Bangkok/Ayutthaya – Es ist ein Mammutprojekt, das die Landkarte Südostasiens neu definieren soll: Die thailändisch-chinesische Hochgeschwindigkeitstrasse nimmt immer deutlichere Formen an. Wie die thailändische Staatsbahn (SRT) nun offiziell bestätigte, hat die erste Phase des ehrgeizigen Vorhabens die kritische Schwelle überschritten und einen Baufortschritt von 51,74 % erreicht.

Baustopp war gestern: Volldampf Richtung Nakhon Ratchasima

Bei einem Ortstermin am Bahnhof Chiang Rak Noi in der Provinz Ayutthaya gab der amtierende SRT-Gouverneur, Anan Phonimdaeng, dem Senatsausschuss für Verkehr einen detaillierten Einblick in den Stand der Dinge. Die Bilanz ist beeindruckend: Während die Abschnitte Klang Dong–Pang Asok sowie Sikhiu–Kut Chik bereits erfolgreich fertiggestellt wurden, dröhnen auf zehn weiteren Teilstrecken aktuell die Maschinen.

Doch es gibt noch offene Flanken. Zwei Verträge – für die strategisch wichtigen Abschnitte Bang Sue–Don Mueang und Ban Pho–Phra Kaeo – warten laut Anan noch auf die finale Unterschrift. Der Gouverneur betonte jedoch, dass man die Auftragnehmer bereits auf strikte Zeitpläne und höchste Sicherheitsstandards eingeschworen habe.

Ein Projekt der Superlative

Die erste Phase, die das wirtschaftliche Herz Bangkoks mit dem „Tor zum Isan“, Nakhon Ratchasima, verbindet, ist ein finanzielles Schwergewicht:

  • Investitionsvolumen: 179,41 Milliarden Baht.

  • Struktur: 14 Bauverträge plus ein separates Abkommen für das hochmoderne Zugsystem.

  • Architektur: Auf der 250,77 km langen Strecke heben die Ingenieure den Zug wortwörtlich in den Himmel. Ganze 188,68 km verlaufen auf Viadukten (aufgeständert), um gefährliche Bahnübergänge zu eliminieren. Nur 54,09 km verbleiben am Boden.

  • Highlights: Zwei Tunnelbauwerke in Muak Lek und Lam Takhong mit einer Gesamtlänge von rund 8 km schneiden durch die Landschaft.

Reisende können sich künftig auf sechs hochmoderne Knotenpunkte freuen: Krung Thep Aphiwat, Don Mueang, Ayutthaya, Saraburi, Pak Chong und Nakhon Ratchasima. Wenn alles nach Plan läuft, schießen die Züge ab 2030 im kommerziellen Betrieb über die Gleise.


Phase zwei: Die Brücke nach Laos rückt näher

Während in Phase eins der Beton trocknet, sind die Planungen für die Fortsetzung bereits auf der Zielgeraden. Die zweite Phase von Nakhon Ratchasima bis zur Grenzstadt Nong Khai hat bereits das grüne Licht des Kabinetts sowie die wichtige Umweltverträglichkeitsprüfung erhalten.

Die Zahlen für diesen Nordabschnitt sprengen nochmals den Rahmen:

  • Streckenlänge: 357,12 km.

  • Budget: 256,4 Milliarden Baht.

  • Zeitplan: Die Ausschreibungen sollen noch in diesem Jahr über die Bühne gehen. Bei einer kalkulierten Bauzeit von 48 Monaten visiert die SRT die Eröffnung für das Jahr 2031 an.

Damit rückt die Vision einer durchgehenden Schienenverbindung von Bangkok bis nach China in greifbare Nähe – ein Projekt, das nicht nur Touristen, sondern die gesamte Logistik der Region transformieren wird.

Hier sind die wichtigsten Meilensteine der Entstehung:

1. Das Fundament (2014–2015)

Kurz nach der Machtübernahme durch den Nationalen Rat für Frieden und Ordnung (NCPO) im Jahr 2014 priorisierte die Regierung unter Prayut Chan-o-cha die Infrastrukturentwicklung. Im Jahr 2015 unterzeichneten Thailand und China eine Absichtserklärung (Memorandum of Understanding), um gemeinsam an der Hochgeschwindigkeitsstrecke zu arbeiten. Es war Teil von Chinas globaler „Belt and Road Initiative“ (Neue Seidenstraße).

2. Der diplomatische Durchbruch (2017)

Der eigentliche Startschuss fiel im Jahr 2017. Da die Verhandlungen über Finanzierung und technische Details stockten, nutzte Premierminister Prayut seine Sonderbefugnisse (den damaligen Artikel 44 der Übergangsverfassung), um bürokratische Hürden zu überspringen. Dies ermöglichte es chinesischen Ingenieuren und Architekten, ohne thailändische Lizenzen am Projekt zu arbeiten, was den Bau offiziell ermöglichte.

3. Die Grundsteinlegung

Der symbolische Baubeginn für den ersten, nur 3,5 Kilometer langen Abschnitt (Klang Dong–Pang Asok) fand im Dezember 2017 statt.

4. Kontinuität bis heute

Auch nach dem Regierungswechsel zu Srettha Thavisin (2023) und später unter der aktuellen Premierministerin Paetongtarn Shinawatra (seit August 2024) wurde das Projekt als nationale Priorität beibehalten. Da es sich um ein zwischenstaatliches Abkommen (G2G – Government to Government) handelt, ist die rechtliche Bindung sehr hoch, ungeachtet der internen politischen Wechsel in Bangkok.


Zusammenfassend: Geboren wurde das Projekt aus der geopolitischen Annäherung zwischen der Militärregierung unter Prayut Chan-o-cha und Peking, wird aber von den nachfolgenden zivilen Regierungen aufgrund seiner enormen wirtschaftlichen Bedeutung für den Isan (Nordostthailand) konsequent weitergeführt.

 

STIN // AI

Von stin

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest

9 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen
berndgrimm
berndgrimm
21 Tage zuvor

Schienenrevolution in TH ? Nur in Kärnten!
Ansonsten siehe Foto unten.
btw: Die Hochgeschwindigkeitsbahn von Vientiane über Boten nach China fährt seit 2021 (Lao China Railway).
In TH plant man seit über 10 Jahren.Jetzt hat man angeblich 51,74% fertig, aber sehen tut man nix.Natürlich mußte man zuerst das benötigte Bauland in die richtigen Hände kriegen damit die Entschädigungen auch in die richtigen Taschen fließen können.

AP758070933869
berndgrimm
berndgrimm
20 Tage zuvor
Antwort auf  stin

Was der Herr des www der bei meinen Beiträgen immer den Löschdaumen am Trigger hat Oder meine Kommentare mit XXXX zuammenstreicht ganz vergessen hat.
In D wird ein veraltetes zu kleines Schienennetz an allen Ecken und Enden geflickt und nur wenig neu gebaut.
Während in TH Alles neu gebaut werden soll und das Museumsbähnle SRT vergammelt lassen wird. Siehe Foto.
Das Management ist auf beiden Seiten wohl gleich unfähig.
TH sollte sich ein Vorbild an Japan nehmen wo es auch noch viele Schmalspurstrecken gibt und die Züge auch dort immer pünktlich fahren und schneller als 30km/h wie in TH.
Viele Waggons der SRT wurden von den Japanern geschenkt.
D sollte sich ein Beispiel an der Schweiz nehmen wo die Bahn
pünktlich , sauber und preiswert (nicht billig) ist.
Auch in D sollte man sich kein Mismanagement leisten.
Mehdorn hat nicht nur die DB sondern auch die LTU, Air Berlin und den BER kaputtgemanagt.
Jetzt hat die DB ja eine Frau an der Spitze die aus dem besseren Eisenbahnland Italien kommt.
Vielleicht wirds jetzt ja auch bei der DB besser.
Was das typische STIN Heruntermachen angeht so kommt dies von einem der nie sein Auto verlassen würde um mit der Bahn zu fahren.
Ich fahre seit meinem 75. Lebensjahr nicht mehr selber mit dem Auto sondern benutze oft den ÖPNV . In D auch die Regionalbahn an der Saar entlang von Trier bis Saarbrücken /Homburg.
Die Züge sind eigentlich immer pünktlich , sauber und nur zu den Schulzeiten voll.Das Einzige was ich zu bemängeln hätte ist der hohe Einzelpreis von 9,80€ für 15 km.Da lohnt sich schnell das Deutschland Ticket.
In TH gibt es viele Versprechen aber keine Halter.
Die letzte Eisenbahnstrecke die in der selben Legislaturperiode geplant, gebaut und eröffnet wurde war während der kurzen Abhisit Regierung die zweispurige,kreuzungsfreie Strecke von Chachoensao nach Laem Chabang.Aber da fährt praktisch nur Fracht.Es gibt nur 2 Personenzüge jeweils Morgens und Abends.Wir hätten einen Haltepunkt nur 1km von unserer Anlage.Von dort könnte ich ohne Umsteigen bis nach Makkassan/Pratunam in BKK fahren.Wenn ein Personenzug fahren würde.
Die geplante schnelle S – Bahn von Rayong/Utapao über Pattaya, Si Racha , Chonburi Stadt bis zum Bumsi Airport wird wohl nicht mehr zu meinen Lebzeiten fertig.Außerdem hätten wir zur Station Si Racha 7 km Stadtverkehr a la Thai und die Fahrt soll mehr kosten als Thai Lionair oder Thai Vietjet für eine Flug BKK-UTP verlangen würden.
Aber sonst ist TH überall ganz vorne.Besonders in Kärnten.

Wolfgang Kempf
Wolfgang Kempf
19 Tage zuvor
Antwort auf  stin

Von STIN wieder nur Deutschland Bashing!
Habe gestern gelesen , dass die eingestürzte Samsen Kreuzung erst 2027 wieder frei sein wird.
Es hieß mal in 14 Tagen 😜 läuft es wieder.
Lachhaft wenn es heißt fertig zu 51,251 Prozent!
STIN und die AfD Bots im Netz auf der gleichen Linie.

Zuletzt bearbeitet am 19 Tage zuvor von Wolfgang Kempf
Wolfgang Kempf
Wolfgang Kempf
19 Tage zuvor
Antwort auf  stin

Die Prozent Angabe bezieht sich auf den obigen Artikel 😃
Die Anmerkung zur Samsen Kreuzung, bezieht sich auf die angeblich schnelleren
Thais. Hierzu nichts von STIN!
Liest STIN nicht die Kommentare in anderen Medien , ich schon!
Da sind AfD Bots in nicht geringer Zahl unterwegs.
Ich lebe seit 15 Jahren in Thailand, die DB brauche ich nicht und STIN in Kärnten auch nicht, wie pünktlich ist denn die ÖBB?

Zuletzt bearbeitet am 19 Tage zuvor von Wolfgang Kempf
Wolfgang Kempf
Wolfgang Kempf
17 Tage zuvor
Antwort auf  Wolfgang Kempf

Da kommt nichts mehr von STIN!
Nochmals wie pünktlich ist die Österreichische Bundesbahn?

{title}
WP Twitter Auto Publish Powered By : XYZScripts.com