Mit einer Kampfansage voller Pathos bricht Vizepräsidentin Sara Duterte endgültig mit Präsident Marcos Jr. Zwei Jahre vor den Wahlen bringt sie sich in Stellung – nicht nur aus politischem Kalkül, sondern als Akt des puren Überlebens.

„Ich biete mein Leben, meine Kraft und meine Zukunft für den Dienst an unserer Nation“, verkündete die 47-Jährige am Mittwoch mit gewohnter Dramatik im philippinischen Fernsehen. Die Botschaft saß: Sara Duterte will Präsidentin der Philippinen werden. Damit ist das einst gefeierte „Unity Team“ der beiden mächtigsten Polit-Clans des Landes nicht nur Geschichte, sondern Schauplatz eines rücksichtslosen Vernichtungskrieges.


Vom Zweckbündnis zum Familienduell

Sara Duterte ist weit mehr als nur die Tochter des populistischen Ex-Präsidenten Rodrigo Duterte. Sie ist seine politische Erbin. Schon 2022 hatte ihr Vater gehofft, sie würde direkt in seine Fußstapfen treten – ein Manöver, das in ihrer gemeinsamen Hochburg Davao City jahrelang perfekt funktionierte. Doch Sara entschied sich damals für den Posten der Vize unter Ferdinand „Bongbong“ Marcos Jr., dem Sohn des einstigen Diktators.

Der Erdrutschsieg des Duos war historisch, der Frieden jedoch von kurzer Dauer. Heute ist die Allianz einer tiefen Feindschaft gewichen. Duterte nutzt ihre Kandidatur nun für einen Frontalangriff: Marcos habe seine Wahlversprechen gebrochen, sei korrupt und unfähig. In einem beispiellosen Akt der Reue entschuldigte sie sich öffentlich dafür, ihm überhaupt ins Amt verholfen zu haben.

Die Eskalation kennt keine Tabus:

  • Morddrohungen: Beide Politiker überzogen sich in der Vergangenheit mit theatralischen, wenngleich verklausulierten Drohungen gegen das Leben des anderen.

  • Grabschändung als Drohung: Duterte drohte Marcos sogar damit, die Überreste seines Vaters aus dem Nationalheldenfriedhof auszugraben und sie „den Fischen in der Bucht von Manila zum Fraß vorzuwerfen“.

  • Der Verrat von Den Haag: Marcos revanchierte sich politisch und lieferte Rodrigo Duterte an den Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag aus – ein Schock für das Duterte-Lager. Dem 80-jährigen Ex-Präsidenten wird dort der Prozess wegen der Tötung Tausender Menschen im Zuge seines „Drogenkriegs“ gemacht.


Schachzug gegen das Amtsenthebungsverfahren

Hinter der frühen Ankündigung der Kandidatur steckt kühles Kalkül. Sara Duterte steht mit dem Rücken zur Wand: Neue Amtsenthebungsverfahren wegen Korruption und der Zweckentfremdung öffentlicher Mittel drohen sie politisch zu vernichten.

Mit der Ausrufung ihrer Präsidentschaftskandidatur setzt sie die Abgeordneten im Senat und Repräsentantenhaus unter Druck. Auf den Philippinen scharen sich Parlamentarier vor Wahlen traditionell um die aussichtsreichsten Kandidaten, um ihre eigene Wiederwahl zu sichern. Wer es wagt, jetzt gegen die populäre Duterte zu stimmen, riskiert, von ihrer Liste gestrichen zu werden. Professor Ederson Tapia von der Universität Makati bezeichnet dies als hochriskantes Manöver: Es ist eine Flucht nach vorn, um die politische Immunität des höchsten Amtes zu erreichen.

Das Vakuum im Marcos-Clan

Das Timing könnte kaum brisanter sein. Am Montag beginnen in Den Haag die Vorverhandlungen gegen ihren Vater. Da Rodrigo Duterte trotz der schweren Vorwürfe in weiten Teilen der Bevölkerung immer noch Kultstatus genießt, nehmen viele Filipinos Marcos die Auslieferung übel.

Zudem fehlt dem Marcos-Clan ein zugkräftiger Nachfolger. Da der Präsident verfassungsgemäß nicht erneut antreten darf, ruhten die Hoffnungen auf seinem Cousin Martin Romualdez. Doch dieser musste nach Korruptionsskandalen gerade erst als Vorsitzender des Repräsentantenhauses zurücktreten.

Sollte Sara Duterte siegen, wäre sie die dritte Frau an der Spitze des Staates. Es wäre die endgültige Zementierung der Dutertes als vierte große Polit-Dynastie der Philippinen – und ein Triumph über den Erzfeind Marcos.

 

STIN // AI

Von stin

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