Die einst mächtige Demokratische Partei findet sich nach dem Wahldebakel mit nur 22 Sitzen in der Bedeutungslosigkeit wieder. Doch Parteichef Abhisit Vejjajiva denkt nicht an Kapitulation. In einem brisanten Interview macht er klar: Wer mit den Demokraten regieren will, muss sich seinen moralischen Scharfschützen beugen – und die umstrittene Klatham-Partei opfern.
BANGKOK – Es ist das Bild eines gefallenen Riesen, der sich weigert, die Knie zu beugen. Abhisit Vejjajiva, das Gesicht der thailändischen Demokraten, wirkt im Interview der Sendung „Kammakorn Khao: Khui Nok Jor“ weder wie ein Verlierer noch wie ein Bittsteller. Zwar gibt er unumwunden zu, dass seine Partei nach dem Gewinn von mageren 22 Sitzen nicht mehr die Rolle des „Königsmachers“ spielt, doch wer ihn als bloßen Mehrheitsbeschaffer abschreibt, unterschätzt seinen politischen Überlebensinstinkt.
„Wir drängen uns nicht auf“
Abhisits Botschaft an die Konkurrenz, insbesondere an die erstarkte Bhumjaithai-Partei, ist kühl und kalkuliert: „Ich dränge mich um nichts.“ Die Demokraten werden nicht in den Vorzimmern der Macht betteln. Sollte das Telefon klingeln, werde man abheben – aber das Gespräch findet zu Abhisits Bedingungen statt.
„Zuhören ist nicht dasselbe wie passives Abnicken“, stellt er klar. Für den Eintritt in eine Koalition hat er eine Liste von „roten Linien“ gezogen, die einer politischen Kriegserklärung gleichkommen:
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Absolutes Veto gegen die Klatham-Partei.
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Kein „graues Kapital“ (dubioses Geld hinter den Kulissen).
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Null Toleranz gegenüber externer Einmischung oder „spirituellen Führern“, die aus dem Schatten heraus die Fäden ziehen.
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Stopp jeder Agenda, die das Land weiter spaltet.
Das mathematische Patt
Die aktuelle Lage gleicht einem politischen Schachspiel, bei dem die Bhumjaithai-Partei die meisten Figuren hält. Abhisit analysiert die Situation messerscharf: Bhumjaithai könnte auch ohne die Demokraten eine stabile Regierung mit über 290 Stimmen bilden. Doch der Elefant im Raum ist die Klatham-Partei mit ihren 58 Sitzen.
Warum wirbt Bhumjaithai so aggressiv um Klatham? Laut Abhisit ist es reines Kalkül, um die Pheu Thai Partei (78 Sitze) in Schach zu halten. Klatham dient als Puffer und Lebensversicherung. „Die 58 Sitze von Klatham wiegen in dieser Rechnung schwerer als unsere 22“, gibt er trocken zu. Doch genau hier setzt sein moralischer Hebel an: Er fordert eine Regierung der Sauberkeit statt der bloßen Zahlen.
Der Konfrontation ins Auge blicken
Die Giftpfeile, die zuletzt von Vertretern der Klatham-Partei in Richtung der Demokraten flogen – man solle „einfach abwarten“ –, lässt Abhisit an sich abperlen. Mit einer Prise Ironie konterte er: „Abwarten und sehen – warum wirbt eigentlich nicht jeder um eine Partei mit 58 Abgeordneten, wenn sie doch so attraktiv ist?“
Noch haben sich die Demokraten nicht offiziell zur Opposition erklärt. Man wolle nicht „unnötig konfrontativ“ wirken, solange die Würfel nicht gefallen sind. Doch eines ist sicher: Abhisit Vejjajiva wird seine 22 Abgeordneten eher in die Isolation der Opposition führen, als sie für eine Koalition zu verkaufen, die von „grauem Kapital“ und Hinterzimmer-Deals gesteuert wird.
Für die thailändische Politik bedeutet das: Die Regierungsbildung bleibt ein hochexplosives Gemisch aus Machtgier und moralischem Anspruch. Und Abhisit spielt den Zündmechanismus.
STIN // AI
Ich glaube, die DP sollte sich auflösen.
Ihre Zeit ist vorbei – schade um Abhisit.