Pathum Thani – Es klang nach einem Routineeinsatz, doch es endete in einem handfesten Skandal. Ein hochrangiger Polizeioberstleutnant der Metropolitan Police steht im Verdacht, mit einer bewaffneten Kommandotruppe einen Marihuana-Shop überfallen zu haben. Das Diebesgut: Fast eine Million Baht und 100 Kilogramm Gras.
Am vergangenen Mittwoch wirkte der Einsatz im Marihuana-Shop in der Provinz Pathum Thani auf den ersten Blick offiziell. Eine Gruppe von Männern verschaffte sich unter Vorlage eines Durchsuchungsbefehls Zutritt. Doch was wie die Vollstreckung des Gesetzes aussah, entpuppte sich laut Ermittlern als dreister Raubüberfall.
„Captain Khaek“ unter Verdacht
Im Zentrum des Skandals steht der 47-jährige Polizeioberstleutnant Pongphop Kaewkoon, in Polizeikreisen als „Captain Khaek“ bekannt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm und vier weiteren Komplizen vor, 800.000 Baht Bargeld sowie über 100 Kilogramm Marihuana mit Waffengewalt entwendet zu haben.
Besonders perfide: Die Gruppe nutzte offenbar ihre Dienstmarken und fingierte Dokumente, um den Überfall als offizielle Razzia zu tarnen. Die Quittung folgte prompt: Kaewkoon wurde mit sofortiger Wirkung aus dem Dienst der Königlich Thailändischen Polizei entlassen. Ein Disziplinarausschuss prüft nun weitere Sanktionen gegen den suspendierten Beamten, der bereits zuvor wegen Bestechungsvorwürfen intern versetzt worden war.
Ein falsches Spiel mit echten Haftbefehlen?
Trotz der erdrückenden Beweislast gibt sich „Captain Khaek“ unbeeindruckt. Bei seiner Vorführung vor das Provinzgericht Pathum Thani am Samstagmorgen wies er alle Vorwürfe von sich.
„Der Durchsuchungsbefehl war echt, ich habe ihn persönlich beantragt“, beharrte er gegenüber den wartenden Medienvertretern.
Er bestreitet, eine Waffe getragen, jemanden bedroht oder Geld gestohlen zu haben. Wer etwas anderes behaupte, leiste eine Falschaussage, warnte der Ex-Offizier mit versteinerter Miene unter seiner Baseballkappe.
Die Jagd auf die Komplizen
Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Bisher haben sich neben Kaewkoon zwei weitere Polizeibeamte und ein Zivilist gestellt. Ein fünfter Verdächtiger, der 24-jährige Student Kritsadaphat „Tony“ An, wurde in seiner Wohnung in Lam Luk Ka festgenommen. Er soll der Bande als Informant gedient haben.
Die Polizei geht hart gegen die eigenen Reihen vor:
-
Untersuchungshaft: Das Gericht lehnte eine Freilassung auf Kaution ab. Die Begründung: Es bestehe die Gefahr, dass die Beschuldigten ihr berufliches Netzwerk nutzen, um Zeugen einzuschüchtern oder Beweise zu vernichten.
-
Verschwundene Beute: Von dem geraubten Geld und dem Marihuana fehlt bislang jede Spur. Die Ermittler suchen zudem nach den Fluchtfahrzeugen.
Während die Angehörigen der Verdächtigen schweigend Kleidung und Essen in die Zellen brachten, arbeitet die Spezialeinheit der Region 1 daran, das gesamte Ausmaß des Falls aufzudecken. Es ist ein Fall, der das Vertrauen in die thailändische Polizei erneut schwer erschüttert – und zeigt, wie schmal die Grenze zwischen Gesetzeshüter und Gesetzlosem manchmal sein kann.
STIN // AI