Nach dem politischen Beben vom 8. Februar zieht die thailändische Pheu-Thai-Partei die Konsequenzen. In einem Akt der politischen Reue entschuldigt sich Spitzenkandidat Yodchanan Wongsawat bei seiner Basis für den Eintritt in eine Koalition unter Führung der Bhumjaithai-Partei – ein Bündnis, das viele Anhänger als Verrat empfinden.

BANGKOK – Es ist ein Gang nach Kanossa, digital und unmissverständlich. Am Samstag nutzte Yodchanan Wongsawat, Premierministerkandidat der Pheu-Thai-Partei und Neffe des inhaftierten Ex-Regierungschefs Thaksin Shinawatra, seine Facebook-Seite für eine emotionale Botschaft. Er räumte unumwunden ein: Die Partei ist gespalten, die Basis ist erschüttert.

Eine Entscheidung gegen den Instinkt

Der Entschluss, sich als Juniorpartner unter der Führung der Bhumjaithai-Partei einzureihen, gleicht für die einst dominierende Pheu Thai einer Zäsur. „Allen, die sich durch diese Entscheidung unwohl fühlen, möchte ich mich aufrichtig entschuldigen“, schrieb Yodchanan. Für eine Partei, die über Jahrzehnte den Anspruch erhob, das Land anzuführen, ist die Rolle des Steigbügelhalters für den Rivalen eine bittere Pille.

Nach internen Zerreißproben und hitzigen Debatten habe die Mehrheit jedoch entschieden: Stabilität geht vor Stolz. Yodchanan betonte, dass die „komplexen politischen Faktoren“ und eine sich rasant verändernde Weltlage keinen anderen Weg ließen.

Schatten auf dem Wahlergebnis

Doch der Blick zurück schmerzt. Das Abschneiden bei der Wahl am 8. Februar blieb hinter den Erwartungen zurück – Pheu Thai landete mit 74 Sitzen nur auf Rang drei, weit hinter der Volkspartei (118 Sitze) und dem Wahlsieger Bhumjaithai, der triumphale 193 Mandate einfuhr.

Yodchanan ließ jedoch durchblicken, dass das Ergebnis für ihn einen faden Beigeschmack hat. Er forderte die Wahlkommission auf, Unregelmäßigkeiten und das „Ressourcenmanagement“ im Wahlkampf zu klären. Das hauseigene Anwaltsteam stehe bereits Gewehr bei Fuß, um die Integrität der Abstimmung prüfen zu lassen.

Die „Wiedergeburt“ aus der Niederlage

Trotz der defensiven Ausgangslage gibt sich der Thaksin-Neffe kämpferisch. Er versprach, die Wirtschaft wiederzubeleben und die Lebensbedingungen im Land zur obersten Priorität zu machen.

„Ich bin in einem Moment der Niederlage in die Politik eingestiegen, aber ich werde Pheu Thai so lange unterstützen, bis wir eines Tages wieder gemeinsam gewinnen.“

Anutins Weg zur Macht ebnet sich

Während Pheu Thai mit sich selbst ringt, festigt Bhumjaithai-Chef Anutin Charnvirakul seine Position. Wie Parteisprecherin Nan Boontida Somchai bestätigte, haben bereits sieben Kleinstparteien ihre Unterstützung für Anutin als Premierminister signalisiert.

Aktuell zeichnet sich eine Mehrheit ab:

  • Bhumjaithai: 193 Sitze

  • Pheu Thai: 74 Sitze

  • Kleinstparteien: 5 Sitze

  • Gesamt: 272 von 500 Sitzen

Damit stünde die Koalition auf einem soliden Fundament, auch wenn die Sprecherin mahnte, dass die endgültigen Ressortverteilungen noch ausstehen. Die Öffentlichkeit müsse sich gedulden, bis die politische Marschrichtung klar definiert sei.

Die Uhr tickt: Die Wahlkommission hat 60 Tage Zeit, das Ergebnis offiziell zu bestätigen. Erst dann wird sich im Parlament zeigen, ob die ungleiche Ehe zwischen Bhumjaithai und Pheu Thai tatsächlich hält – oder ob der Preis für die Macht für Yodchanan und seine Partei zu hoch war.

 

STIN // AI

Von stin

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