Die Würfel im thailändischen Parlament fallen neu: Die Bhumjaithai-Partei (BJT) unter Anutin Charnvirakul schmiedet eine schlagkräftige Allianz. Doch während die Zahlen für eine stabile Mehrheit sprechen, droht ein erbitterter Streit um das Landwirtschaftsministerium die Regierungsbildung zu sprengen.

In Bangkoks politischem Zentrum herrscht Hochspannung. Die Bhumjaithai-Partei, die mit beeindruckenden 193 Sitzen das Fundament der neuen Regierung stellen will, hat den Turbo gezündet. Die Nachricht der Woche: Satte 74 Abgeordnete der Pheu Thai-Partei haben signalisiert, den Vorstoß der BJT zu unterstützen. Zusammen mit sieben kleineren Fraktionen kommt Anutin bereits jetzt auf 276 Stimmen – eine solide Basis, aber noch nicht das angestrebte Bollwerk.

Das „Zünglein an der Waage“ pokert hoch

Der entscheidende Puzzlestein für eine „Super-Koalition“ ist die Klatham-Partei. Mit ihren 58 Abgeordneten würde das Bündnis auf eine überwältigende Mehrheit von 334 Stimmen im Repräsentantenhaus anwachsen. Doch die Verhandlungen sind an einem neuralgischen Punkt ins Stocken geraten: dem Ministerium für Landwirtschaft und Genossenschaften.

Die BJT verfolgt einen ehrgeizigen Masterplan. Sie will das Agrarressort eng mit dem Handelsministerium verzahnen, um Produktion und Exportstrategie aus einer Hand zu steuern. Als Galionsfigur für dieses Projekt ist Suphajee Suthumpun vorgesehen: Sie soll als stellvertretende Premierministerin und Handelsministerin die gesamte Agrarpolitik koordinieren. Das Ziel: Thailands wirtschaftliche Schlagkraft auf dem Weltmarkt radikal zu erhöhen.

Frontalcrash der Interessen

Doch dieser Plan stößt auf den erbitterten Widerstand von Klathams Chefberater, Captain Thamanat Prompow. Der einflussreiche Strippenzieher weigert sich beharrlich, das Landwirtschaftsministerium preiszugeben. Für Klatham ist dieses Ressort die traditionelle Machtbasis, die man nicht kampflos räumen will.

Dass die BJT nun öffentlichkeitswirksam die Unterstützung der Pheu Thai und der Kleinparteien bestätigt hat, werten Beobachter als klassischen Power-Move. Anutin erhöht den Einsatz, um Klatham unter Druck zu setzen und zu Zugeständnissen zu zwingen.


Die drei großen Stolpersteine für Anutin

  • Ländliche Vorherrschaft: Die BJT sieht die Kontrolle über die Agrarpolitik als strategisch überlebenswichtig an, um ihre Wählerbasis in den Provinzen zu sichern. Zudem gibt es böses Blut, da Klatham versucht haben soll, in Wahlbezirken zu wildern, die als Hochburgen von BJT-Schwergewichten wie Varawut Silpa-archa und Chada Thaised gelten.

  • Die Personalie Thamanat: Sollte Captain Thamanat selbst einen Kabinettsposten fordern, droht Ungemach. Seine bewegte politische Vergangenheit ist ein gefundenes Fressen für die Opposition. Die „People’s Party“ lauert bereits darauf, die Glaubwürdigkeit der neuen Regierung durch Misstrauensanträge zu untergraben, bevor diese überhaupt richtig im Amt ist.

  • Die kleinen Verbündeten: Am Samstag setzte BJT-Sprecherin Nan Boontida Somchai ein weiteres Zeichen der Stärke. Sie bestätigte, dass sieben Kleinparteien formell hinter Anutin Charnvirakul als Ministerpräsidentenkandidaten stehen.

Fazit: Eine Mehrheit mit Sprengkraft

Auf dem Papier sieht Anutins Koalition unbesiegbar aus. Doch der Streit um die Ministerposten und die persönlichen Animositäten zwischen den Führungsfiguren zeigen, wie fragil das Gebilde ist. In den kommenden Tagen wird sich entscheiden, ob Thailand eine stabile Regierung der wirtschaftlichen Vernunft bekommt – oder ob der Machtpoker um die Gunst der Bauern die Koalition zerbrechen lässt, bevor der erste Eid geleistet wurde.

 

STIN // AI

Von stin

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