BANGKOK – Es sind Zahlen, die wie ein politisches Beben wirken: Am 10. Februar 2026 legte KRAC Corruption (Chulalongkorn-Universität) die neuesten Ergebnisse des Korruptionswahrnehmungsindex (CPI) 2025 von Transparency International (TI) offen. Das Urteil für Thailand fällt vernichtend aus. Mit nur 33 von 100 möglichen Punkten stürzt das Land auf den 116. Platz ab – ein Rückschlag, der weit mehr als nur eine statistische Randnotiz ist.

Während Dänemark (89 Punkte) und Finnland (88 Punkte) die Weltspitze sauberer Staatsführung anführen, rutscht Thailand im Vergleich zum Vorjahr (34 Punkte) weiter ab. Besonders schmerzhaft ist der Blick auf die Nachbarn: Im ASEAN-Vergleich ist das Königreich vom fünften auf den siebten Platz durchgereicht worden. Singapur bleibt mit 84 Punkten der unangefochtene Primus der Region, während Thailand nun sogar hinter Vietnam und Indonesien rangiert.

Das „schlechteste Ergebnis seit 19 Jahren“

Dr. Mana Nimitmongkol, Vorsitzender der Anti-Korruptionsorganisation Thailands (ACT), fand am späten Nachmittag deutliche Worte. Das Ergebnis sei „sehr schlecht“ – schlimmer noch, es sei die niedrigste Punktzahl seit fast zwei Jahrzehnten.

„In den letzten zwei Jahren haben wir unter drei verschiedenen Regierungen keine klaren Richtlinien zur Korruptionsbekämpfung gesehen“, kritisierte Mana. Der Index sei ein Spiegelbild struktureller Defizite: mangelnde Transparenz in der Bürokratie, Schwächen im Justizsystem und eine Aufsicht, die gegenüber den Mächtigen oft zahnlos bleibe. Besonders brisant: Thailands Wert nähert sich mit 33 Punkten gefährlich dem Durchschnitt nicht-demokratischer Staaten (32 Punkte) an, während „unvollkommene Demokratien“ üblicherweise bei 47 Punkten liegen.

Investoren verlieren das Vertrauen

Die Analyse zeigt eine interessante Diskrepanz: Während sich formale politische und rechtliche Strukturen auf dem Papier leicht verbesserten, stürzten die Werte bei der Wahrnehmung durch Investoren und den Privatsektor ab. Das IMD World Competitiveness Yearbook signalisiert, dass der Wettbewerb zunehmend durch unlautere Einflüsse verzerrt wird.

Ein symbolträchtiger Tiefpunkt des vergangenen Jahres war zudem der Einsturz des Gebäudes des staatlichen Rechnungshofes Anfang 2025. Laut Dr. Mana legte dieser Vorfall die Fragilität der unabhängigen Aufsicht und die Unfähigkeit, Hauptverantwortliche zur Rechenschaft zu ziehen, schonungslos offen.

Vier Prioritäten gegen den Verfall

Transparency International mahnt für 2026 dringende Reformen an, um den freien Fall zu stoppen:

  1. Unabhängige Justiz: Ein transparentes System, das für alle Bürger zugänglich ist.

  2. Einflusskontrolle: Schutz politischer Entscheidungen vor unzulässiger Einflussnahme von außen.

  3. Opferschutz: Den Geschädigten von Korruption den Weg zum Recht ebnen.

  4. Zivilgesellschaft stärken: Schutz für Hinweisgeber (Whistleblower) und Journalisten.

Der Bericht erinnert daran, dass der CPI zwar „nur“ die Wahrnehmung misst, diese Wahrnehmung aber die Realität von Investitionen, Vertrauen und letztlich der nationalen Stabilität formt. Für Thailand ist die Botschaft klar: Ohne radikale Kehrtwende droht das Land den Anschluss an die moderne Weltgemeinschaft zu verlieren.

 

 

STIN // AI

Von stin

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