Neuentwurf aus, während etwa 10,48 Millionen (32 %) mit „Nein“ stimmten. Die Wahlbeteiligung lag bei soliden 64 %.

Zwischen „Präzision“ und 4.000 Fehlermeldungen

Trotz der offiziellen Selbstzufriedenheit der Kommission gibt es Risse in der Fassade der perfekten Wahl. Die Beobachtungsplattform iLaw meldete bis Montag landesweit mindestens 4.000 Vorfälle, die zumeist während der öffentlichen Stimmauszählung registriert wurden.

Narong Klunwarin wies die Kritik jedoch weitgehend zurück. Zwar nehme man die öffentliche Resonanz wahr, doch die minimalen Fehler hätten „keinen Einfluss auf das Gesamtergebnis“. Dass die Kommission dennoch hart durchgreift, zeigt ein Vorfall in der Provinz Nan: Dort hatte ein Wahlhelfer 69 Stimmzettel falsch abgerissen – die EC erstattete umgehend Anzeige. „Jeder, der Stimmzettel beschädigt, muss mit rechtlichen Konsequenzen rechnen“, betonte Narong unmissverständlich.

Ermittlungen wegen Einschüchterung laufen

Hinter den Kulissen beginnt nun die juristische Aufarbeitung. Aktuell untersucht die Wahlkommission 111 formelle Beschwerden. Die Vorwürfe wiegen schwer:

  1. Mutmaßliche Einschüchterung oder Nötigung von Wählern.

  2. Versprechen von unzulässigen Vorteilen (Stimmenkauf).

Während die internationalen Beobachter für ihre Unterstützung gelobt wurden, bleibt abzuwarten, wie stabil das neue politische Gefüge unter der Führung von Anutin Charnvirakul und der geplanten Verfassungsreform tatsächlich sein wird.

 

STIN // AI

Von stin

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berndgrimm
berndgrimm
27 Tage zuvor

Nicht ja zur Verfassung sondern NEIN zur Militärverfassung von 2017 und
JA zu einer neuen Verfassung die aber Dank Anutin und seiner Auftraggeber für die Bürger und die Zukunft TH auch nicht besser wird.
Ja , die größten Politbetrüger des Landes ( Anutin und Thamanat) haben die „Wahl“ oder besser die Wahlfälschung gewonnen.
Was Anutin trotz Skrupellosigkeit fehlt bring sein Bruder im Geist Thamanat schon mit. Internationale kriminelle Erfahrung, schließlich saß er in Australien schon wegen Drogenhandels im Knast.
STIN behauptete ja immer daß der Stimmenkauf das Schlimmste wärer , während ich meinte daß es bei der Übertragung der Zählergebnisse viel mehr Möglichkeiten zum Wahlbetrug gibt.
Anutin und Thamanat haben wohl beides gemacht , deshalb das Ergebnis.

Übrigens STIN’s Ergebnis oben stimmt wohl nicht, laut BP von Heute ist es
https://www.bangkokpost.com/thailand/politics/3193924/what-the-election-results-reveal

BJT 194 Sitze laut Wiki 193
PP 116 Sitze laut Wiki 118
PT 76 Sitze
Klatham 58 Sitze
Dem 22 Sitze

Eigentlich würde der BJT eine Koalition mit Klatham reichen mit 252 bzw 251 Stimmen , aber man will wohl auch noch die PT ins Boot holen.
Wahscheinlich hat man Angst daß Thaksin einige von Thamanat und Anutin gekaufte Mandate zurückkaufen will.
Wie sieht nun die „Niederlage“ der Volkspartei aus ?
Natürlich entspricht das Ergebnis nicht der Realität aber es wird als offizielles Wahlergebnis verkauft.
Gegenüber der relativ sauberen Wahl von 2023 hat man erheblich verloren ,gegenüber der ähnlich manipulierten Wahl von 2019 hat man sogar etwas gewonnen.
Ich muß BJT und ihren Helfershelfern ein Kompliment machen:
Man hat die Kriegsspiele mit Hun Sen exzellent inszeniert und es sind nicht mehr Menschen zu Schaden gekommen als jede Nacht auf TH Straßen.
Thaksin hat sich verscheißern lassen und Paetongtarn unnötigerweise geopfert.
Niemand in meinem „echten“ Thai Umfeld glaubt dieses Ergebnis und den wundersamen Aufstieg der BJT und Anutins.
Ich fürchte wir werden eine ähnlich lange Untätigkeitsphase wie unter dem Prayuth Regime erleben. Es geht für die Ewiggestrigen nur darum die Reformkräfte dauerhaft von der Regierungsbildung abzuhalten.
Außerdem hat man mit Donald Trump ,Kingpin Xi und Vladi dem Schrecklichen genau das richtige Umfeld für Anutin.
Was passiert mit der Volkspartei ?
Das Gleiche wie mit Future Forward und mit Move Forward.
Man will sie verbieten und die Führung kaltstellen weil sie auch als Oppositionspartei eine zu große Gefahr für die ewiggestrigen Machthaber hier ist.
Ich habe Gestern ja hier einen Artikel der New York Times zur Wahl eingestellt.
Heute kam mit dem Ergebnis ein ähnlicher Artikel in der BBC.
Ich hoffe die noch nicht Trump versifften Politiker im Westen wachen endlich auf. Kein einseitiges FTA mit TH! Davon hat die arbeitende Bevölkerung garnix!!
Und für die Volkspartei: Nur weiter so.Sie ist die einzige Oppositionspartei und die einzige Partei mit einem Programm fürs Volk.

Noch ein Lichtblick:
In Bangkok , Pathum Thani und Samut Prakan gewann die Volkspartei
48 von 49 Mandaten ! Wahrscheinlich deshalb weil im Großraum BKK die Kontrolle der Wahllokale durch die Parteien am effektivsten war.
Thaksins Pheua Thai verlor alle 11 Wahlkreise in Chiang Mai an Klatham und BJT. Wahrscheinlich aufgrund der großartigen Propaganda STIN’s in Kärnten.

Zuletzt bearbeitet am 27 Tage zuvor von berndgrimm
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