BANGKOK – Es ist ein Thema, das in den sozialen Netzwerken Südostasiens regelmäßig die Wogen hochschlagen lässt: Wem „gehört“ das Neujahrsfest? Nachdem Berichte über eine erneute UNESCO-Nominierung Kambodschas für Unruhe sorgten, trat die thailändische Führung am Wochenende mit einer klaren Botschaft vor die Presse: Kultur ist kein Wettlauf und kein Exklusivrecht.
Der Faktencheck: Was plant Kambodscha wirklich?
Yuthika Isarangkun na Ayutthaya, Generaldirektorin der Abteilung für Kulturförderung, sorgte am 14. Februar 2026 für Klarheit. Nach einer Prüfung der UNESCO-Datenbank bestätigte sie zwar das Interesse des Nachbarlandes, rückte die Zeitpläne jedoch gerade:
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Priorität 2026: Für das kommende Jahr hat Kambodscha primär die traditionelle Khmer-Hochzeit ins Rennen geschickt.
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Das Neujahrsfest: Die Nominierung von „Mohasangkran chnam thmey“ (das traditionelle Khmer-Neujahr) wird bei der UNESCO aktuell unter der Priorität „0“ geführt. Das bedeutet: Das Dossier wartet noch auf die Aufnahme in einen zukünftigen Prüfungszyklus.
Songkran bleibt unangetastet
Die Sorge vieler Thailänder, der Status ihres geliebten Songkran-Festes könnte durch den kambodschanischen Vorstoß verwässert werden, entkräftete Yuthika entschieden. Thailand hatte sein „Songkran“ bereits 2021 eingereicht und wurde 2023 offiziell in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.
„Diese Eintragung ist uneingeschränkt gültig. Sie wird durch Einreichungen anderer Länder nicht beeinträchtigt“, betonte die Generaldirektorin.
Ein Fest, viele Namen
Yuthika erinnerte daran, dass das UNESCO-Übereinkommen von 2003 nicht dazu dient, „Besitzurkunden“ für Traditionen auszustellen. Vielmehr gehe es darum, lebendiges Erbe vor dem Vergessen zu bewahren. Als Beispiel nannte sie Myanmar, dessen Atā Thingyan-Neujahrsfest 2024 ebenfalls anerkannt wurde. Da das Sonnenneujahr Mitte April in der gesamten Region tief verwurzelt ist, sei es nur natürlich, dass verschiedene Nationen ihre spezifischen Ausprägungen schützen lassen.
Thailands „Kultur-Offensive“ für 2026
Auch Kulturministerin Sabeeda Thaised meldete sich am 15. Februar zu Wort, um die thailändische Öffentlichkeit zu beruhigen. Die Regierung arbeite „proaktiv“, um das nationale Erbe auf der Weltbühne zu festigen. Thailand blickt bereits auf sechs anerkannte Schätze:
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Klassik & Handwerk: Khon-Theater (2018), Nuad Thai Massage (2019), Nora-Tanz (2021).
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Lifestyle & Kulinarik: Songkran (2023), Tom Yum Kung und die Kebaya-Bluse (beide 2024).
Die Pipeline für die nächsten Jahre ist bereits gefüllt. Besonders im Fokus für 2026: Die traditionelle thailändische Tracht (Chud Thai). Gefolgt von Schwergewichten wie Muay Thai, dem Phakhaoma-Stoff und dem Lichterfest Loy Krathong.
Fazit: Kooperation statt Konfrontation
Das offizielle Bangkok schlägt versöhnliche Töne an. Man beobachte die Entwicklungen in der Region zwar genau, setze aber auf Abstimmung statt Abgrenzung.
„Die Eintragung bei der UNESCO ist ein Prozess der Bewahrung und Weitergabe, kein Wettbewerb“, schloss Yuthika Isarangkun na Ayutthaya. „Kultur ist das gemeinsame Erbe der Menschheit.“
STIN // AI