Hinter den Kulissen der thailändischen Regierungsbildung brodelt es. Während Premierminister Anutin Charnvirakul an seinem zweiten Kabinett feilt, sorgen strategische Ausschlüsse und das Erstarken neuer politischer Kräfte für erhebliche Unruhe innerhalb der Koalition.

Die politische Landschaft Thailands steht vor einer Zerreißprobe. Im Zentrum des Sturms: Die Frage, wie viel Einfluss der umstrittene Captain Thamanat Prompow und die aufstrebende Klatham-Partei in der neuen Regierung erhalten sollen. Während die Bhumjaithai-Partei versucht, ihre Dominanz zu sichern, drohen interne Konflikte und der Druck der Pheu Thai das fragile Machtgefüge zu destabilisieren.

Das Thamanat-Dilemma: Angst vor dem Srettha-Szenario

Die Personalie Thamanat Prompow hat sich zum zentralen Streitpunkt entwickelt. Bhumjaithai zögert sichtlich, die Klatham-Partei voll in die Regierung einzubinden. Die Sorge ist groß, dass Thamanats Ernennung rechtliche oder ethische Fallstricke bergen könnte – eine bittere Erinnerung an das Schicksal des ehemaligen Premierministers Srettha Thavisin, der über die umstrittene Ernennung von Pichit Chuenban stolperte.

Zusätzlich verschärft sich der Konflikt durch die territoriale Expansion der Klatham-Partei. Dass diese nun in traditionelle Bhumjaithai-Hochburgen wie Suphanburi und den tiefen Süden vordringt, sorgt für offene Verbitterung und die Angst vor massiven Verlusten bei kommenden Wahlen.

Bhumjaithais Machtblock: Kontinuität an der Spitze

Trotz der Reibereien plant Bhumjaithai, 19 Ministerposten zu besetzen, um die politische Richtung vorzugeben. Anutin Charnvirakul beabsichtigt, die Doppelrolle als Premierminister und Innenminister beizubehalten. Vier Schlüsselpositionen gelten bereits als gesetzt:

  • Borwornsak Uwanno (Stellvertretender Premier)

  • Sihasak Phuangketkeow (Stellvertretender Premier & Außenminister)

  • Suphajee Suthumpun (Stellvertretender Premier & Handelsminister)

  • Ekniti Nitithanprapas (Stellvertretender Premier & Finanzminister)

In den weiteren Ressorts wird auf altbekannte Gesichter gesetzt: Phiphat Ratchakitprakarn soll das Verkehrsministerium leiten, während Chaichanok Chidchob das Ressort für Digitale Wirtschaft übernimmt. Eine Überraschung bahnt sich im Kulturministerium an, das voraussichtlich von Sabida Thaised geführt wird.

Pheu Thai: Strategischer Rückzug für den Wahlsieg

Während Bhumjaithai das Gros der Posten beansprucht, sichert sich die Pheu Thai mit etwa acht Ministerien entscheidende Bereiche wie Landwirtschaft, Bildung und Arbeit. Doch die Partei agiert vorsichtig.

Prominente Namen wie Yodchanan Wongsawat wurden bewusst nicht nominiert. Die Parteiführung will kein Risiko eingehen, das die Popularität bei der nächsten Wahl gefährden könnte. Auch Suchart Chomklin, eigentlich für das Arbeitsministerium vorgesehen, steht aufgrund massiven Widerstands in der Bevölkerung vor dem Aus. Ebenso wackelt der Stuhl von Polizeigeneralleutnant Rutthaphon Naowarat im Justizministerium.

Ein Kabinett auf dünnem Eis

Die kommenden Tage werden zeigen, ob Anutin den Spagat zwischen dem Machterhalt seiner Partei und der Befriedung der Koalitionspartner schafft. Der Ausschluss von Thamanat könnte die Klatham-Partei in die Opposition treiben oder zu einer internen Meuterei führen, die das „Kabinett Anutin II“ bereits vor dem ersten Spatenstich ins Wanken bringt.

 

STIN // AI

Von stin

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