PRACHIN BURI / BANGKOK – Thailands politisches Parkett gleicht einem Pulverfass. Während Premierminister Anutin Charnvirakul versucht, staatstragende Gelassenheit auszustrahlen, formiert sich in den Provinzen und der Hauptstadt lautstarker Widerstand gegen das offizielle Wahlergebnis. Der Vorwurf: massive Manipulation.

Anutin Charnvirakul, der sowohl als Regierungschef als auch als Vorsitzender der einflussreichen Bhumjaithai-Partei agiert, bezog gestern Abend in Prachin Buri Stellung zur wachsenden Instabilität. Sein Tenor: Die Regierung hält sich raus. „Die Wahlkommission hat die alleinige Befugnis zu entscheiden, ob eine landesweite Neuauszählung oder selektive Prüfungen in Verdachtsfällen notwendig sind“, erklärte er kühl. Solange alles im Rahmen des Gesetzes bleibe, habe er kein Problem mit einer erneuten Prüfung der Stimmzettel.

Doch hinter der diplomatischen Fassade wächst der Druck. Bis zur offiziellen Verkündung der Ergebnisse bleibt Anutin zwar geschäftsführend im Amt, doch die Legitimität seiner Verwaltung wird auf der Straße massiv infrage gestellt.

Proteste von Suphan Buri bis Bangkok

In Suphan Buri eskalierte die Lage gestern Abend vor dem Bezirksamt. Rund 300 Demonstranten belagerten das Gebäude, um Druck auf die Provinzwahlbeamten auszuüben. Ihr Ziel: Eine sofortige Neuauszählung in fünf Wahlkreisen, in denen sie Betrug wittern.

Gleichzeitig füllte sich in Bangkok der Platz vor dem Bangkok Art and Culture Centre. Vor allem junge Menschen folgten dem digitalen Ruf der „Vereinigten Front von Thammasat und Demonstration“ (UFTD). Die Botschaft war unmissverständlich: Eine landesweite Neuauszählung ist die einzige Option, um das Vertrauen in die Demokratie wiederherzustellen.

Das Comeback der „Drei-Finger“-Bewegung

Besonders brisant: Mit der UFTD kehrt eine Gruppierung auf die Bildfläche zurück, die den thailändischen Staat bereits zwischen 2020 und 2022 in seinen Grundfesten erschütterte. Die als „Drei-Finger“-Bewegung bekannt gewordenen Aktivisten hatten damals mit Forderungen nach einer Reform der Monarchie und der Abschaffung des Majestätsbeleidigungs-Paragrafen für nationale Schockwellen gesorgt.

Nachdem es durch die COVID-Pandemie und die Inhaftierung oder Flucht prominenter Köpfe wie Anon Nampa und Parit Chiwarak ruhig um die Bewegung geworden war, scheint die aktuelle Wahlkrise wie ein Brandbeschleuniger zu wirken. Die Rufe nach Transparenz mischen sich nun erneut mit den radikalen Reformforderungen von einst.

Die Wahlkommission steht nun vor einer Zerreißprobe: Beugt sie sich dem öffentlichen Druck für eine Neuauszählung oder riskiert sie eine weitere Eskalation der Proteste in einem ohnehin tief gespaltenen Land?

 

STIN // AI

Von stin

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26 Tage zuvor

Dabei ist die Wahlkommission genau so korrupt wie BJT. Thailand ist weiter abgerutscht im Ranking der Korruption auf 33 Punkte, was meiner Ansicht nach noch immer viel zu viel ist.

berndgrimm
berndgrimm
25 Tage zuvor
Antwort auf  stin

xxxxxx

Mit den Visa Betrügern hat STIN vollkommen Recht, allerdings vergaß er die Zusammenhänge zu erwähnen.
Wenn jemand den Immi Beamten besticht so geht das Geld erstmal an den. Auch wenn er den größten Teil an seine
Chefs abliefern muß.
Die Visa Offices arbeiten direkt mit den Chefs und die Bestechungsgelder gehen direkt an die Chefs.
Die verteilen zwar einen kleinen Teil als Schweigegeld an ihre Untergebenen , aber das meiste bleibt bei ihnen.

Zuletzt bearbeitet am 25 Tage zuvor von berndgrimm
berndgrimm
berndgrimm
25 Tage zuvor
Antwort auf  stin

xxxxxx

Ja , natürlich werden die armen Rentner (die unter 1800€ Renten bekommen) zur Korruption gezwungen aber man muß ja nicht in TH leben! Es gibt soviele Urlaubsländer (auch in der EU) die auf Dauer billiger als TH für einen deutschen Rentner sind und wo man zumindest bei den Behörden besser behandelt wird als in TH.
Nein , Grab liefert noch keine Jahresvisa aus. Kommt vielleicht noch.
Der THB ist stark wegen des Devisenüberflußes in TH.
Das wird sich auch nicht ändern , dank der japanischen und später vielleicht chinesischen Industrie und den ausländischen Touristen.Bei Mindestlöhnen von 1,20 € pro Stunde wird sich dies nicht ändern.

berndgrimm
berndgrimm
25 Tage zuvor
Antwort auf  Menster

Sehr richtig!

berndgrimm
berndgrimm
25 Tage zuvor

Es freut mich daß in TH wenigstens ein paar sich trauen auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren.
In Frankreich hätte man Anutin und Komplizen schon lange aus dem Lande gejagt.Dabei gibt es auch dort soetwas rückständiges ultrarechtes wie die BJT.

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